Haanerin erforscht Jugendkultur

Haanerin erforscht Jugendkultur

Für ihre Facharbeit in Geschichte grub Svenja Wolfertz längst vergessene Geschichten aus.

Haan. Der lange Weg zum Jugendheim — für dieses Thema hat die 19-jährige Svenja Wolfertz tief in der Stadtgeschichte gegraben. Das tat die Schulabgängerin des Haaner Gymnasium für eine Projektarbeit mit freier Themenwahl in ihrem Lieblingsfach Geschichte. Was hatte Jugendarbeit angesichts der Bildungsreformen der 1960er Jahre bedeutet? Wie viele Anläufe gab es in Haan, einen Jugendtreffpunkt zu realisieren? Auf welche Hürden stießen die Bemühungen? Und wo in der Stadt wurde versucht, ein langfristiges Jugendheim zu etablieren?

Svenja Wolfertz hätte ein x-beliebiges Thema aus dem 19. oder 20. Jahrhundert wählen dürfen: „Doch ich zog lieber ein lokales Thema vor, zu dem ich bisher keinen nennenswerten Zugang hatte.“ Sechs Wochen Bearbeitungszeit standen der gebürtigen Haanerin zur Verfügung. Bei ihrer Recherche — sie hatte sich auf die 70er und 80er Jahre konzentriert — halfen ihr weniger Bücher, vielmehr das Stadtarchiv. Dort hatte sie Unmengen an Protokollen und Zeitungsartikeln aus den beiden Jahrzehnten ausgewertet.

Nach der Abgabe ihrer Facharbeit zeigte sich ihr Geschichtslehrer, Andreas Krieckhaus, mehr als erstaunt: „Svenjas Arbeit ist die beste Facharbeit, die ich in meinen vielen Jahren am Haaner Gymnasium gelesen habe.“ Denn sie habe etwas völlig neues herausgearbeitet, einen gebündelten Zugang zu den Themen Jugendarbeit und Jugendheime im Haaner Stadtgebiet ermöglicht, fügt er hinzu. Er bestätigt, dass lokalhistorische Themen größere Schwierigkeiten mit sich bringen als weltgeschichtliche Themen. Für Zweitgenanntes reiche oft ein Blick in Sekundärliteratur aus, um im Bilde zu sein. Drum gab der Geschichtslehrer der jungen Frau glatte 15 Punkte, eine Eins-Plus, um die bemerkenswerte Hingabe zum lokalen Thema zu honorieren.

Doch das ist nicht genug: Andreas Krieckhaus ist aktives Mitglied im „Bergischen Geschichtsverein Haan“ und lud Svenja Wolfertz dazu ein, über die Ergebnisse ihre Facharbeit einen Vortrag zu halten. Was sie auch prompt tat — und welche Räumlichkeit wäre besser geeignet als das Haaner Jugendhaus in der Alleestraße? In einer knappen halben Stunde referierte Svenja Wolfertz über die Rolle von Jugendarbeit als Mittel zur Demokratisierung, machte einen Exkurs über den damaligen Wohnungsmangel in Großstädten und betonte die in den 70er und 80er Jahren noch sehr aktive Hausbesetzerszene. In Haan gab es Jugendheime an der Erkrather Straße, an der Bahnhof- und Nordstraße, und sie alle wurden vor große Probleme gestellt, sei es durch zerstörungswütige Rockergruppen, Alkoholmissbrauch und Lärmbelästigung.

„Besonders das Haus Grow an der Nordstraße hatte einen verruchten Ruf“, erinnert sich Paul Zimmermann, Vorsitzender des BGV Haan. Er hatte die Turbulenzen von damals hautnah miterlebt. Svenja Wolfertz erklärte in ihrem Schlusswort, wie man an der Alleestraße eine Übergangslösung gefunden hatte, die sich bis heute durchsetzt. Das Publikum spendete großen Beifall.

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