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Haan Ost – ein Stadtteil mit Widersprüchen

Haan : Bewohner lieben ihr Haan-Ost

Beim internationalen Stadtteilfest im Oktober 2009 wurde es richtig deutlich: Wiesen und Wohnblöcke prägen gleichermaßen den Stadtteil Haan-Ost. Damals zeigten vor allem Kinder in einer Fotoausstellung, wie sie ihre Umgebung sehen.

„Dass auf einigen Bildern die Hochhäuser im Mittelpunkt stehen, zeigt, dass diese Häuser für die Menschen hier Heimat bedeuten. Die Wohnblöcke sind für die Menschen nicht mit negativen Eigenschaften besetzt“, hieß es bei der ­Ausstellungseröffnung.

Und auch der damalige Bürgermeister Knut vom Bovert (parteilos) betonte: „Dieses Fest hier ist eine tolle Sache. Wir sollten versuchen, dies auch auf die anderen Stadtteile zu übertragen.“ Sicherlich stelle ­Haan-Ost im Vergleich zu dem übrigen Stadtgebiet eine besondere Situation dar. Trotzdem wohnten auch dort Familien, „die alles für ihre Kinder tun wollen“.

An dieser Grundaussage hat sich bis heute nichts geändert. Dennoch ist und bleibt Haan-Ost ein Stadtteil der Widersprüche. Große Fast-Food-Restaurants und ein über die Landesgrenzen hinaus bekanntes Möbelhaus sorgen für „Frequenz im Stadtteil“ – allerdings nicht nur für erwünschte. Denn wenn die Autos abends verschwunden sind, bleiben Berge von Ver­packungsmüll. Und dann kommen auch noch die Lastwagen.

In den vergangenen Monaten ist immer wieder moniert worden, dass die überlasteten Raststätten zu einer Verdrängung von Lkw-Ruheplätzen in den Stadtteil führen. Besonders in den Abendstunden und an den Wochenenden säumten demnach die Landstraße in Höhe des Lebensmitteldiscounters Lidl zahlreiche Lkw. Dort verbringen die meist auswärtigen Fahrer mehrere Stunden, um Pause zu machen, verrichten dort auch meist ihre Notdurft. „Laut einem Gutachten der Vereinigung deutscher Autohöfe (Veda), das im September 2017 veröffentlicht wurde, fehlen sogar 31 000 Lkw-Parkplätze entlang der Autobahnen“, erklärt ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold.

Einige Parteien schlagen eine Verpackungs-Abgabe vor

Gleich mehrere Parteien wollen dem Müllproblem mit einer Art Verpackungs-Abgabe zu Leibe rücken. Einige betonen, dies könne allerdings nur in Absprache mit den Schnellrestaurant-Ketten geschehen. Weiteres Thema: die Nahversorgungs-Situation im Bereich Nachbarsberg. Insbesondere ältere Menschen wünschen sich dort eine Verbesserung. Wirtschaftsförderung und soziale Einrichtungen sollten prüfen, ob sich dort ein Nahversorger im Genossenschaftsmodell ansiedeln lässt, fordert beispielsweise die SPD. „Die Umsetzung einer seniorengerechten Quartiersentwicklung muss effektiv und zeitnah erfolgen, um unter anderem den Verlust des Nahversorgungszentrums aufzufangen“, wünscht sich die WLH.

Haan-Ost verfügt aber auch über ein Juwel, das gerade geschliffen werden soll: das Haaner Bachtal. Um das Naherholungsgebiet für die Bürger in der Nachbarschaft aber auch für die Zukunft zu rüsten, will die Stadt mit Hilfe von Fördermitteln des Landes und des Bundes 2,5 Millionen Euro ausgeben. Eine Planungswerkstatt dazu gab es bereits, zuletzt war das beauftragte Planungsbüro wegen angeblicher Mängel bei der Kenntnis der Bodenverhältnisse in die Kritik geraten. „Im Bachtal ist ein attraktiver Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen“, kündigt die GAL an. Alles unter dem Motto „Gestalten statt vertreiben“.

Nachbarschafts-Treffs
sollen gestärkt werden

Auch die CDU will, dass das neugestaltete Bachtal „den verschiedenen Nutzergruppen und Anwohnern gerecht wird“. Und die Vereinigung „Bürger für Haan – Bürger Union“ warnt ausdrücklich davor, das Gebiet „überzogen zu veredeln“. Sie will auch Nachbarschaftstreffs stärken und eine neue Seniorenbegegnungsstätte schaffen.

Dass die dringend benötigt wird, hatte unter anderem die gemeinsam mit der TU Dortmund vor mehr als zwei Jahren durchgeführte Hochbetagten-Befragung ergeben.

Fazit: Es gibt einiges zu tun im Stadtteil der Widersprüche. Doch jede Verbesserung dürfte dazu beitragen, die Verbundenheit der Menschen mit „ihrem“ Haan-Ost dauerhaft weiter zu steigern – und das nicht zuletzt auch in den Hochhäusern, die den Bürgern eine liebe Heimat geworden sind.