Finderlohnfür echte Spürnase

Weil Setter Charlie den Opferstock wiedergefunden hat, gab’s von St. Jacobus einen Riesenknochen.

Hilden. Die braunen Augen gucken neugierig, die schnuppernde Nase zuckt. Dann legt er den Kopf wieder geduldig auf die Pfoten: Der zwei Jahre alte Gordon-Setter Charlie scheint trotz seines Ruhmes und üppigen Finderlohns ein bescheidenes Tier mit guter Welpenstube zu sein.

Vor knapp zwei Wochen entdeckte der Hund von Jäger Markus Jäschke einen von zwei gestohlenen Opferstöcken von St. Jacobus. Zum Dank überreichte Pfarrer Reiner Nieswandt dem vierbeinigen Finder einen knapp 1,5 Kilo schweren Rinderknochen. Von dem zweiten Spendenbehälter fehlt allerdings noch jede Spur, so die Polizei.

Bei einem Spaziergang am Menzelsee in der Nähe des Westrings war der Jäger auf eine Stelle aufmerksam geworden, an der das Tier stehenblieb. „Charlie ist ein Vorstehhund, er nimmt eine ganz bestimmte Haltung ein, wenn er eine Spur wittert“, sagt Jäschke. Beim „Vorstehen“ verharrt das Tier lautlos in seiner Bewegung und hebt meist einen Vorderlauf. Erst habe er nichts Außergewöhnliches entdecken können, danach fiel im jedoch ein Haufen abgeschnittener Zweige auf. Darunter entdeckte er einen blauen Kasten. Der ehemalige Messdiener erkannte den Opferstock sofort und rief die Polizei.

Während die Beamten die Fundstelle begutachteten und den Abtransport organisierten, rief er bei der katholischen Gemeinde an. „Es war einfach ein Gefühl. Ich wusste nichts von dem Diebstahl in der Kirche“, sagt er. „In den Opferstöcken ist hauptsächlich Münzgeld“, sagt Pfarrer Nieswandt. Auf unter 100 Euro schätzt er die Summe in den Kästen. Auch auf dem Kunstmarkt könne der Dieb keine großen Summen erzielen — der Grund für den Diebstahl sei ihm schleierhaft. „Wir wollen unsere Kirchen aber weiter offen lassen“, so der Pfarrer.

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