Neues Angebot in Hilden Jetzt kann jeder Lebensmittel retten – und retten lassen

Hilden · Hinter dem Rathaus steht seit dieser Woche ein Fahrrad mit Boxen. Der Drahtesel ist fest montiert und transportiert Lebensmittel, an denen sich jeder bedienen darf. „Foodsharing“ nennt sich das und ist in dieser Art neu in Hilden.

Miriam Wildermann (l.) und Mara Kelbling sind Teil der Hildener Food-Sharing-Initiative, die aus rund 35 Mitgliedern besteht. Hinter dem Hildener Rathaus konnte jetzt ein Food-Fahrrad aufgestellt werden.

Miriam Wildermann (l.) und Mara Kelbling sind Teil der Hildener Food-Sharing-Initiative, die aus rund 35 Mitgliedern besteht. Hinter dem Hildener Rathaus konnte jetzt ein Food-Fahrrad aufgestellt werden.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Salate, Granatäpfel, sorgsam verpackte Brötchen sowie süße Teilchen, Tütensuppen, Schokoladetafeln und Chipstüten – die vier Plastikboxen der „guten Hilde“ hinter dem Rathaus an der Itter sind am Mittag noch gut gefüllt. Die ersten Menschen bleiben stehen, lesen sich die Schautafeln an dem verschweißten und mit Ketten gesicherten Fahrrad durch und greifen zu. Hier eine Packung M&M, dort eine Aubergine oder ein eingetüteter Hotdog. Fragend schauen sie sich um: „Darf ich das jetzt wirklich mitnehmen. Einfach so, ohne zu bezahlen?“ Ja, genau dafür ist die „gute Hilde“ da. Sie soll helfen, Lebensmittel zu retten – und sie ist 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche geöffnet.

Doch wie funktioniert das Food­sharing, also das Lebensmittelretten, eigentlich? „Jeder kann sowohl noch genießbare Lebensmittel in einem der Behälter hinterlegen, als sich auch für den eigenen Bedarf in handelsüblichen Mengen bedienen“, sagt Mara Kelbling. Sie und Miriam Wildermann kümmern sich um die Lebensmittelretter-Initiative in Hilden. „Wir arbeiten aber auch mit Betrieben zusammen, die uns Lebensmittel zur Verfügung stellen“, sagt Miriam Wildermann. Unter anderem Bäckereien oder auch Supermärkte, die beispielsweise Produkte kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum oder schon darüber hinaus zur Verfügung stellen. „Wir wollen Menschen dafür sensibilisieren, dass Dinge, die eigentlich noch genießbar sind, aufgrund eines abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums unnötigerweise in der Tonne landen“, erklärt Miriam Wildermann weiter. 22 Betriebe in Hilden und weitere in der Region gehören zu den Partnern der Foodsharer.

In Hilden gibt es bereits mehrere Foodsharer, die Lebensmittel teilen. Daniel Halmer beispielsweise sammelt regelmäßig bereits zubereitete Speisen bei einem Caterer ein und verteilt sie dann an Hildener. Er arbeitet als Lehrer in Düsseldorf und fährt mit seinem Lastenrad nach der Arbeit bei einer Kantine vorbei. Manchmal bringt er 50 Kilogramm Lebensmittel mit. Von Geschnetzeltem über Nudelgerichte bis hin zu Salat oder Dessert ist alles dabei. Samstags fährt der Hildener auch mal Bäckereien an, erhält Brote, Stuten oder andere Backwaren. Fotos der geretteten Lebensmittel stellt Daniel Halmer dann in eine Whatsapp-Gruppe, und nach ein paar Minuten stehen die ersten Menschen bei ihm mit Tupperdosen vor der Türe und bekommen ihre Speisen. „Wir sind momentan rund 35 Foodsharer in Hilden, von denen 30 Lebensmittel verteilen“, erklärt Mara Kelbling. Sie bieten nicht nur Lebensmittel an, die bei ihnen zu Hause anfallen, sondern erhalten auch Lebensmittel von Betrieben. In der Regel kommunizieren sie über den Kurznachrichtendienst Whatsapp mit den Menschen, die später dann die Lebensmittel abholen. Zubereitete Speisen können über die „gute Hilde“ hinter dem Rathaus nicht geteilt werden. Dort sollen vor allem trockene Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden. Auch Milch oder Fleisch gehört nicht in die Boxen. Alles, was gekühlt werden muss, ist tabu. Gleiches gilt für Energydrinks und Alkohol. Die Ehrenamtlichen der Foodsharing-Initiative möchten am Anfang jeden Tag, später alle zwei Tage nach dem Rechten sehen und die Plastikboxen reinigen. Angst vor Vandalismus haben die Hildener Foodsharer nicht. „Es gibt einige Beispiele, wo das gut funktioniert“, sagt Miriam Wildermann. In Gruiten stehe am Bahnhof beispielsweise die „Ess Bahn“-Box, auch in Düsseldorf gebe es Foodsharing-Stationen, die 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche verfügbar seien. Bisher sei dort nichts passiert. Wichtig ist ihr, dass das Angebot nicht nur für Bedürftige gilt. Alle Hildener, die Essen retten möchten, sind eingeladen mitzumachen. „Dabei nehmen wir nie jemandem etwas weg. Wir arbeiten eng mit der Tafel zusammen und retten nur Lebensmittel, für die die Tafel keinen Bedarf hat“, erklärt Miriam Wildermann. Bürgermeister Claus Pommer freut sich über das Engagement: „Wir stellen den Platz hinter dem Rathaus für diesen Zweck gerne zur Verfügung. So können wir als Stadtverwaltung zumindest einen kleinen Teil zu dieser ehrenamtlichen Umweltbewegung beisteuern.“

(tobi)
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