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Grüne in Hilden glücklich, AfD legt zu, SPD verliert

Hilden : CDU bleibt stärkste Fraktion in Hilden

ANALYSE Hilden hat gewählt. Das war mit mehr Überraschungen verbunden als viele gedacht haben. Im neuen Stadtrat wird einiges anders laufen als im alten Bürgerparlament.

Die Wahl hat die politischen Kräfteverhältnisse im Stadtrat deutlich verändert. Zu den Gewinnern zählen CDU, Grüne und AfD, zu den Verlierern SPD, Allianz für Hilden und Bürgeraktion. Die CDU hat zwar Stimmen eingebüßt, ist aber wieder stärkste Fraktion (15 Mandate vorläufig, Nachwahl im Bezirk 3010 in zwei Wochen).  Davon haben die Christdemokraten lange geträumt. Die Grünen konnten ihr Ergebnis von 2014 mehr als verdoppeln und werden darauf brennen, ihr neu gewonnenes politisches Gewicht (neun Mandate) in die Waagschale zu werfen. Auch die AfD (drei Mandate) gehört zweifellos zu den Gewinnern der Kommunalwahl. 2014 kam die Alternative für Deutschland auf 1,2 Prozent, jetzt sind mehr als sechs Prozent.

Die SPD ist der große Verlierer, auch wenn sie die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat stellen wird (zehn Sitze). Von 36,1 Prozent bei der letzten Kommunalwahl 2014 auf 23,3 Prozent: Das ist ein bitterer Absturz in der Gunst der Wähler. Deutlich verloren hat auch die Allianz für Hilden. Vor sechs Jahren konnte sie noch 7,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, jetzt nur noch 2,7 Prozent (ein Sitz). Kaum eine andere Fraktion hat die Verwaltung so heftig und ausdauernd kritisiert und auch attackiert wie die Bürgeraktion Hilden. Die Wähler haben das aber offenbar nicht honoriert. Die BA ist von 6,1 Prozent bei der letzten Kommunalwahl auf 4,8 Prozent gefallen (zwei Sitze).

Neu ins Bürgerparlament zieht die Linke ein (ein Mandat). Dort sind jetzt acht Parteien und politische Gruppierungen vertreten, eine mehr als 2014. Bislang gab es keine festen Koalitionen in Hilden, aber natürlich politische Absprachen. CDU und SPD waren fast gleich stark. Wenn sie sich einig waren, wurden die anderen kleineren Fraktionen marginalisiert. Jetzt ist mit den Grünen ein neuer starker Mitspieler auf dem Feld. Die Grünen haben mit der CDU zusammen eine Mehrheit. Sie können aber auch mit der SPD und kleineren Fraktionen möglicherweise eine Mehrheit gegen die CDU organisieren. Rechnerisch ist jetzt einiges möglich. Man darf gespannt sein, was die Grünen aus ihrer neuen Schlüsselrolle machen. Sie dürfen den Bogen freilich nicht überspannen. CDU und SPD haben sich früher bei bestimmten Entscheidungen häufig abgesprochen.

Das starke Abschneiden der Grünen macht deutlich, dass die Wähler mehr beim Umwelt-, Natur- und Klimaschutz erwarten – von allen Parteien. Der Klimawandel und seine Folgen sind auch bei den Hildenern angekommen. Die Bürger erwarten aber auch konkrete Antworten auf drängende Fragen: Schafft die Politik die Verkehrswende und gibt Radfahrern und Fußgängern mehr Raum auf Kosten des motorisierten Verkehrs? Wie können Freiflächen geschützt und Lebensqualität erhalten und dabei auch noch bezahlbare Wohnungen geschaffen werden? Gelingt es, mehr als 100 dringend benötigte Kita-Plätze zu schaffen und auch das nötige Personal dafür zu gewinnen? Und die Schlüsselfrage: Wie soll das alles finanziert werden?

Hildens Probleme sind komplex. Für sie gibt es keine einfachen Antworten. Viele, die ihre Stimme abgegeben haben, wollen das aber gar nicht so genau wissen. Sie haben gewählt – und die Politik soll jetzt liefern. Demokratie ist aber häufig nicht fix, sondern das langsame Bohren von dicken Brettern. Und Demokratie ist auch die Kunst des Kompromisses. Wenn sich jeder bewegt, bringt das die Stadt insgesamt voran. Am Wahlabend gab es Gewinner und Verlierer.