Haaner Schadstoffmobil nimmt Dispersionsfarbe nicht mehr an

Haan : Alte Wandfarbe wird zum Problem

Das Haaner Schadstoffmobil nimmt keine Dispersionsfarben mehr an.

Das Schadstoffmobil auf dem Bürgerhaus-Parkplatz in Gruiten: Klaus Kerlin steht mit einem kleinen Eimer Wandfarbe auf der Treppe des Annahme-Lkw der Entsorgungsfirma Awista und spricht mit einem der Mitarbeiter. Der weist den Haaner freundlich, aber bestimmt zurück: „So etwas nehmen wir seit dem Frühjahr vergangenen Jahres nicht mehr an“, sagt der in einen orangen Schutzanzug gekleidete Müllwerker. „Entweder, Sie lassen die Farbe austrocknen und tun sie in den Hausmüll, oder Sie geben sie beim örtlichen Entsorgungs-Unternehmer Bartz gegen eine Gebühr ab“, rät der Awista-Mann.

Gespräche wie diese könnte er eigentlich auch auf Band aufnehmen und abspulen, denn „jeder zweite Besucher, der hier hinkommt, hat immer noch Wandfarbe dabei“, berichtet er. Dabei habe die Stadt Haan bereits im Frühjahr vergangenen Jahres einen Annahme-Stopp für ihr Gebiet beschlossen.

Kerlin will es genau wissen: „Viele Jahre lang hat das Schadstoffmobil solche Farbeimer doch immer anstandslos angenommen“, argumentiert der Rentner. Warum also jetzt nicht mehr?

Die Antwort kommt prompt: „Das regelt jede Stadt für sich separat.“ Er könne sich aber vorstellen, dass die Stadt Haan wie einige andere auch den hohen logistischen Aufwand scheue, der mit einer solchen Annahme verbunden sei: „Da musste immer eine Spätschicht vorgehalten werden, um all die Farbeimer abends abtransportieren zu können, die sich im Laufe eines Tages aufgetürmt hatten“, sagt der Mitarbeiter, der keine Probleme damit hat, mit seinen Aussagen öffentlich zitiert zu werden.

Deutlich mehr Probleme mit der jetzigen Annahmepraxis hat dagegen Klaus Kerlin. Er ist kein unbeschriebenes Blatt in der Branche: Nach einer Lehre zum Lacklaboranten absolvierte der Haaner in den
70er Jahren ein Chemiestudium mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur. Bis in die 2000er-Jahre war er beim Unternehmen Herberts/Dupont (Wuppertal), das unter anderem Industrielacke herstellt, international in verschiedenen Führungsaufgaben tätig.

Für ihn steht fest: „Hier stiehlt sich die Stadt eindeutig aus ihrer Verantwortung.“ Kerlin hat einen kleinen Ordner mit Korrespondenz, die er mit städtischen Mitarbeitern, Fraktionsvorsitzenden der politischen Parteien und sogar mit Bürgermeisterin Bettina Warnecke führte.

Die schrieb ihm unter anderem „Die Stadt Haan hat, wie alle kreisangehörigen Gemeinden im Kreis Mettmann, die Entsorgung dieser Farben am Schadstoffmobil ausgeschlossen.“ Dies sei schlichtweg zu teuer. „Durch die Entsorgung von Farben auf wässriger Basis über das Schadstoffmobil werden unverhältnismäßig hohe Kosten verursacht, welche über die Abfallbeseitigungsgebühren auf alle Gebührenzahler verteilt werden müssen“, schreibt
Warnecke.

Der Betrieb Bartz nimmt Farbreste kostenpflichtig an

Der Entsorgungsweg über den Restmüll (mit eingetrockneter Farbe) verursache hingegen keine zusätzlichen Kosten. Farben aller Art könnten schließlich auch bei einem zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb, wie etwa Bartz in Haan, abgegeben werden – kostenpflichtig natürlich. Aber die Hersteller wiesen auch ausdrücklich darauf hin, „dass eine umweltgerechte Entsorgung von eingetrockneten Farben über den Hausmüll möglich ist“.

Genau das bezweifeln Klaus Kerlin und sein Freund Norbert Pauluweit, der in Gruiten wohnt. Die beiden zeigen auf den Farbeimer, den sie kurz zuvor in einem Baumarkt gekauft haben. Er zeigt deutlich das Zeichen: nicht in den Restmüll werfen. „Wir regen uns zu Recht darüber auf, dass Leute immer wieder in Gruiten hingehen und ihren Müll illegal entsorgen – und dann schränken wir die legalen Möglichkeiten ohne Not immer weiter ein“, bemängelt der Anwohner: Bürgerfreundlich sei das nicht.

Der Entsorgungs-Mitarbeiter räumt auf Nachfrage ein, dass es durchaus noch einige Städte im Kreis gebe, die Wandfarbe annehmen.

Auch der Hersteller Brillux empfiehlt: Gebinde mit nicht eingetrocknete Resten bei der Sammelstelle für Altlacke/Altfarben abgeben. „Das“, kritisiert Klaus Kerlin, „geht in Haan leider nicht mehr“.