Antisemitische Parolen in Hilden Anti-Israel-Sprayer greifen Bürgermeister an

Hilden · Am Hildener Rathaus und an mehreren Schulen sind in der Nacht zu Freitag antisemitische Schmierereien aufgetaucht. Auch die Israel-Flagge in der Innenstadt wurde zerschnitten. Bürgermeister Pommer wird in einer Parole angegriffen.

 An der Turnhalle des evangelischen Schulzentrums an der Gerresheimer Straße wird Bürgermeister Claus Pommer persönlich angegriffen.

An der Turnhalle des evangelischen Schulzentrums an der Gerresheimer Straße wird Bürgermeister Claus Pommer persönlich angegriffen.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Schon wieder haben Unbekannte Anti-Israel-Parolen an Wände gesprüht, schon wieder haben sie die Israel-Flagge hinter dem Rathaus zerschnitten und den Teil mit dem Davidstern entfernt. Neu ist, dass sie in einer Schmiererei auch Bürgermeister Claus Pommer persönlich angreifen.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben die Unbekannten die Parolen gesprüht. Betroffen sind der Hintereingang des Rathauses, die Wilhelm-Hüls-Schule an der Augustastraße und das evangelische Schulzentrum an der Gerresheimer Straße. „Nakba never endet“ und „Nakba hat nie aufgehört“ stehen beispielsweise am Hildener Verwaltungssitz. Nakba bedeutet auf deutsch „Katastrophe“. Die Palästinenser bezeichnen damit die Flucht und die Vertreibung während des Nahost-Krieges 1948. Am 15. Mai begehen die Palästinenser den sogenannten Nakba-Tag. Gleich neben dem Schriftzug liegt der Fahnenmast und die zerschnittene israelische Flagge im Rasen.

An der Augustastraße haben die Unbekannten die Wände beschmiert, die dem Schulhof zugewandt sind. Die Botschaften “#jewagainstgenocide“, also „Jude gegen Völkermord“, „Free Palestine“ und “Antisemit weil ich gegen ein Genozid bin?“ stehen dort geschrieben.

Das evangelische Schulzentrum an der Gerresheimer Straße wurde massiv beschmiert: „Christen in Gaza werden von Israhell auch ermordet“ („Hell“ ist das englische Wort für Hölle) steht im Eingangsbereich, Deutschland würde sich nicht gegen den Völkermord positionieren und stehe damit erneut auf der falschen Seite der Geschichte. Und: „Atheisten, Muslime, Juden, Christen alle lebten friedlich und gemeinsam in Palästina, bis der Zionismus kam.“ An der Wand der Turnhalle wird Hildens Bürgermeister Claus Pommer persönlich angegriffen: „Herr Pommer solidarisiert sich mit rechter Regierung, den Angriff auf Zivilisten supportet er. Es ist ja nur Verteidigung auf besetztem Gebiet. Ich sage: Stoppt den Genozid, Widerstand ist gerechtfertigt. Wer ist der Antisemit? 76 Jahre Besatzung gegen 40 000 Morde an Zivilisten.“

Nahostkonflikt sei zu vielschichtig für einfache Antworten

Bürgermeister Claus Pommer hatte erst vor wenigen Tagen ein Statement gegen Antisemitismus veröffentlicht: „Wir werden nicht dulden, dass Antisemitismus unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.“ Er äußerte die Befürchtung, dass ob der Ereignisse der vergangenen Monate „unsere Demokratie in ihren Grundfesten“ gefährdet sei. Das Abreißen von Flaggen und Parolen an Wänden und auf Plakaten seien mehr als nur Sachbeschädigungen. „Ich finde es unfassbar und beschämend, dass sich Menschen jüdischen Glaubens bei uns nicht mehr sicher fühlen.“

Auf die persönlichen Anfeindungen reagiert Claus Pommer am Freitagmittag so: „Als Bürgermeister stehe ich für Toleranz, Respekt und ein friedliches Miteinander ein. Fakt ist, dass es im israelisch-palästinensischen Konflikt niemals nur eine Perspektive geben kann. Leid kennt keine Nationalität und alle Menschen, die unter dem Krieg leiden, verdienen unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme. Wir werden die Israel-Fahne am Rathaus wieder hissen. Als Zeichen der Solidarität mit den Bürgerinnen und Bürgern Israels – nicht mit der Regierung.“ Nicht jede israelkritische Aussage sei antisemitisch. Der Nahostkonflikt sei zu vielschichtig für einfache Antworten und Lösungen. „Es braucht einen kritischen Diskurs. Eine weltoffene Gesellschaft muss und kann unterschiedliche Standpunkte aushalten. Diesen Diskurs über Schmierereien und Sachbeschädigungen zu führen, ist für mich keine Option.“

Rolf-Olaf Geisler ist erschüttert. Der Direktor des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums hat sofort die Polizei eingeschaltet. „Wir sind entsetzt, dass es uns erneut getroffen hat.“ Die Täter hätten die Schmierereien zum Schulhof hin angebracht, in einen geschützten Bereich. „Zielgruppe dieser Parolen sind offenbar die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer“, sagt er.

Der Staatsschutz ermittelt
nun in den vorliegenden Fällen

Das Bonni werde die Thematik, die ohnehin immer wieder im Unterricht behandelt wird, nun noch einmal intensiver in den Fokus nehmen, kündigt der Schulleiter an. Erst vor wenigen Wochen hatten Unbekannte mehrere Anti-Israel-Parolen auf die Wände des evangelischen Schulzentrums gesprüht. Wie auch damals, hatten die Schulleitungen sofort Unternehmen beauftragt, die Schmierereien schnellstmöglich zu entfernen. Die Polizei hat die Graffitis und auch die zerschnittene Flagge am Rathaus registriert und die Fälle aufgenommen, bestätigt ein Behördensprecher. Nun ermittelt der Staatsschutz. Ob das Problem ein Hildener Phänomen ist? „Nein, ein kreisweites“, sagte er.

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