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Haan muss beim Brandschutz nachlegen

Haan : Haan muss Brandschutz verbessern

Der neue Bedarfsplan, den ein Gutachter jetzt mündlich in Auszügen präsentierte, legt sowohl eine Aufstockung mit Personal, als auch die Erweiterung der Fahrzeugflotte ans Herz. Im Haaner Süden macht ein Gerätehaus Sinn.

Es gibt sie noch, die weißen Flecken im Haaner Stadtgebiet – jene Bereiche also, in der die Feuerwehr ihre auferlegten Schutzzeiten im Einsatz nicht oder nur sehr schwer einhalten kann. Wer sie aber nur in den ländlichen Außenbereichen in der weiteren Umgebung von Gruiten erwartet hätte, wurde jetzt bei der mündlichen Vorstellung des neuen Brandschutz-Bedarfsplans doch erheblich überrascht. Denn auch im feuerwehrmäßig eigentlich gut erschlossenen Haaner Süden tauchten bei der Präsentation in der Aula des Schulzentrums auf der Karte plötzlich die weißen Flecken auf.

 „Richtig abgedeckt ist das ganze hier eigentlich nur mit hauptamtlichen Kräften“, erläuterte Gutachter Frederik Schütte vom mit der Erstellung des Plans beauftragten Ingenieurbüro „antwortIng“. Die ehrenamtlichen, die im Süden wohnen, müssten zunächst von zuhause in die Hauptfeuerwache fahren, sich dort umziehen, nur um dann wieder in ihr Gebiet zurückzufahren. „Unnötige Zeitvergeudung, die beispielsweise durch ein kleines neues Feuerwehrgerätehaus mit einem Fahrzeug und entsprechenden Umkleidemöglichkeiten behoben werden könnte“, befand Schütte.

Grundsätzlich sieht der Gutachter Haan im Feuerschutz gut aufgestellt – im Hinblick auf die weitere demografische Entwicklung und selbst gesteckte Ziele, mache allerdings sowohl eine sukzessive Modernisierung des Fahrzeugparks, als auch eine Erweiterung der Personal­decke Sinn.

Nur in 25 Prozent der Fälle sind zehn Retter in acht Minuten da

Sechs Funktionen – also einsatzbereite Feuerwehrleute eines Fahrzeugs – sollten nach Auffassung Schüttes 24 Stunden lang an 365 Tagen im Jahr auf der Wache verfügbar sein. Momentan sei dies noch nicht rund um die Uhr der Fall.

Auch das vorrangige Schutzziel, acht Minuten nach einem Alarmruf mit zehn Personen am Einsatzort zu sein, werde bislang nur zu 25 Prozent erfüllt. Der Wert lasse sich steigern, in dem einerseits das Ziel angepasst werden könne (also nur neun statt zehn Personen), denn das zweite Schutzziel (nach fünf weiteren Minuten mit weiteren sechs Personen vor Ort sein) werde immerhin bereits zu 80 Prozent erreicht. Gleichwohl führt nach Auffassung der Experten kein Weg daran vorbei, auf die Suche nach zusätzlichem Personal (auch im ehrenamtlichen Bereich) zu gehen. Wie schwierig das ist, machten Schütte und der Haaner Feuerwehrchef Carsten Schlipköter anhand eines Beispiels deutlich: „Wenn Sie heute einen Bewerber haben, geht der beim Vorstellungstermin einmal durch die Räume und schaut sich den Ruhebereich an. Gefällt ihm nicht, was er dort sieht, geht er einfach zur nächsten Feuerwehr eine Stadt weiter.“ So hart sei der Kampf ums Personal inzwischen.

In Gruiten soll mit dem neuen Feuerwehrgerätehaus (siehe auch Bericht am Fuß der Seite) ebenfalls die Aufstockung des Fahrzeugparks verbunden sein. Schriftlich sind all diese Verbesserungsvorschläge aber noch nicht verfügbar. Der Entwurf werde zurzeit abgestimmt, berichtete Schütte. Dann würden die Änderungen eingearbeitet, der Plan finalisiert und danach schriftlich zum Beschluss vorgelegt.

Mehrere Haaner Politiker im zuständigen Fachausschuss bedauerten das lange Warten auf die Textfassung. „Dann hätte man“, monierte Andreas Rehm von der GAL „sicher eine bessere Diskussionsgrundlage gehabt“.