Flurstraße kämpft um Anschluss

Bewohner der Grundstücke 133 bis 137 wollen sich mit ihren Telefon- und Breitband-Problemennicht abfinden.

Haan. Es gibt Tage in der Autowerkstatt von Michael Franz an der Flurstraße, da klingelt nicht ein einziges Mal das Telefon. Kunden ihrerseits hören bei Anrufen aber das Freizeichen. Und auch Nachbar Torsten Schmidt hat immer wieder Probleme, im Internet Bestellungen oder Fragen rund um Haustechnik abzuwickeln. Ein anderer Nachbar hat inzwischen einen Hybrid-Anschluss — telefoniert über die wenig komfortable Alt-Leitung und wickelt Online-Dinge über Mobilfunktechnik ab. Die drei Eigentümer der Grundstücke Flurstraße 133-137 kennen sich inzwischen aus mit der Kommunikationstechnik und ihren Tücken. Aus zahlreichen Terminen mit Technikern wissen die Bürger, wo ihre Leitungen aufgeschaltet sind, haben erfahren, was eigentlich technisch machbar ist. Und immer wieder erhalten sie Absagen.

Der Besuch von zwei Telekom-Repräsentanten im Ratsausschuss für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften, Stadtmarketing und Tourismus liegt jetzt zwei Wochen zurück. Damals erstaunte Klemenz Kisters (Manager im Infrastrukturvertrieb Region-West) die Politiker mit der Aussage, die Telekom werde mit eigenen Mitteln „grundsätzlich keinen eigenen Ausbau mehr starten“. In neuen Gebieten werde jetzt nur noch Glasfaser verlegt. Und ab 1. August schraubt der Anbieter nach und nach über Supervectoring die Bandbreite der Kupferdoppelkabel auf 250 Mbit pro Sekunde hoch — am Wochenende wurden in Gruiten die ersten Werbeflyer verteilt.

Doch wie hoch auch immer in alten Leitungen die Bandbreite sein wird, sie kommt bei denen nicht an, die am Ende von langen Leitungen angeschlossen sind. Die drei Flurstraßen-Grundstücke hängen an einem Kabelstrang, der an der Kirchstraße — mehr als zwei Kilometer Luftlinie entfernt — beginnt. Nach dem Breitbandatlas NRW können 98 Prozent der Haaner mehr als 16 Mbit nutzen, 97 Prozent mehr als 30 Mbit und 94 Prozent sogar mehr als 50 Mbit. Aber das hilft den Betroffenen in Unterhaan nicht weiter.

Im Ausschuss blieben die Telekom-Experten den Politikern viele Antworten schuldig. Im Treppenhaus erklärten sie den Bürgern, ein Umklemmen der Leitungen in einem Verteiler an der Deller Straße könne die Probleme beheben. Aber: Beide Bürger sind Kunden anderer Anbieter. Und die können nicht umklemmen. „Bedauerlicherweise haben wir nun die Meldung von unseren Netzlieferanten erhalten, dass eine Umstellung auf die 1&1 DSL 50 oder 1&1 DSL 100 technisch nicht möglich ist und dort auch kein Ausbau mehr stattfindet. Wichtig ist dabei, dass sich Ihr Anschluss zwar in der Nähe des Ausbaugebietes befindet, jedoch leider nicht mehr im Ausbaugebiet“, teilte Elli Jaufmann vom 1&1-Kundenservice in einem Brief an Michael Franz mit.

Der Handwerker hat inzwischen auch Kontakt aufgenommen mit Unitymedia. Dort seien „unsere Kabel-Probleme bekannt“, hat Franz erfahren. Ein Legen der Glasfaser durch vorhandene Leerrohre sei möglich. Einmal mehr wartet der Kfz-Meister jetzt ab. Ihn beschleicht ein dumpfes Gefühl: „Ich bin mir sicher, die Eigentümer der Leitungen wollen uns vor die Wand fahren lassen, um die Erneuerung privat zu finanzieren“. Summen für einen neuen Anschluss sind auch schon genannt worden — bis zu 24 000 Euro müssten die Flurstraßen-Anlieger sich teilen. Das Vertrauen in die Politik haben die Bürger längst verloren. Sie haben die Stadt auch hingewiesen auf ein Förderprogramm zur Breitband-Erschließung von Gewerbegebieten. Ob die Gartenstadt indes in den Genuss von Zuschüssen kommt, ist offen, denn in den Bestimmungen ist die Rede davon, dass pro Gebietskörperschaft und Projekt nur einmal bis zu 50 000 Euro gewährt werden — und die kassierte Haan bereits für ein Gutachten, das nicht das erhoffte Ergebnis brachte.