Rockerclub: Hells-Angels-Chapter in Hilden?

Rockerclub: Hells-Angels-Chapter in Hilden?

Auf einem Video aus Gießen tauchen Kutten aus Hilden auf. Am Clubhaus in Haan ist es bisher ruhig.

Hilden/Haan. „Brigade 81 Hilden“ steht hinten auf der Kutte, die ein Mann am Mittwochnachmittag in Gießen trägt. Das Screenshot eines Videos bringt die Aufschrift deutlich zur Geltung, nur: Weder Polizei noch Ordnungsamt kennen eine Hildener Brigade der Hells Angels, denn um die handelt es sich. „Von einem Hildener Ableger haben wir noch nie gehört“, sagt Markus Niescerzy, Sprecher der Düsseldorfer Polizei, bei der es eine eigene Ermittlungsstelle zum Thema Rocker in der Region gibt. Die Erkenntnis sei auch für die Ermittler dort neu, heißt es, man werde sich kümmern.

Ähnlich äußert sich Hildens Ordnungsdezernent Norbert Danscheidt (CDU): „Weder ich selbst noch unser Ordnungsamt haben je von einer Hildener Sektion gehört.“

Das Video entstand bei der Beerdigung von Aygün Mucuk in Gießen am Mittwoch; unzählige Bilder und Filme kursieren im Netz. Der 45-jährige Hells-Angels-Boss Mucuk war Tage zuvor bei einer Schießerei ums Leben gekommen, er soll von 15 Schüssen getroffen worden sein. Der Täter ist noch nicht ermittelt, ob es sich um einen Bandenkrieg handelt, ist unklar. Zur Beisetzung, die ein Großaufgebot der Polizei sicherte, waren 1200 Rocker gekommen. Einige auch aus dem Ausland.

Für den Kreis Mettmann stellt Polizeisprecherin Claudia Partha klar, dass „wir hier keinen Rockerkrieg haben“, Davon könne auch nach den Schlägereien in Hochdahl, wo zwei Clans aufeinander und auf die Beamten losgingen, keine Rede sein. In Haan, wo sich zuletzt Anwohner besorgt über das Rocker-Clubheim an der Elberfelder Straße geäußert hatten, sei es bisher ruhig. „Wann immer wir dort jemanden ansprechen mussten, bekamen wir eine freundliche Antwort“, so Partha.

Die Stadt Haan als Ordnungsbehörde hat das Clubhaus der Hells Angels im Blick. Einen Anlass zum Eingreifen gab es nicht: „So lange es keinen Anhaltspunkt gibt, dass die Hells Angels ordnungs- oder strafrechtlich in Erscheinung treten, werden sie so behandelt wie jeder andere Verein“, erklärt Bürgermeisterin Bettina Warnecke. „Wir klopfen die Angelegenheit ganz sachlich ab. Die Polizei ist mit im Boot“, sagt die Verwaltungschefin.

Eine Gaststätten-Konzession ist dem Motorradclub nicht erteilt worden.

„Gelegentliche Treffen im Rockermilieu stellen — mit oder ohne Alkoholgenuss — keine gewerbliche Nutzung dar“ , sagt Ordnungsamtsleiter Michael Rennert. „Wir waren am Anfang mal da.“ Auch die Bauaufsicht sei eingeschaltet gewesen. Die frühere Pizzeria war als Gastronomie genehmigt. Damit ist auch die Nutzung als Clubhaus zulässig. Auch nach Angaben der Eigentümer seien die Mieter „gelegentlich unter sich da“.

Das sei vergleichbar zur Nutzung etwa eines Sportler-Vereinsheims. Das von Meike Lukat, Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft lebenswertes Haan (WLH) ins Gespräch gebrachte Verbot des Motorradclubs im Wohngebiet sei keine Option. Entweder müsste dazu der Verein verboten sein, oder aber ein Konflikt im Wohngebiet entstehen. Die Elberfelder Straße gelte aber als Misch- oder Gewerbegebiet, berichtet Rennert.

Er kündigte an, mit der Polizei über einen Einsatz innerhalb der Ordnungspartnerschaft sprechen zu wollen. „Es ist nicht so, dass wir uns da nicht hintrauen“, so Rennert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung