Haan wirft Geld zum Fenster raus

Politik und Verwaltung investieren in marode Gebäude, weil das Geld für einen Rathaus-Neubau fehlt. Es droht wieder ein Nothaushalt.

Haan. Ein klappriges Auto muss in die Werkstatt. Die Reparatur kostet 800 Euro — bei einem Restwert von 500 Euro. So geht es auch der Stadt mit ihren maroden Verwaltungsgebäuden. Es wird investiert, obwohl das keinen Sinn macht. Und das seit Jahren. Gerade hat der Hauptausschuss einstimmig beschlossen, mindestens 150 000 Euro in die Hand zu nehmen, um zwei Keller- und zwei Archivräume im Verwaltungsgebäude Alleestraße in Büros umzubauen. Zwei Mitarbeiter des Gebäudemanagements arbeiten bereits seit 2009 in zwei Baucontainern, die auf dem Parkplatz aufgestellt wurden. „Die Container sind außerordentlich fußkalt“, erläutert Leiterin Ute Eden: „Für WC, Kopierer, Teeküche müssen die Mitarbeiter bei Wind und Wetter den Parkplatz überqueren.“ Die Container aufzustocken (Kosten: 30 000 Euro), hält Eden für nicht praktikabel.

Bereits 2009 hatte sich Eden bei den Politikern über die „unzumutbaren Zustände und ständigen Verstöße gegen die Arbeitssicherheit“ in ihrem Amt beschwert. Bis zu drei Mitarbeiter teilten sich einen winzigen Raum. Der Besprechungsraum war ihr Büro. Antwort der Politik: der Ankauf von zwei Büro-Containern für 20 000 Euro. Dabei ist kein anderes Amt der Stadt seit Jahren so gefordert wie das Hochbauamt. Die 16 Mitarbeiter mussten eine ganze Reihe von millionenschweren Großprojekten stemmen: vom Neubau der Feuerwache über den Bau der Musik- und Grundschule Dieker Straße bis zur Sanierung der Sporthalle Adlerstraße, um nur einige zu nennen.

Und jetzt haben Ute Eden und ihr Team neben dem Bau von Flüchtlingsunterkünften auch noch den Neubau des Gymnasiums vor der Brust. Ein Bewerber, der nicht zum Zuge kam, hat Beschwerde eingelegt. Baudezernent Engin Alparslan plauderte im Hauptausschuss mal aus dem Nähkästchen, was das für die Mitarbeiter bedeutet: „Zwei Mitarbeiter machen nichts anderes, als die Rechtsanwälte zu bedienen — und das mit Überstunden.“ Ende der 1970er-Jahre zog die Verwaltung in das ehemalige Realschulgebäude an der Alleestraße ein. Wenn Investoren das Baudezernat besuchen, empfängt sie ein trostloser Anblick.

Auch im Rathaus sieht es nicht besser aus. Der historische Ratsaal glänzt zwar mit frischem Gold an der Decke. Aber der Anbau aus dem Jahr 1920 ist marode. Trotzdem wird immer wieder viel Geld in Reparaturen investiert — notgedrungen. Diese Flickschusterei sei unwirtschaftlich, sagt Meike Lukat (WHL): „Wir geben ständig Geld aus, ohne wirklich dabei zu sparen.“ Die Zinsen seien aktuell niedrig. Das könne man doch für einen Neubau nutzen, über den schon lange diskutiert werde. Die Verwaltung entwickle vier Varianten für ein neues Rathaus, sagt Bürgermeisterin Bettina Warnecke: „Auch wir wollen etwas Neues. Aber wir müssen realistisch bleiben. In den nächsten zwei, drei Jahren können wir nur das Schlimmste abwenden.“

Wenn die Gartenstadt 2020 nicht den Haushaltsausgleich schafft — und danach sieht es aus —, droht ein Nothaushalt. Dann muss sich die Stadt jede Investition vom Kreis genehmigen lassen.

„Jahr für Jahr werfen wir gutes Geld schlechtem hinterher“, meint Bernd Stracke (SPD): „Der Status quo bleibt schlecht. Deshalb sollten wir nicht langfristig entscheiden, sondern schnell.“ Ein Neubau sei besser als die ständige Sanierung, sagt Michael Ruppert (FDP): „Auch beim Gymnasium sind wir ja zu diesem Schluss gekommen. Aber wir müssen spitz rechnen, weil ein Nothaushalt droht.“