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Hilden: Das müssen Sie jetzt über den Lockdown in Hilden und Haan wissen

Hilden : Alles Wichtige zum Lockdown

In der Hildener Innenstadt war Montag deutlich mehr Betrieb als sonst. Viele versuchen vor dem harten Lockdown ab Mittwoch noch ihre Besorgungen zu erledigen. Die Schulen bleiben dagegen bis Ende der Woche geöffnet.

Der Einzelhandel schließt, die Präsenzpflicht an den Schulen entfällt, die Kontaktbeschränkungen werden verschärft – der harte Lockdown greift ab Mittwoch und soll bis zum 10. Januar laufen. Mindestens. Und er trifft die Menschen unterschiedlich hart.

Einzelhandel

Einige Händler wie etwa P&C haben die Öffnungszeiten am Montag und Dienstag bis 22 Uhr verlängert. Eine einheitliche Linie gibt es aber nicht, beobachtet Stadtmarketing-Geschäftsführer Volker Hillebrand: „Lebensmittelgeschäfte bleiben geöffnet. Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe. Der harte Lockdown ist eine Riesenkatastrophe für den stationären Einzelhandel. Der Staat muss da unbedingt helfen.“

 Die Innenstadt war vor dem Lockdown voll.
Die Innenstadt war vor dem Lockdown voll. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Ordnungsamt

Leiter Michael Siebert wartet auf die neue Corona-Schutzverordnung. „Es wird bei den Einzelhändlern wieder viele Fragen geben“, ist er sich sicher: „Waren des täglichen Bedarfs dürfen nach wie vor verkauft werden. Die Frage ist: Was ist täglicher Bedarf ? Wir werden die Einzelhändler aufsuchen und informieren. Ich bin mir sicher, dass alle einsichtig sind.“

Friseure

Ab Mittwoch müssen alle Frisiersalons schließen. Viele Kundinnen, die vor Weihnachten noch eine schöne Frisur haben wollten, werden davon kalt erwischt. Winfried Taprogge und fünf Mitarbeiter haben sich noch am Sonntag hingesetzt und vier Stunden lang Kunden angerufen. „Am Montag, der eigentlich geschlossen ist, stehen wir von 8 bis 20 Uhr mit sieben Mitarbeitern im Salon an der Benrather Straße und arbeiten durch – ohne Pause“, erzählt der Friseurmeister: „Am Dienstag ebenso. Wir möchten so viele Kunden bedienen wie eben möglich.“ Taprogge möchten sich bei Reinigungskräften, Pflegepersonal, Ärzten und freiwilligen Helfern, die in der Corona-Krise besonders gefordert sind, bedanken. Statt 60 Euro zahlen Damen nur 25 Euro für Waschen, Schneiden, Föhnen, Männer 20 Euro. Sein Angebot hat er in den Krankenhäusern in Hilden und In Haan verteilt.

Tafel

Die Hildener Tafel versorgt rund 500 Menschen mit gespendeten Lebensmitteln. „Wir betrachten uns als Lebensmittelbetrieb und dürfen weiter öffnen“, sagt Huber Bader, Geschäftsführer des katholischen Sozialverbandes SKFM Hilden: „Am 17. Dezember ist unsere letzte Lebensmittelausgabe. Dann machen wir eine Weihnachtspause und sind ab 5. Januar wieder da.“

Schulen

„Rund ein Drittel der Schüler sind am Montag zu Hause geblieben“, sagt Christiane Gierke, Leiterin der Grundschule am Elbsee und Sprecherin der Hildener Grundschulen. Seit Montag müssen Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sieben nicht mehr am Unterricht in den Klassenräumen teilnehmen (ab Klasse 8 gilt grundsätzlich der Unterricht auf Distanz). Die Präsenzpflicht ist aufgehoben, nicht jedoch die Schulpflicht. Sie gilt weiterhin bis Freitag. Dann starten die vorgezogenen Weihnachtsferien. „Für die Kollegen ist es eine Riesenherausforderung, Kinder in der Schule zu unterrichten und parallel dazu auch den Fernunterricht zu koordinieren“, erklärt Christiane Gierke. Viele seien am Wochenende in die Schule gekommen, um die Materialien für die Kinder zusammenzustellen, die zu Hause bleiben. „Einige Kinder haben heute die Arbeitsblätter abgeholt und bleiben ab morgen zu Hause – bei anderen werden wir die Materialien vorbeibringen“, sagt die Pädagogin. Die Ergebnisse des Distanzunterrichts fließen ganz normal in die Benotung mit ein. Ab Montag, 21. Dezember, bieten die Grundschulen eine Notbetreuung an, die aber nur von wenigen Schülern in Anspruch genommen wird, wie Christiane Gierke erklärt. „Offiziell soll die Schule am 11. Januar wieder starten“, sagt die Schulleiterin. „Ich habe meine Kollegen aber bereits gebeten, sich auf das ,Worst-Case-Szenario’ vorzubereiten, falls der Lockdown verlängert werden sollte.“

Krankenhäuser

Im St.-Josef-Krankenhaus Haan werden zurzeit zehn Patienten mit einer nachgewiesenen Covid-19-Infektion behandelt, davon einer auf der Intensivstation, erklärt Kplus-Sprecherin Cerstin Tschirner. Im St.-Josefs-Krankenhaus Hilden sind es 22 Covid-Patienten, davon alle auf der Isolierstation, nicht intensivmedizinisch. Intensivmedizinisch wird zurzeit ein Corona-Verdachtsfall betreut. „Im Moment könnten weitere Patienten mit oder ohne Corona auf der Intensivstation versorgt werden“, erklärt Tschirner. „Erfahrungsgemäß kann sich das aber sehr schnell ändern. Zumal die steigenden Inzidenzzahlen erst mit zeitlicher Verzögerung in der stationären Betreuung sichtbar werden – und dann die Covid-Patienten auch deutlich länger intensivmedizinisch behandelt werden müssen als andere Patienten dort. Damit zeigt sich auch die Entspannung erst mit Verzögerung.“ Viele Menschen meiden die Krankenhäuser offenbar, auch wenn sie selbst schwer erkrankt sind. Cerstin Tschirner apelliert: „Wenn Sie Schmerzen haben und sich unwohl fühlen, suchen Sie einen Arzt auf. Er kann entscheiden, ob ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist. Auch ein entzündeter Blinddarm kann unbehandelt zu einer ernsten Erkrankung werden. Innerhalb der Kliniken sind die Bereiche mit infektiösen Patienten streng von den anderen Patientenbereichen abgetrennt.“ Besuche sind in beiden Häusern momentan nicht gestattet. Ausnahmen sind Besuche palliativer Patienten und in Hilden die Begleitung einer Geburt durch eine konstante Person. Besuche sind vorher mit der Station abzusprechen, damit der Einlass geregelt wird. Besucher müssen symptomfrei sein.