Gewerkschaft warnt vor Kneipensterben im Kreis Mettmann

Haan/Hilden/Düsseldorf : Kneipe in Gefahr: Gewerkschaft schlägt Alarm

Im Kreis Mettmann wurde seit dem Jahr 2007 jede neunte Gaststätte geschlossen.

Innerhalb von zehn Jahren haben 85 Gastro-Betriebe im Kreis Mettmann geschlossen. Zwischen 2007 und 2017 hat damit jede neunte Gaststätte, Kneipe oder Eisdiele zugemacht. Zuletzt zählte der Kreis 639 gastronomische Betriebe, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG Düsseldorf-Wuppertal beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Landesamts – und warnt vor einem weiteren Kneipensterben. „Vom Fußballabend in der Bar bis zum Grünkohlessen mit dem Sportverein – die Gastronomie steht für ein Stück Lebensqualität“, sagt NGG-Geschäftsführerin Zayde Torun. Mit den Schließungen stehe nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur auf dem Spiel. Es seien auch Arbeitsplätze in der Region in Gefahr.

Attraktivere Arbeitsbedingungen könnten Abhilfe schaffen

Torun macht für den Trend unter anderem die harten Arbeitsbedingungen in der Branche verantwortlich: „Nachts und am Wochenende hinterm Tresen zu stehen, das wollen viele nicht mehr. Deshalb hat die Branche schon heute mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen“, so die Gewerkschafterin.

Ein entscheidendes Mittel gegen das „Gastro-Sterben“ sei deshalb, die Branche bei Löhnen und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Denn das Risiko von Altersarmut betroffen zu sein, ist im Gastgewebe mit am Größten: 3156 Euro brutto, zwölfmal im Jahr, 45 Jahre lang muss ein Beschäftigter nach heutiger Gesetzeslage verdienen, um Standardrentner zu sein. Im Jahr 2030 erhält dieser dann 1143 Euro netto – Im Gastgewerbe verdient ein Chef de Partie 2337 brutto schon im oberen Mittelfeld der Tarifeinkommen. 45 Beitragsjahre auf diesem Niveau ergeben 2030 dann circa 830 Euro Rente netto. „Wer weniger verdient oder es nicht schafft, 45 Jahre Tag und Nacht zu schuften, dem droht der Gang zum Sozialamt“, sagt Zayde Torun. In vielen Städten steigen die Mieten seit Jahren. Wohnen ist für viele Beschäftigte im Gastgewerbe kaum noch bezahlbar. Beispiel: Eine alleinerziehende Zimmerfrau mit zwei Kindern geht mit 1225,25 Euro im Monat nach Hause. Ob im Rheinland oder in Westfalen: fast überall geht gut die Hälfte des Nettoeinkommens für die Miete drauf. Selbst in Höxter zahlt die Zimmerfrau noch knapp ein Drittel ihres Nettolohns für die Miete.

Gewerkschaft sieht einen wichtigen Schritt in Tarifvertrag

Mit einem Tarifvertrag, der NRW-weit für alle Restaurants und Gaststätten gilt, habe man hier „einen wichtigen Schritt“ gemacht. Allerdings müssten sich noch viel mehr Gastronomen daran halten. Aber auch den Wirten selbst fehle oft ein Nachfolger, um den Betrieb weiterzuführen, so Torun. „Außerdem müssen sich die Gastronomen gegen Pleiten absichern. Dazu gehört das nötige betriebswirtschaftliche Know-how. Genauso aber originelle Ideen, wie man eine Gaststätte zum Treffpunkt für junge Leute macht.“ Die Gewerkschaft NGG sieht dabei auch die Verbraucher in der Verantwortung. „Statt das Feierabendbier zu Hause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger“, so Torun weiter.

In ganz NRW ging die Zahl der Gastro-Betriebe laut Statistischem Landesamt seit 2007 um gut elf Prozent zurück. Von damals rund 28 000 Restaurants, Kneipen und Gaststätten waren im vorletzten Jahr nur noch 24 900 geöffnet.

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