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Haan: Geschredderter Müll verärgert Bürger und Landwirte

Haan : Mäher schreddern Müll an Straßen

Unter anderem an der Mettmanner Straße in Gruiten geraten Abfälle, die im Straßengraben liegen, unter die Balkenmäher von Straßen NRW.

An einem Mahnmal der besonderen Art kommen Wanderer in diesen Tagen vorbei, wenn sie dem malerischen Gruitener Dorf in Richtung Grube 7 den Rücken kehren: Getränkeflaschen bilden ein Kreuz, darüber liegt, wie ein Grabstein anmutend, eine Holzplatte mit Dutzenden alten Feuerzeugen. Flankiert wird das Ganze von Eimern mit ramponierten Getränkedosen und anderem Verpackungsmaterial. „Das sind gewissermaßen die Grabbeigaben“, sagt Hans-Joachim Friebe. Das klingt ironisch, doch dem ehrenamtlichen Naturschutzwart in Diensten der Unteren Landschaftsbehörde ist nicht nach Scherzen zumute.

Das, was er an diesem Ort den Passanten zeigt, hat er binnen weniger Tage auf einem gerade einmal zwei Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der Mettmanner Straße, in ihrem Bogen um Gruiten herum, gefunden. „Vieles ist sicher aus Autofenstern geflogen“, mutmaßt er. Dabei ärgert ihn jedoch nicht nur die Gedankenlosigkeit, mit der sich manche Zeitgenossen ihres Wohlstandsmülls entledigen – sondern auch das Vorgehen des öffentlichen Dienstes. Denn bei Mäharbeiten des Landesbetrieb Straßen NRW am Straßenrand werde regelmäßig liegengebliebener Müll geschreddert und zu Kleinteilen verarbeitet.

Gehäckselter Müll wird zur Nahrung für Rinder auf der Weide

Dass das noch ganz andere Probleme mit sich bringt als die allgemeine Verschmutzung verdeutlicht Landwirt Carsten Bröcker vom Gut zur Linden an der Stadtgrenze zu Wuppertal: „Wenn solche Kleinteile auf der Wiese landen, werden sie zur Nahrung für die Rinder“, erklärt er – und das könne schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Tiere haben. Auch er finde immer wieder Abfälle am Rande seines Grundstücks. „Letzten Montag habe ich zwei Kübel Flaschen eingesammelt“, berichtet Bröcker.

Eigentlich müsse man vor Mäharbeiten erst einmal einen Mitarbeiter vorschicken, der die bearbeiteten Flächen nach Müll absucht, fordert Friebe. Ein frommer Wunsch: Denn aus Mitarbeiterkreisen des Landesbetriebs ist zu vernehmen, dass dafür schlicht die Personalkapazitäten fehlen. „Die Kreisbehörden sparen sich aus Kostengründen seit Jahren das teure Aufsammeln des Mülls an ihren Straßen“, kritisiert die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (AGNU) in Haan in ihrem Informationsmedium „Kiebitz Kompakt“, „und nach jeder Mulch-Mahd des Straßengrabens sieht es dann dort so aus wie früher an der Brennerpassage in Richtung Italien“.

Hans-Joachim Friebe fischt derweil eine Dose aus einem Eimer – und ärgert sich über die seiner Ansicht nach überschaubaren Pfandabgaben. Das Kernproblem – darüber sind sich öffentliche Hand und Naturschützer, unabhängig vom Vorgehen beim Mähen und der Diskussion über gesetzgeberische Maßnahmen einig – sind die Menschen, die den Müll einfach in die Umwelt werfen. Das betont auch Carsten Bröcker mit Blick auf die selbst entdeckten Abfälle: „Es gibt doch andere Möglichkeiten, die Sachen zu ­entsorgen.“