Haaner dreht Familiendrama

Haaner dreht Familiendrama

Der Regiestudent Jan Oberdick dreht im Haus der Großeltern einen Kurzfilm über den im Sterben liegenden Großvater.

Haan. Von außen sieht sie aus wie ein ganz normales Einfamilienreihenhaus — die Hausnummer 11 in der Bachstraße. Doch hinter der Haustüre verbirgt sich in diesen Tagen ein professionelles Filmset.

Neun Darsteller, Kameraleute, Techniker, Maskenbildner und Regisseur Jan Oberdick mit seinem Aufnahmeleiter Tim Vallender (25) arbeiten hier an ihrem Familiendrama „Vom Leben zu wenig, vom Sterben zu viel“.

Die Filmkulisse: Das Wohnzimmer von Oberdicks verstorbenen Großeltern. Dunkle Eichenholzmöbel auf dicken Teppichen. Ein Krankenbett. Eine Vitrine, hinter deren milchigen Gläsern das gute Sonntagsporzellan steht. Der komplette Garten ist mit einer schwarzen Plane überspannt, weil der Film im Dunkeln spielt und kein Licht ins Wohnzimmer des Großvaters dringen soll.

Mit seinem bereits zweiten Kurzfilm verarbeitet der 22-jährige Regiestudent den Verlust der Großeltern, die im letzten Jahr in genau diesem Haus gestorben sind. „Wenn der Dreh vorbei ist, wird das Haus abgerissen“, sagt Oberdick.

Das Drehbuch hat der Haaner selbst geschrieben. Der Großvater liegt im Sterben. Die Familie kommt, um sich zu verabschieden. „Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen, und familiäre Geheimnisse, die nach und nach zum Vorschein kommen“, sagt der Regiestudent der Ruhrakademie Bochum.

Und auch der Erlenkönig hat seine Finger im Spiel. „Ich wollte schon immer eine Filmadaption vom Erlenkönig machen“, sagt Oberdick. „In dem Film verbinde ich jetzt die Geschichte der Familie um den Tod des Großvaters mit surrealen Elementen, in denen der Erlenkönig sich dem Großvater immer mehr nähert und ihm schließlich die Hand reicht, und er dadurch stirbt.“

Seit drei Semestern studiert Oberdick nun Film. „Ich wollte nie was anderes machen.“ Die Crew kennt sich größtenteils von anderen Filmprojekten oder vom Studium. Oberdick läuft in die Küche, die Garderobe, Maske und Aufenthaltsraum zugleich ist.

Make-up Artist Kosta Politakis hat hier gerade seine Hand in die einer Leiche verwandelt. „Schau mal Jan, sollen wir das so machen?“, fragt er und präsentiert die mit Latexfarbe, Holzleim und rotem Lippenstift beschmierte Hand, die er später Schauspieler Marc Gruss als Erlenkönig verpassen will.

Gruss ist Profi-Schauspieler. Er findet es wichtig, junge Nachwuchsfilmer bei Low-Budget-Produktionen zu unterstützen, auch wenn es für ihn unbezahlte Arbeit bedeutet. „Das ist eine gute Sache für beide Seiten. Ich spiele meistens Theater, also ist so eine Filmproduktion für mich mal eine Abwechslung. Für die Nachwuchsfilmemacher ist es gut, wenn erfahrene Darsteller am Set sind, die die Ruhe bewahren.“

Denn es kann auch mal hektisch zugehen, zum Beispiel, wenn der Drehplan durch unerwartete Ereignisse oder Ausfälle der Schauspieler droht, durcheinanderzugeraten.

Tim Vallender muss das als Aufnahmeleiter alles im Blick haben. Er ist für die komplette Organisation zuständig, damit Regisseur Oberdick und die Darsteller den Kopf für ihre Kreativarbeit frei haben. Das Set im Wohnzimmer wird nun gestaubsaugt, der Tisch poliert und die letzten Scheinwerfer ausgerichtet.

Jan Oberdick erklärt Kameramann Maciej Rociecki, wie er sich die nächste Szene vorstellt. Close, Totale, Zoom — alle Einstellungen werden durchgesprochen, Oberdick demonstriert mit Körpereinsatz, wie der Darsteller später bei einem Streit über den Esstisch geschubst wird. „Okay, da geh ich dann dicht ran“, nickt der Kameramann und bringt sich in Position.

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