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Hilden „Der Ausfall der Jazztage ist eine Katastrophe“

Hildener Festival wird abgesagt : Jazztage fallen wegen Corona aus

Die Jazztage feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Es war ein rauschendes Musikfest über mehrere Tage geplant. Der traditionelle Termin im Frühjahr war wegen Corona schon auf November verschoben worden.

Peter Baumgärtner ist der künstlerische Leiter der Hildener Jazztage.

Sie und Ihr Partner Uwe Muth haben dieses Festival aus dem Nichts aufgebaut und es zu einer ersten Adresse für Jazz gemacht. Wie schwer Ihnen jetzt die endgültige Absage gefallen?

Peter Baumgärtner: Nach einigem Hin und Her haben wir nun auch die drei Tage Hildener Jazztage im November gecancelt. Wir hatten ein sehr schönes Programm inklusive vier WDR-Mitschnitte beisammen. Sogar das wie ursprünglich mit August Zirner & den Spardoosen-Terzett und unterstützt vom Gewerbe Park Süd geplante Opening-Konzert hätte in der Stadthalle stattffinden sollen. Nahezu alle Partner und Förderer waren mit im Boot und freuten sich. Die WDR Big Band wollte im Oktett spielen. Und auch alle anderen Künstler kamen uns entgegen und freuten sich sehr darauf.

Sie haben so viel Zeit, Kraft und Herzblut investiert. Wie gehen Sie jetzt damit um?

Baumgärtner: Das ist psychisch schwer auszuhalten und endete jetzt bei mir mit einem akuten und sehr schmerzvollen Hexenschuss. Uwe Muth und mir tut das in der Seele weh und auch existentiell ist der Ausfall eine Katastrophe.

Gab es keine Alternative
zur Absage?

Baumgärtner: In Hilden gilt ja mittlerweile die Corona-Gefährdungsstufe 2. Die Inzidenz liegt deutlich über 50 Neuinfektionen pro 10  000 Einwohner. Wenn ich von 100 Personen für ein Konzert ausgehen muss, dann hätten wir bei drei Tagen maximal 400 Zuschauer (Samstag waren zwei Blocks geplant). Das ist bei dem Kosten- und Arbeitsaufwand nicht darstellbar. Ich denke, da verliert man die Akzeptanz. Außerdem ist es jetzt wichtig, Kontakte zu begrenzen. Ich möchte aber nicht mit dem Kopf durch die Wand, obwohl das existentiell jetzt schon sehr schwierig ist.

Wie fühlen Sie sich
persönlich?

Baumgärtner: Ich fühle mich jetzt wesentlich schlechter als bei der ersten Absage. Die erste Absage war der Lockdown und betraf alle gemeinsam. Jetzt ist das selektiver. Ich bin jetzt auch sehr breit informiert. Ich höre viel Meinungen und verstehe manches, was machtpolitisch entschieden wird, nicht mehr. Das hat nichts mit Verschwörungen oder Aluhütchen zu tun, sondern mit Demokratieverständnis und Eigenverantwortung. Ich habe vor dem Virus Respekt, aber keine Angst. Ich denke, auch wenn mehr Menschen achtsamer, rücksichtsvoller und mit mehr Hirn unterwegs wären, hätten wir jetzt nicht eine so krasse zweite Welle.

Gehen Sie noch in Konzerte?

Baumgärtner: Ich gehe selbstverständlich in Konzerte und stelle fest, wie diszipliniert es da zugeht. Es ist also möglich und ich habe kein Problem mit eine Maske und Abstand.