Für die Wache müssen die Musketiere den Degen herhalten

Für die Wache müssen die Musketiere den Degen herhalten

Am Samstag gab es jecken Straßenkarneval mit buntem treiben beim Wachaufzug des Carneval Comitees Hilden.

Eine Prinzenwache ohne Holzgewehr? Das ist keine Prinzenwache. Und so gab es am Samstag kurzzeitig einen Mangel an geeigneten Ausrüstungsgegenständen vor der Bismarckpassage, der fatal an die reale Situation der Bundeswehr erinnerte. Dass die ersten Wachhabenden — Christiane Hendele und Markus Lichterfeld — als echte Musketiere im Zweifel ihre Degen gezogen hätten, galt lediglich als Notbehelf — bis die echten Holzflinten auftauchten.

Das muss man ihr wirklich lassen — die Große Hildener Karnevalsgesellschaft von 1950 hat ihre Beschaffungsprozesse fest im Griff. Mit dem Einzug in die Hofburg und der Vergatterung der Wachen gegen Miesmacher und Stänkerer signalisieren die Karnevalisten: Nun wird es Ernst mit dem Spaß.

Während sich die vom langen Marsch über die völlig ausgedörrte, staubige und sengend heiße Mittelstraße überaus hungrigen und durstigen Truppen der sieben Hildener Karnevalsgesellschaften mit dem allernötigsten versorgten, blinzelte die Sonne durchs das Glasdach der Einkaufspassage.

„Wir hatten den Landhof Standl als Hofburg gewählt, weil sie so günstig liegt und die Frauen und Männer aus unserem Gefolge im Zweifel hier immer warm und trocken hätten stehen können“, erläuterte Prinz Hildanus Thomas II. — bürgerlich: Scharnweber.

Der Frühling mitten im Februar macht eine vorauseilende Fürsorge überflüssig. Sei‘s drum: Wirt Horst Köfl hat den Zuschlag und betüddelt nun die ganze Session über die jecken Tollitäten.

Beispiel: Zwischen Thomas II. und Venetia Sabine II (Blasko) standen am Samstag gleich zwei beinahe gleiche Obstler-Flaschen. Den Wachen vor der Tür steht ein wärmender Schluck zu. Damit die närrischen Regenten aber handlungsfähig blieben, war in der rechten Flasche Wasser und nur in der anderen Feuerwasser. Immerhin galt es, sieben Wachablösungen gebührend zu feiern.

Die sieben Doppelwachen werden von den Vereinen bestimmt. Es handelt sich um verdiente Mitglieder, die den Ehrendienst in den Wachhäuschen vor der Passage gerne übernahmen.

Denn der Prinzenorden ist jeweils inklusive. Dass manche Einkäufer die Passage irritiert verließen, lag an den Auflagen für die Hofburg-Sause. Aus brandschutztechnischen Gründen mussten zunächst alle Läden der Passage schließen, bevor die Narren zu ihrer Hofburg durften. Und da versteht die Feuerwehr nun wirklich keinen Spaß.

Mehr von Westdeutsche Zeitung