Gemeinsam gegen den Terror

Mit einer Menschenkette protestierten Hildener am Samstag friedlich gegen religiösen Fanatismus.

Hilden. Viel hat am vergangenen Samstag nicht gefehlt, dass sich die Kette der Solidarität hätte schließen können: Zwischen der Katholischen Kirche St. Jacobus und der Reformationskirche trafen sich auf der Mittelstraße in Hilden am Samstag Menschen aller Altersstufen, um mit dem Läuten der Glocken um 12 Uhr für eine Viertelstunde friedlich gegen den Terror fanatischer Islamisten zu demonstrieren.

Gemeinsam gegen den Terror

Der Vorwurf, „Die Kirche tut nichts“, habe in der letzten Sitzung des Pfarrgemeinderates der katholischen Kirche den Ausschlag für diese Aktion gegeben, berichtete Vorsitzender Peter Groß. „Dabei geschieht einiges im Hintergrund, um Menschen an der türkischen Grenze zu helfen. Aber wir wollten jetzt auch öffentlich ein deutliches Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern und den Verfolgten im Mittleren und Nahen Osten geben.“

Als äußeres Zeichen verteilten die Organisatoren weiße Sticker mit dem arabischen Buchstaben „N“. Pfarrer Franz M. Werhahn: „Dieser Buchstabe steht für ,Nazarener’, die im Nahen Osten geläufige Bezeichnung für Christen.“ Aus diesem „N“, das religiöse Fanatiker des Islamischen Staates (IS) an die Haustüren von Christen schmieren, um sie zur Flucht, Konversion zum Islam oder Zahlung einer Schutzsteuer zu zwingen oder sie mit dem Tod durch das Schwert zu bedrohen, entwickelte sich in den sozialen Netzwerken der Flüchtlinge zu einer Solidaritätsbekundung: „Wir sind N“. Zur Aktion an der Mittelstraße hefteten sich viele diesen Buchstaben an die Brust. Er steht für „Nein“ zu Terror und Gewalt, für „Ja“ zu Toleranz und Frieden.

Auch Rosemarie Held war dabei. Sie beteiligte sich nicht zum ersten Mal an einer Friedensdemonstration: „Ich bin politisch interessiert. Und gegen Krieg und Rassismus. Man kann etwas bewegen“, sagte sie. Und Stefanie Ezenwokedi ergänzte: „Ich fände es gut, wenn die westliche Welt schärfer reagieren würde.“

Mit dem Zwölf-Uhr-Läuten beider Kirchen nehmen sich nicht nur Hildener an die Hand, um von beiden Enden der Einkaufsmeile aufeinander zuzugehen. Auch die Pfarrer beider Konfessionen trugen gemeinsam mit Bürgermeisterin Birgit Alkenings sowie Vertretern des Marokkanischen Kulturzentrums, der DITIB-Moschee das Transparent „Hand in Hand“ über die Mittelstraße. Viele Kaffeehaus-Gäste gaben dabei ein kommentierendes Publikum ab. Wären sie aufgestanden, hätten sie mühelos die Lücke in der Kette vor dem großen Textilhaus schließen können. Dem Augenschein nach stellten sich aber auch keine muslimischen Mitbürger in die Kette. „Islam heißt Frieden.“, versicherte im Namen dieser schweigenden Mehrheit Erhan Akyol, der Vorsitzende der türkischen Gemeinde. Der Islam werde leider missbraucht für Terror und Gewalt.