Haan: European Homecare übernimmt Flüchtlings-/Obdachlosenbetreuung

Haan : „Leistungsversprechen ist gewahrt“

Interview European Homecare übernimmt die Betreuung für Obdachlose und Flüchtlinge. Christian Große Kreul aus dem Vorstand gibt Antworten.

Sie übernehmen ab dem kommendem Jahr die Betreuung von Flüchtlingen und Obdachlosen in der Stadt Haan. Zurzeit führen sie Gespräche mit der Caritas und ehrenamtlichen Organisationen. Was erwarten Sie sich von diesen Gesprächen?

Christian Große Kreul: Wir haben schon die ersten Vorbesichtigungen vorgenommen, sind in Gesprächen mit der Stadt Haan und haben uns einen Überblick verschaffen können. Die Aufgabe ist vielfältig und interessant. Wir gehen mit positiven Erwartungen in die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen.
Unsere Zuversicht begründet sich aus vielen guten Erfahrungen, die wir an anderen Standorten jeweils mit den vorhergehenden Dienstleistern gemacht haben. Es ist ein Stück Normalität im sozialen Dienstleistungsbereichen, dass Übergänge organisiert werden müssen. In der Regel funktioniert das problemlos.

Worauf legen Sie beim Übergang Wert?

Große Kreul :Auf Professionalität und ein gutes wie faires Miteinander. Es gibt aus unserer Sicht allerdings auch keinen Anlass, hier skeptisch zu sein. Unsere Priorität ist die Mitnahme und Motivation von Ehrenamtlichen und weiteren engagierten Menschen vor Ort.

Wie sieht Ihr Betreuungskonzept aus, das Sie am 12. November öffentlich vorstellen werden? Können Sie ein paar Eckpunkte verraten?

Große Kreul: Wir haben uns vorgenommen, das Konzept zunächst unseren Partnern – und Auftraggebern – in Verwaltung und Politik vorzustellen. Auch werden wir in den Gesprächen sicherlich noch ein paar Stellschrauben justieren müssen. Unsere Konzeption setzt ganz klar auf Hilfe zur Selbsthilfe. Fachleute nennen das „Empowerment“. Wir möchten die Betroffenen motivieren und aktiv unterstützen, in unserer Gesellschaft ihren Platz zu finden. Wir verfolgen, mit Erfolg, an anderen Standorten seit Jahren diesen Ansatz, um die Menschen zu aktivieren – und damit zu integrieren. Wir werden als Betreuungsleiter einen sehr qualifizierten Sozialpädagogen einsetzen, der sich gerade in diesem Bereich bestens auskennt.

Es gab und gibt zahlreiche Befürchtungen bei Ehrenamtlern, mit dem Engagement von European Homecare könne eine deutliche Qualitätseinbuße einhergehen. Wie begegnen Sie solchen Befürchtungen?

Große Kreul: Mit qualifizierten Mitarbeitern und großem Engagement. Bei unseren Mitarbeitern setzen wir auf professionelle Expertise, die wir maßgeschneidert für den Standort einstellen werden. Dieses Team wird mit den Ehrenamtlichen vom Bürger- und Verkehrsverein (BVV), der Bürgerstiftung und weiteren Partnern zusammenarbeiten. Dialogbereitschaft auf Seiten aller Beteiligten ist aus unserer Sicht der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration.

Im Stadtrat wurde mitgeteilt, dass sie zurzeit per Ausschreibungen das Personal suchen. Wie schwierig oder erfolgreich gestaltet sich diese Suche?

Große Kreul: Unser Projektleiter Adam Lisek führt bereits erste Gespräche. Durch unsere langjährige Erfahrung im Bereich der Flüchtlingshilfe, wie auch der Obdachlosenbetreuung, haben wir großes Know-how in der Personalrekrutierung. Vergleichbare Aufträge bearbeiten wir auch in Dortmund, im Landkreis Gießen und Hannover. Es ist übrigens als Unternehmen unser Ziel, verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund einzubinden, die die Heimatsprachen der Flüchtlinge sprechen. Das ist uns sehr wichtig. Auch hier sind wir zuversichtlich

 Wie gehen Sie mit der gleichzeitigen Betreuung von Obdachlosen und Flüchtlingen um? Nutzen Sie Synergie-Effekte in der Mitarbeiterschaft? Oder werden diese Bereiche strikt voneinander getrennt?

Große Kreul: Wir verfügen in beiden Bereichen über eine sehr großes Know-how; und auch über erfahrene Mitarbeiter, die hier ihre Kompetenzen aus anderen Standorten gerade zum Start des Projekts einbringen werden. Es ist richtig, dass die Zielgruppen sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben, aber es ist auch gut, dass wir hier unsere Kompetenzen verknüpft anbieten können. Synergien sind wünschenswert, aber noch wichtiger ist es, individuell auf die Leute eingehen zu können. Hier ist es übrigens auch wichtig, nicht nur die professionelle Sichtweise unserer Mitarbeiter zu berücksichtigen. Wir werden auch gerade zum Start intensiv mit den Ehrenamtlichen reden. Die wissen meist sehr gut, wo der Schuh drückt.

Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?

Große Kreul: Unsere Stärken sind offensichtlich: Breite Kompetenzen in den Zielgruppen, sehr gute Qualifikation unserer Mitarbeiter. Dazu kommt eine hohe Bereitschaft, sich neuen wie schwierigen Herausforderungen zu stellen. Unsere Verankerung vor Ort ist leider noch nicht so gegeben, aber dieses Defizit werden wir rasch kompensieren können, wenn sich unser Team erst eingearbeitet hat.

Worauf kann die Stadt Haan sich bei Ihrem Engagement einstellen?

Große Kreul: Wir werden die Aufgabe mit Professionalität und Kompetenz angehen. Das Leistungsversprechen wird eingehalten. Und so wie wir unsere Leute bisher kennengelernt haben, auch mit großem persönlichen Einsatz.

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