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Haanerin stirbt nach Schüssen – Ehemann festgenommen

Tötungsdelikt in Haan : Haaner soll Ehefrau erschossen haben

Am Donnerstagabend ist eine 47 Jahre alte Frau an Schussverletzungen gestorben. Ihr Mann wurde unter dringendem Verdacht festgenommen. Er soll versucht haben, sich zu vergiften. Tatort ist ein Mehrfamilienhaus an der Deller Straße.

Die Sonne strahlt am Freitag über Haan. An der Deller Straße erinnert nichts an die schreckliche Tat, die sich nur wenige Stunden zuvor in einem Mehrfamilienhaus abgespielt hat: Eine 47 Jahre alte Frau ist erschossen worden, ihr Ehemann (59) wurde festgenommen. Er steht unter dringendem Tatverdacht.

Es parken keine Polizeiautos am Straßenrand, auch Absperrband oder andere Hinweise auf einen Tatort finden sich an der Deller Straße nicht. Wer aber das schlichte Mehrfamilienhaus betritt, muss auf dem Weg nach oben vorbei an der Wohnungstür im Erdgeschoss. Polizei und Staatsanwaltschaft haben sie versiegelt. In der Wohnung im ersten Stock sitzt das Ehepaar W., das gefasst wirkt und die Tat dort miterlebt hat — getrennt nur durch die Betondecke. „Wir haben gehört, wie Stühle umgeworfen worden sind, und auch das Geschrei“, sagen sie. Doch ihre Nachbarn hätten sich in letzter Zeit häufiger gestritten. Als die Frau dann um Hilfe rief, habe Nachbar W. die Tür geöffnet, sei ins Treppenhaus gegangen und habe ihr angeboten, nach oben zu kommen. „Doch das hat sie schon nicht mehr geschafft.“ Der Besuch eines weiteren Nachbarn habe unterdessen die 110 gewählt und die Polizei alarmiert.

Die Situation beschreiben die Ermittler am Tag nach der Tat so: Als die Beamten eintreffen, entdecken sie die 47 Jahre alte Frau, die von mehreren Schüssen getroffen worden ist. Der Ehemann befindet sich ebenfalls in der Wohnung. Die Beamten nehmen ihn sofort fest. Er steht unter dringendem Tatverdacht.

Frau durch Schüsse
zunächst schwer verletzt

Zu diesem Zeitpunkt lebt die 47-Jährige noch. Sie ist schwer verletzt. Ihr Ehemann bricht nach kurzer Zeit zusammen, verliert das Bewusstsein. Wie sich später herausstellt, hat er offenbar Tabletten geschluckt. Ein Notarzt kümmert sich um die beiden. Rettungswagen bringen die Verletzten in verschiedene Krankenhäuser. Doch für die Frau kommt jede Hilfe zu spät: „Trotz notärztlicher und intensivmedizinischer Versorgung erlag die 47-Jährige noch am Abend in einer Düsseldorfer Klinik ihren schweren Verletzungen“, erklärt ein Polizeisprecher.

Ihr Ehemann befindet sich nach der stationären Krankenhausbehandlung wegen Verdachts einer Intoxikation im polizeilichen Gewahrsam. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl gegen ihn beantragt.

Ganz Haan steht am Tag danach unter Schock: Die schreckliche Tat ist Stadtgespräch Nummer eins. Auch in den Sozialen Medien trauern die Menschen um die 47-Jährige – und sind zeitgleich schockiert, dass so etwas in Haan passieren kann: „Unsere kleine Welt ist auch kaputt“, schreibt eine Nutzerin bei Facebook.

Auch das Ehepaar W. steht in ihrer Wohnung an der Deller Straße noch unter den Eindrücke des Tatabends. Sie hatten eigentlich kaum Kontakt zu ihren Nachbarn, erzählen sie. Es sei ein „schwieriger Umgang“ gewesen, sagen beide. Man ging sich lieber aus dem Weg. Dass nur wenige Meter von ihnen entfernt ein Mensch erschossen worden ist, hinterlasse ein „komisches Gefühl“, sagt Herr W. „Ich bin froh, dass ich nicht runtergegangen bin, um nachzuschauen. Sonst wäre mir vielleicht auch noch etwas passiert.“ Schüsse hat das Ehepaar W. nicht gehört. Nach dem lautstarken Streit wurde es leise in der Wohnung unter ihnen.

Die Ermittlungen hat eine Mordkommission beim Polizeipräsidium Düsseldorf übernommen. Wie es zu dieser Tat kommen konnte, wie die Motivlage und die Hintergründe aussehen – das ermitteln nun die Beamten.

Vermutungen gibt es aber bereits: Hinter der Tat könnten Eheprobleme stecken, erklärten die Ermittler am Freitag. Die Schusswaffe habe der Mann als Inhaber eines Waffenscheins legal besessen.

(tobi)