Hilden: Ein Pony der Tierfarm erobert Herzen im Pflegeheim

Hilden : Pony Felix besucht Senioren im Pflegeheim

Der Förderverein des Seniorenzentrums Erikaweg Hilden finanziert das spezielle Angebot.

. Spätestens als Gabi Weyerhorst mit Pony Felix und Esel Jonathan das Foyer des Seniorenzentrums Erikaweg betritt und die tierischen Gäste auf die Bewohner zugehen, um sich streicheln zu lassen, hat sich die anfängliche Ungläubigkeit gelöst. Anneliese Kostorz reicht dem Pony Felix zaghaft eine Möhre, und noch eine, weil die erste zunächst auf dem Boden gelandet war. Bei der zweiten ist die ältere Dame etwas mutiger.

Gabi Weyerhorst ist mit ihrer mobilen Tierfarm seit mittlerweile 28 Jahren regelmäßig zu Besuch in Pflegeeinrichtungen, Schulen oder auch Kinder- und Jugendhospizen. „Durch die Anwesenheit der Tiere können Stress oder auch Angstzustände gelöst werden“, sagt Michelle Schmidt von der Bewohnerbetreuung im Seniorenzentrum Erikaweg.

Ein Streichelzoo zu Gast im Seniorenzentrum ist ein Novum

So könne eine Kommunikation und Interaktion stattfinden, die auch beeinträchtigten Menschen sowie Demenzkranken zugutekomme. „Einige Mitarbeiter bringen ihre Hunde mit zur Arbeit und besuchen dann die tieraffinen Bewohner. Aber ein Streichelzoo zu Gast im Seniorenzentrum ist echt ein Novum“, erklärt Schmidt.

Um die älteren Menschen nicht gleich zu Beginn zu überfordern, sind es zunächst kleinere Tiere, die Weyerhorst den Bewohnern vorstellt. „Ich habe alle nur zum Kuscheln mitgenommen“, erklärt sie. Dann hält sie eines der sieben mitgebrachten Kaninchen hoch. „Wer möchte Sheila auf den Arm nehmen?“ Als sich zunächst niemand meldet, geht die Tierpädagogin auf einen älteren Herren zu, der sich einverstanden erklärt. Als die anderen Bewohner sehen, dass das Tier lieb auf dem Schoss sitzt und sich streicheln lässt, melden sich bei der nächsten Frage von Weyerhorst schon gleich die ersten Freiwilligen.

Dagmar Hoffström ist eine von ihnen. Sie darf Henry, ein grau-braunes Kaninchen, auf dem Arm halten. „Das erinnert mich an meine Kindheit“, erzählt die Seniorin. „Früher haben wir immer Kaninchen gehabt, bis zu zehn Stück. Wir haben auf dem Land gewohnt.“ Lächelnd streichelt sie das Langohr – bis ihre Sitznachbarin fragt, ob sie auch einmal das Tier halten darf. Einige der Bewohner berühren nur zaghaft das weiche Fell, andere sind mutiger, nur wenige der Anwesenden schütteln mit dem Kopf, wollen oder trauen sich nicht, die Tiere anzufassen.

„Sofern das Angebot gut angenommen wird, können wir uns vorstellen, den Streichelzoo regelmäßig zu etablieren“, sagt Beate Linz-Eßer, Geschäftsführerin der Seniorendienste Stadt Hilden. „Der heutige Besuch hier im Seniorenzentrum Erikaweg ist aber nur durch die Unterstützung des Fördervereins möglich.“ Rolf Meuser vom Förderverein der Seniorendienste Stadt Hilden hält die mobile Tierfarm für eine gute Sache und erklärt: „Wir fördern all das, was die Lebensqualität der Bewohner erhöht.“ So war auch im Frühjahr der Besuch eines Falkners im Seniorenheim dem Förderverein zu verdanken.

Als Anneliese Kostorz das Pony Felix streicheln darf, kommen auch bei ihr Kindheitserinnerungen hoch. „Mein Vater war in Schleswig-Holstein Verwalter eines Guts. Dort gab es auch Pferde und Ponys“, erzählt sie. „Zuhause hatten wir nur Kaninchen. Das Schlimmste für uns Kinder war dann immer, wenn eins im Stall fehlte. Denn essen wollten wir die Tiere nicht.“ Nachdem Pony Felix und Esel Jonathan ausgiebige Streicheleinheiten im Foyer erhalten haben, geht es für sie mit Weyerhorst weiter in den Aufzug, um auch die schwer demenzkranken und bettlägerigen Bewohner des Seniorenheims zu ­besuchen.

(isf)
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