Haan will Kita Bachstraße nutzen

Der Druck der Eltern zeigt Wirkung: Die Stadt prüft, ob die alte Kita Bachstraße als Übergangsquartier genutzt werden kann. Zudem soll die Stadt zwei weitere neue Häuser bauen.

Haan. Eigentlich ist ja alles noch viel schlimmer. Aktuell fehlen 72 Plätze an Haaner Kindertagesstätten. Doch die Lage ist noch angespannter. Das zeigte sich im Hauptausschuss, der am Dienstagabend tagte. Denn es sind, wie Sozialdezernentin Dagmar Formella ausführte, auch 30 Flüchtlingskinder zu versorgen. Diese tauchten in der Fehlbedarfs-Statistik bislang noch gar nicht auf. Und darüber hinaus sind die Kindertagesstätten in Haan mit rund 40 Mädchen und Jungen überbelegt. Was eigentlich gedacht war, um in der Not eine Übergangsphase abzufedern, habe sich jetzt als Dauerzustand etabliert.

Die Konsequenz: Das Personal ist frustriert, weil es aufgrund großer Gruppen kaum noch hochwertige erzieherische Arbeit leisten kann. Eine Inklusion, die eigentlich kleinere Gruppen erfordert, ist kaum umsetzbar. Und die Eltern haben keine Wahlmöglichkeiten mehr: Sie müssen denjenigen Kita-Platz annehmen, der ihnen angeboten wird — andernfalls bleiben ihre Kinder ohne Betreuung.

Diesem Zustand will die GAL ein Ende bereiten. Mit Unterstützung dreier Haaner Elterinitiativen brachte sie am Dienstagabend einen Antrag in den Hauptausschuss ein, demzufolge die Stadt nicht nur eine zusätzliche Kita — zurzeit ist eine weitere Einrichtung am Erikaweg in Planung — sondern gleich zwei Kindertagesstätten neu bauen soll. „Die Eltern fordern eine verlässliche Perspektive“, begründete Jochen Sack (GAL) den Antrag, „und die geplante Kita Erikaweg reicht nicht aus, um alle, die wir auf eine lange Bank geschoben haben, aufzunehmen.“ Schon nach den Sommerferien, so hofft Sack, soll die Stadtverwaltung mögliche Standorte benennen.

Um aber auch den kurzfristigen Bedarf zu decken, prüft die Verwaltung auf Antrag der WLH nun außerdem, ob in der alten Kita Bachstraße zumindest Teile des Gebäudes weiter für den Kita-Betrieb genutzt werden können. Das ist durchaus heikel, denn in einigen Räumen gibt es Schimmel. Können also Gebäudeteile so abgetrennt werden, dass sich für die Kinder keine gesundheitliche Belastung ergibt? Ein Gutachten des Kreisgesundheitsamtes besagt, dass es möglich ist, zwei Gruppen in dem Haus einzurichten, so Formella. Mit zwei Gruppen könnte es gleichsam einen vorgezogenen Start der Kita Erikaweg in den Räumen der Bachstraße geben, führte Jens Lemke (CDU) aus: Das Personal, das die Stadt für die Bachstraße einstellt, könnte später an den Standort Erikaweg umziehen. Ob auch die zweite, von der Stadt zu bauende Kita eine städtische ist, ist noch nicht klar. Die Liberalen sind dagegen: „Wir hätten nichts gegen eine zweite Kita, wenn das Wort ,städtisch’ nicht davor stünde“, so Michael Ruppert.

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