Grabsteine: So suchen Hilden und Haan „Wackelkandidaten“

Grabsteine : Stadt Hilden sucht wackelnde Grabsteine

Kälte und Feuchtigkeit können auch die Standfestigkeit von Grabmälern schwächen.

Vorsichtig übt Peter Kannemann mit seinem Messgerät Druck auf einen Grabstein aus. Das Display zeigt die Einwirkung auf die Feder im Inneren des Rohres an. Bei 30 Kilo Belastung setzt der Meister des städtischen Betriebshofs Haan das Prüfinstrument wieder ab. Test bestanden: Der Grabstein ist standfest und wird wohl auch in den kommenden Jahren dem „Rüttel-TÜV”, wie es im Volksmund heißt, standhalten.

Da ist es wieder, das ungeliebte Wort, mit dem Friedhofbesucher die alljährliche Prüfung meist bezeichnen. Mit ihrer Hilfe testen die Mitarbeiter des Städte die Standfestigkeit der Grabsteine. „Mit Rütteln hat das aber schon lange nichts mehr zu tun“, erläutert Markus Beerbaum: „Das ist ein technisch standardisiertes Verfahren, das mittlerweile in ganz Deutschland angewendet wird“. Die Behördenbezeichnung dafür lautet Technische Anleitung zur Standsicherheit von Grabmalanlagen – kurz: TA Grabmal. Und dazu ist eben jenes Messgerät erforderlich, das auf 30 oder 50 Kilo Belastung eingestellt werden kann – je nach der Größe des Grabsteins.

Lose Steine sind oft Ursache
für Unfälle auf Friedhöfen

Beerbaum ist stellvertretender Leiter des Friedhofsamtes in Hilden und weiß ebenso wie sein Haaner Kollege Kannemann genau, dass der kurze Test entscheidend für die Sicherheit auf den Grabanlagen ist. „Lose Grabsteine sind die häufigste Ursache für Unfälle auf deutschen Friedhöfen,“ berichtet er.

Laut Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau gab es im Jahr 2017 deutschlandweit 14 Unfälle mit Grabsteinen auf Friedhöfen, 2016 waren es 25, im Jahr 2013 sogar 40. Tödliche Unfälle, wie hin und wieder behauptet, waren zwar nicht darunter, Brüche und Quetschungen aber gab es reichlich.

Die jährlichen Kontrollen vor der Frostperiode sind Vorschrift. Peter Kannemann und seine Mitarbeiter finden in Haan jedes Jahr wieder eine Hand voll „Wackelkandidaten“. Meist hat ihnen der Zahn der Zeit zugesetzt. Es gebe hin und wieder aber auch schwarze Schafe unter den Steinmetzen, die die Grabsteine nicht vorschriftsgemäß befestigten, sagt er. Da werde mehr geklebt als verdübelt. Irgendwann wird der Kleber dann brüchig, Feuchtigkeit dringt ein, und bei entsprechend kalter Witterung entstehen Schäden, wie man sie von Schlaglöchern in den Straßen kennt.

„Der Schaden tritt meistens erst nach fünf Jahren auf, wenn der Steinmetz nicht mehr haftet”, wissen Verbraucherschützer. Angesichts der Tatsache, dass ordnungsgemäß verschraubte Grabsteine etwa 25 bis 30 Jahre standfest seien, könne man den Ärger vieler Kunden gut nachvollziehen.

Damit die wackeligen Grabsteine niemanden verletzen, bringen die Prüfer meist einen Aufkleber an. Bis zu dreimal wird der Grabpächter zudem schriftlich aufgefordert, die Standfestigkeit wieder herzustellen. Geschieht nichts, werde der Stein „vorsichtig aufs Grab gelegt, so dass die Inschrift nach wie vor erkennbar ist“, sagt Hildens Friedhof-Verantwortlicher Beerbaum.

 Gerüttelt werden darf allerdings wie erwähnt schon lange nicht mehr. „

Es geht ja darum, dass die tatsächliche Belastung der Grabsteine beispielsweise durch Wind simuliert werden soll“, erläutert der Haaner Experte Kannemann: mit Rütteln habe das nichts zu tun.

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