Aschermittwoch in Hilden und Haan Jetzt beginnt die Fastenzeit

Hilden, Haan · Das Ritual des Fastens findet man in allen großen Weltreligionen. Für Christen beginnt die Fastenzeit offiziell am Aschermittwoch. Doch wie kann man im 21. Jahrhundert sinnvoll fasten? Zwei Hildener Geistliche geben Auskunft.

 Am Mittwoch erhalten Katholiken das Aschekreuz.

Am Mittwoch erhalten Katholiken das Aschekreuz.

Foto: dpa

Am Aschermittwoch beginnt im Christentum die 40-tägige Fastenzeit als Vorbereitung auf das höchste Kirchenfest: Ostern. Das Konzept von Fasten ist eigentlich, dass es sich um eine Entbehrung handeln soll. Deshalb wird traditionell von Dingen wie Fleisch, Alkohol oder Süßkram gefastet. Viele junge Menschen essen aber ohnehin kein oder wenig Fleisch und auch die „Sober Curious“-Bewegung („Neugierig auf Nüchtern“) – im Rahmen derer die Menschen dem Alkohol entweder ganz entsagen oder sehr bewusst damit umgehen – findet auch in Deutschland immer mehr Zulauf. Wovon können wir also sinnvoll fasten, wenn Fleisch, Alkohol oder Zucker eh keine großen Themen mehr sind?

Pfarrer Haiko Behrens von der evangelischen Kirchengemeinde Hilden empfiehlt dazu: „Eine Idee wäre, die Fastenzeit ab Aschermittwoch dazu zu nutzen, auf den Umgang mit der Sprache und den Gedanken in Bezug auf mein Umfeld zu achten: Wie oft verwende ich unbewusst Kraftausdrücke, um Macken und Schwächen meiner Mitmenschen zu beschreiben und auf diese Weise laut und leise negativ über sie zu denken? Wie wäre es daher, sich während der Fastenzeit dazu zu bewegen, bewusst positiv über die Mitmenschen zu denken und zu reden? Wie steht es generell mit meinen (Vor)Urteilen gegenüber anderen Menschen?“

Eine weitere Idee ist das Fasten von Plastik – die unterstützt auch der BUND. 40 Tage lang sollte man hierbei möglichst auf die Verwendung von Plastik und Einmalverpackungen im Alltag verzichten. Das ist tatsächlich gar nicht mal so leicht, denn Plastik ist beim normalen Discounter fast nicht zu vermeiden. Es kann aber nicht schaden es zumindest zu versuchen, denn beim Plastikfasten schont man Ressourcen und die Umwelt.

Außerdem bietet sich das Autofasten an. Das Konzept ist wahrscheinlich selbsterklärend: Die Fastenzeit über sollte man versuchen, das Auto so wenig wie möglich zu benutzen und stattdessen auf Bus, Bahn oder Fahrrad und Füße umzusteigen. Auch das schont die Umwelt, hält fit und kann den Fastenden helfen, neue Ecken von Hilden oder Haan zu entdecken, die man vorher vielleicht noch nicht gesehen hat.

Spirituelle Übung soll
beim Fasten im Zentrum stehen

Eine dritte Idee für das moderne Fasten ist das Konsumfasten. Hier geht es vor allem darum, unnötigen Konsum zu vermeiden und wirklich nur die Dinge neu zu kaufen, die man gerade braucht. Konsum muss sich aber nicht nur auf Waren beziehen: Beim Konsumfasten kann man auch seinen Medienkonsum mal kritisch unter die Lupe nehmen.

Zum besonders guten Fastengelingen erinnert Diakon Michael Ruland von der katholischen Kirchengemeinde St. Jacobus Hilden: „Wenn wir uns beim Fasten zu sehr auf die Frage konzentrieren, auf was wir verzichten sollen, besteht die Gefahr, den Sinn des Ganzen zu übersehen. Fasten bedeutet letztlich Unterbrechen, Aufbrechen, Durchbrechen.“ Egal wie motiviert man Fasten möchte, im Zentrum des Ganzen sollte immer die spirituelle Übung stehen.

Haiko Behrens dagegen ermahnt, dass gerade Menschen, die für die Fastenzeit komplett auf Nahrung verzichten wollen, sich vorher unbedingt medizinischen Rat einholen sollten, da dies für den Körper sehr belastend sein könne. „Meditation und Gebet während dieser Zeit dient der Ermutigung, das Vollfasten durchzustehen“, führt er weiter aus. Er verweist im Rahmen dessen außerdem auf die diesjährige „Sieben Woche ohne Alleingänge“-Aktion der evangelischen Kirchen. Hier können sich Gläubige in Fastengruppen zusammenfinden, um sich gegenseitig zu bestärken und zu unterstützen.

Und welche Aktivitäten empfehlen sich so zu Aschermittwoch oder in der Fastenzeit generell? „Den Ort der Stille in uns zu finden, darauf kommt es an. Ohne diesen Ort wird Gott nicht bei uns eintreten können. Das ist eine echte Herausforderung, wenn wir mit uns selbst in Kontakt kommen. Die Stille zu suchen, in welcher Form auch immer, das wäre in der Fastenzeit doch ein gutes Vorhaben“, sagt Michael Ruhland dazu.

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