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Grüne Gärten pflegeleichter als Steinwüsten

Hilden : Steinwüsten machen mehr Arbeit als Grün

Immer mehr Eigentümer in Hilden verwandeln ihre Vorgärten in Schotterflächen.

Zurück in die Steinzeit: Das ist ein Trend bei der Vorgarten-Gestaltung, der auch in Hilden zu beobachten ist. Asphaltieren, pflastern oder schottern: Und schon ist Schluss mit Unkraut jäten, hacken und gießen. Gepflegt soll der Vorgarten aussehen und vor allem pflegeleicht sein.

Das kennt auch Gärtnermeister Fabian Heinz. Seit zwölf Jahren hat er einen eigenen Betrieb für Garten- und Landschaftsbau in Hilden. Natürlich sei der Kunde König. „Gerade deshalb erkläre ich, dass Steinwüsten nicht pflegeleicht sind und versuche Alternativen aufzuzeigen.“ Schotterflächen seien teuer bei der Herstellung, erklärt Heinz und auf Dauer nicht sauber zu halten: „Dreck, Laub und Samen setzen sich relativ schnell zwischen den Steinen fest und bilden die Grundlage für Unkraut. Das muss dann mühsam per Hand entfernt werden.“

Gärtner empfiehlt pflegeleichte Stauden für den Vorgarten

Als Alternative empfiehlt der Gärtnermeister grüne Vorgärten. Die gebe es auch in pflegeleichter Form: „Das geht beispielsweise gut mit Stauden.“ Die billigste Variante sei eine Blumenaussaat im Frühling: „Dann hat man bis zum Herbst Ruhe.“ Von Blumen-Mischungen vom Discounter rät der Fachmann allerdings ab: „Wir nutzen eine sehr hochwertige Blumenmischung. Da kostet das Kilo mehr als 300 Euro. Wir brauchen aber nur etwa zehn Gramm Blumensaat pro Quadratmeter.“

Ein solcher blühender Vorgarten sei nicht nur pflegeleicht und eine Augenweide, sondern biete auch noch Lebensraum für Insekten und Vögel und beeinflusse positiv das Mikroklima, zählt der Garten-Experte die vielen Vorteile auf. Deshalb hat er im vergangenen Jahr zusammen mit dem Kinderparlament so einen Vorzeige-Garten am von de städtischen Jugendförderung genutzten Haus auf der Bech, Hildens ältestem Wohnhaus, an der Schwanenstraße 17 angelegt.

Verboten sind Steinwüsten in den Vorgärten in Hilden bislang nicht. Grundsätzlich möglich wäre das schon, erläutert Lutz Groll vom städtischen Planungsamt: „Der Grad der Versiegelung kann in einem Bebauungsplan festgelegt werden – wenn der Stadtrat das will.“ Hildens Nachbarstadt Haan setzt auf Aufklärung und Einsicht. Die Gartenstadt hat einen Flyer über naturnahe und pflegeleichte Vorgartengestaltung herausgebracht und Anfang des Jahres zusammen mit dem Umweltkalender an alle Haushalte verteilt.

„Lesen Sie selbst“, appelliert Bürgermeisterin Bettina Warnecke an die Haaner: „Kies und Schotter in Vorgärten sind nicht gut für unsere Umwelt. Unserer Gartenstadt stehen Gärten voller Farbe und Leben ohne Schotter viel besser zu Gesicht.“

So einen Ratgeber gebe es in Hilden noch nicht, sagt Henrike Ludes-Loer, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit in der Hildener Stadtverwaltung, auf Nachfrage. Sie sei aber in
Planung.

Auch die Stadtverwaltung versucht die Pflege der öffentlichen Grünflächen einfach und kostengünstig zu gestalten. Steinwüsten sind dabei aber keine Option. Verhältnismäßig pflegeleicht sei das Beet am Rathaus zur Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert hin gestaltet, erläutert Ludes-Loer: „Dort sind winterharte Stauden gepflanzt, die nur zweimal im Jahr, im September und kurz vor Ostern, gepflegt werden müssen. Im Winter trotzen sie der Kälte und in den Sommermonaten treiben sie neu aus und blühen farbenfroh.“ Der Naturschutzbund Deutschland empfiehlt für einen pflegeleichten Vorgarten elegante, silbern schimmernde Gräser, architektonisch anmutende Wolfsmilchgewächse und Farbtupfer in pastelligem Violett von Malven und Wiesensalbei. Sie lieben es trocken und sonnig und bieten dennoch Unterschlupf und Nahrung für viele Insekten und Tierarten.