Kirche in Schöller ist mehr als 1000 Jahre alt Gemeinde muss 2,5 Millionen für Sanierung zahlen

Haan · Die evangelisch-reformierte Kirche in Schöller, deren Gebäude vermutlich bereits um 800 errichtet wurde, muss saniert werden. Vor den immens hohen Kosten in Millionenhöhe steht die Gemeinde Gruiten-Schöller derzeit allein.

 Baukirchmeister Burkhardt Ibach (l.) und Jürgen Fritz, Vorsitzender des Fördervereins zum Erhalt der Kirche, vor dem Schmuckstück in Schöller.

Baukirchmeister Burkhardt Ibach (l.) und Jürgen Fritz, Vorsitzender des Fördervereins zum Erhalt der Kirche, vor dem Schmuckstück in Schöller.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

So sehr sich der Förderverein der evangelisch-reformierten Kirche in Schöller auch bemüht, „das ist alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein – manchmal sogar noch nicht einmal der“, sagt Jürgen Fritz teils resigniert, teils kämpferisch, denn aufgeben will er nicht. Der Vorsitzende und seine 64 Mitstreiter im Verein bemühen sich nach Kräften, Geld in die Kasse zu bekommen, um der für die dringend notwendige Sanierung der historischen Kirche in Schöller benötigen Summe nahe zu kommen. Diese Summe beträgt allerdings 2,5 Millionen Euro und ist für den Förderverein – wie auch für die gesamte Kirchengemeinde Gruiten-Schöller, die seit 2019 zusammengehört – nicht stemmbar.

Das Gebäude, für das aufgrund der Art der Turmgestaltung lange eine Bauzeit um 1250 angenommen wurde, ist wesentlich älter als gedacht. Heimatforscher Andreas Sassen, der sich schon lange mit den alten Sakralbauten der Region beschäftigt, trug kürzlich Indizien dafür zusammen und veröffentlichte diese auch im 28. Band der „Beiträge zur Heimatgeschichte“. Die Kirche wurde wohl bereits rund um das Jahr 800, also zur Zeit Karls des Großen, der das vormals rechtsrheinische gelegene sächsische Germanenreich zum Christentum bekehren musste, um es zu erobern, errichtet.

Der zunächst erstellte Gebäudeteil bestand, wie damals üblich, aus Holz, und maß ungefähr sechs mal neun Meter. „Das kann man sich ein bisschen wie ein Fertighaus-Prinzip vorstellen“, erklärt Jürgen Fritz, der kenntnisreich aus der Geschichte der also weit über 1000 Jahre alten Kirche erzählt. „Das war das damals übliche Maß, viele Kirchen in ähnlich großen Siedlungen hatten ein solches Maß“, berichtet er aus der Zeit der sogenannten „vier Kapellen“ Düssel, Gruiten, Sonnborn und Schöller. Noch heute verfügt der reine Innenraum – den später angefügten Chorraum sowie das Turminnere abgezogen – über ähnliche Maße, wenngleich die Holzkonstruktion bereits um das Jahr 1000 von Stein ummantelt und das Holz im Innern der Mauern dann abgerissen wurde. Der Turm kam hinzu, als die Kirchen im Rheinland im Laufe des 12. Jahrhunderts zu Tauf- und Pfarrkirchen wurden, also Taufbecken unter Türmen aufgestellt und zudem Glocken aufgehängt wurden. Die echten Glocken, die älteste stammt aus dem Jahr 1415; trotz aller Kriegswirren gibt es sie noch, hängen in Schöller nicht mehr, „das wäre zu gefährlich“. Ein Tonband spielt derzeit den Klang der alten Glocken ab. Beeindruckend ist es, in diesem uralten Gebäudeteil zu sitzen, der nun so dringend einer teuren Sanierung bedarf. „Beziehungsweise ist es nicht dieser Korpus, sondern noch viel dringender der Turm, der saniert werden muss“, erklärt Burkhardt Ibach, Baukirchmeister der Gemeinde Gruiten-Schöller. Bereits seit fünf Jahren steht außen um den Turm herum ein Durchgang aus Holz, um vor Steinen, die außen immer mal wieder, zunehmend jedoch auch innen, vom Turm herunterfallen.

Der Zustand der Kirche beschäftigt Jürgen Fritz sehr

Möglicherweise ist gar nicht nur das hohe Alter, sondern vor allem eine gut gemeinte Renovierung in viel späteren Jahren Grund für den fragilen Zustand des Turmes. „Bei seinen Steinen handelt es sich um Kalksandsteine, also ein eher weiches Material“, berichtet Jürgen Fritz. „Zur Renovierung wurden dann die neuesten Baumaterialien verwendet, konkret Zement. Er ist einfach anzurühren und kleckert nicht – wird aber hart, viel härter als das ursprüngliche Gestein.“ Die Fugen also konnten die Bewegungen der Kalksandsteine nie mitmachen und sorgen jetzt wohl für den größten Teil der notwendigen Sanierung. „Ich scherze immer, dass bei der Sanierung 50 000 Euro für Materialkosten anfallen und der Rest reine Lohnkosten sein dürften“, sagt Jürgen Fritz. „Da müsste nämlich Fuge für Fuge ausgekratzt werden.“

Dabei ist Jürgen Fritz gar nicht nach Scherzen zumute. Der Zustand der Kirche beschäftigt ihn sehr, „ich wüsste nicht, wie ich es über mich bringen sollte, hier abzuschließen und dieses herrliche Gebäude sich selbst zu überlassen.“ Insbesondere gegenüber den vielen Menschen, die kleine, teils aber auch sehr große Summen gespendet haben, um die Kirche zu erhalten, „wüsste ich nicht, wie ich das mit mir ausmachen sollte, wenn ich ihnen allen möglicherweise bald mitteilen müsste, dass alle Mühen umsonst waren und wir die Kirche nicht erhalten können.“

Denn nüchtern betrachtet ist es so: „Eigentlich können wir uns zwei historische Kirchen nicht leisten“, erklärt Burkhardt Ibach. Die Landeskirche unterstützt die anstehende Sanierung nicht, denn jede Gemeinde erhält die Kirchensteuer ihrer Gemeindemitglieder direkt zur Eigenverwaltung. Gruiten und Schöller zusammen zählen aber nur rund 2000 Gemeindemitglieder, „das reicht für eine solch aufwendige Sanierung natürlich nicht“. In Gruiten selbst sind es sogar schon lange nicht mehr die 300 Gemeindemitglieder, die es beispielsweise in den 90er Jahren einmal gab. „Sicher wird es auch Stimmen in Gruiten geben, die nicht damit einverstanden sind, dass wir nun gemeinsam für die Sanierung aufkommen sollen.“ Auch in Gruiten müsse das Gemeindeleben weitergehen, auch dort gibt es notwendige Renovierungsarbeiten, etwa am Pfarrhaus und an der Kita.

In früheren Jahren gab es für Schöller eine Vereinbarung mit der kirchlichen Hochschule Bethel, konkret der Zweigstelle Barmen: Diese stellte jeweils einen Dozenten, der die Pfarrstelle besetzte. „Dadurch war alles ein bisschen geteilt und wir mussten die Kosten für die Pfarrstelle nicht komplett tragen“, berichtet Fritz. Denn dafür hatte sich der Förderverein ursprünglich gegründet: für die Finanzierung der Pfarrstelle. 2017 hörte die letzte auf diese Weise gestellte Pfarrerin auf, heute schaut das Presbyterium jeden Sonntag, wer in Gruiten und Schöller die Gottesdienste halten kann. „Dass es sowohl in Gruiten als auch in Schöller noch jeden Sonntag einen Gottesdienst gibt, wird natürlich auch überdacht, zudem die Uhrzeiten, derzeit 9.30 Uhr und 11 Uhr, beide auch nicht ganz glücklich sind“, berichtet Ibach.

Am Sonntag vor drei Wochen besuchten – abgesehen vom Pfarrer, dem Organisten und einem Presbyter – nur zwei Gemeindemitglieder den Gottesdienst, und eine so geringe Zahl ist keine Ausnahme. Burkhardt Ibach, Jürgen Fritz und ihre Mitstreiter in beiden Teilen der Gemeinde sind nun händeringend auf der Suche nach Fördertöpfen, mit denen die Sanierung unterstützt werden können.

Für eine solche Förderung würden sich Unterstützer aber sicherlich ein blühenderes Gemeindeleben wünschen, für das sich der Förderverein auch tatkräftig einsetzt. Er organisiert Veranstaltungen, öffnete den Kirchenraum beispielsweise für eine Veranstaltung mit dem Theologen und Kabarettisten Okko Herlyn. Auch prinzipiell ist das Interesse auswärtiger Gäste groß, allein in der Zeit des Pressegesprächs und trotz eisiger Temperaturen spazieren Besucher zur Kirche und bestaunen sie, auch als Hochzeitsort ist die schmucke kleine Kirche auch bei externen Gästen beliebt. Die Anlage eines königlichen Hofgutes samt Kirche, die in Schöller samt weiteren interessanten Nebengebäuden noch sichtbar ist, sei zudem einzigartig in der Region und könnte genutzt werden, um die Kirche und ihre Geschichte bekannter und belebter zu machen, führt er, den Empfehlungen Andreas Sassens folgend, aus.

Dennoch reicht das alles derzeit nicht aus, sagt Jürgen Fritz. Von der Stadt Wuppertal, auf deren Gebiet die Kirche liegt, sei leider keinerlei Unterstützung zu erwarten. „Da spüre ich nur Desinteresse, auch ist die Stadt ja selbst schon in schwieriger finanzieller Frage.“ Auch seitens anderer Vertreter der Politik kämen bei Einladungen zu Veranstaltungen immer Absagen, manchmal noch nicht einmal diese, das Gleiche gelte für die Wirtschaft mit Ausnahme der Kalkwerke Oetelshofen. „Das ist das einzige Unternehmen, das uns immer wieder unterstützt“, sagt Jürgen Fritz. Auf die Frage „Wenn Sie einen Wunsch für die Kirche freihätten, welcher wäre das?“ schließt er kurz und innig die Augen. „Dass ich am Sonntag den Jackpot gewinne. Dann wäre ich all diese Sorgen los.“

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