Fingerhasen – lehrreich und heiß geliebt

Bastelspaß zu Ostern : So schnell entsteht ein Fingerhase

Das Oster-Basteln hat nachweisbar positiven Effekt auf die Entwicklung der Handschrift.

Florian Schlubowski leitet eine Gruppe in der Evangelisch-Refomierten Kindertageseinrichtung Gruiten am „Heinhauser Weg“. In den vergangenen Tagen stand bei ihm und seinen Kollegen vor allem Basteln auf dem Plan. Und ein Trend in diesem Jahr sind sogenannte „Fingerhasen“. „Auf solche Aktionen fahren die Kinder total ab“, berichtet der Erzieher. Diese Begeisterung stecke einfach an.

Ähnliche Äußerungen kommen von der Privaten Kindergruppe an der Guttentag-Loben-Straße oder auch dem Evangelischen Kindergarten Kurze Straße, wo für den Osterhasen in diesem Jahr sogar eigenes Ostergras gepflanzt wurde.

Überall in den vergangenen Tagen wurde zum anstehenden Fest in den Haaner Kitas gebastelt – und das bedeutet mehr, als nur ein fröhliches Spiel oder Zeitvertreib.

Basteln ist eine wichtige
Aufgabe für Grundschulkinder

Es hat sogar wissenschaftliche Auswirkungen: Laut einer kürzlich bundesweit vorgestellten Umfrage hat mehr als jedes dritte Grundschulkind (37 Prozent) Probleme, eine gut lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Das hat auch Bezüge zum Basteln.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat die Untersuchung gemeinsam mit dem Schreibmotorik-Institut durchgeführt. Mehr als 2000 Lehrer bundesweit beteiligten sich. Aus Sicht der Pädagogen können im Schnitt nur vier von zehn Schülern 30 Minuten und länger beschwerdefrei – ohne Verkrampfung, Ermüdung oder Unleserlichkeit – schreiben. Ursachen für die Probleme sehen sie in mangelnder Routine, schlechter Motorik und Koordination sowie Konzentrationsproblemen.

Und was hilft dagegen? Basteln! Das zumindest betont VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann auf Anfrage unserer Redaktion: „Unsere Studie zum Handschreiben zeigt deutliche motorische Defizite der Schüler“, sagt er. Hier brauche es mehr Zeit zum Üben in der Schule, aber auch die Eltern könnten unterstützen. Denn die Lehrkräfte seien sich einig, dass das Üben von feinmotorischen Aktivitäten helfen könne, notwendige Kompetenzen zu erwerben.

„Beim gemeinsamen Osterbasteln werden gleich drei tolle Effekte erzielt“, verrät Beckmann: „Die Feinmotorik wird trainiert, die Beziehung zwischen Eltern und Kind gestärkt und es gibt ein positives Erfolgserlebnis.“ Also nichts wie ran an die Fingerhasen.

Die weisen übrigens eine Besonderheit auf, die den Kindern extrem gut gefällt. Der Mittelfinger wird versteckt – er spielt in der Optik nämlich keine Rolle, darf deshalb abgeschnitten werden. Und so wird’s gemacht:

1. Als Material brauchen wir Fotokarton in unterschiedlichen Farben, Bleistift, Filzstift, eine Schere, weiße Farbe und Klebstoff.

2. Das Kind legt die Hand mit gespreizten Fingern auf den Fotokarton und zeichnet mit dem Bleistift die Kontur.

3. Dann wird die Hand entlang der Kontur ausgeschnitten, worauf meist mit großem Hallo das Abschneiden des Mittelfingers erfolgt.

4. Daumen und der kleine Finger werden anschließend nach Innen geklappt. 5. Mit dem Filzstift kann nun das Innere der Ohren ausgemalt oder das Gesicht gezeichnet werden – besonders empfehlenswert sind aber auch Wackelaugen aus dem örtlichen Bastelgeschäft. Bei Bedarf kann aus verschiedenen Materialien auch ein Schwänzchen angeklebt oder mit der weißen Farbe angemalt werden. Mit Karton kann man ihm auch ein Frohe-Ostern-Schild zwischen die Pfoten des Osterhasen kleben.

6. Wer den Fingerhasen nun noch an einem Pflanzenstab befestigt, kann ihn sogar im Blumenkasten oder im Gartenbeet unterbringen (zur Not tut es auch ein gewöhnlicher Schaschlik-Spieß).

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