Fahrradboxen in Hilden bleiben wegen Gebühren leer

Hilden : Nur die Hälfte der Fahrradboxen wird von Pendlern angenommen

Die Stadt Hilden verlangt seit Juli 2017 Miete für die Nutzung.

Vor zwei Jahren (2017) gab es für die damals noch 88 abschließbaren Fahrradboxen am Bahnhof Hilden-Süd eine Warteliste. Auch deshalb beschlossen Rat und Verwaltung zusätzliche Boxen anzuschaffen. Sie bieten zuverlässig Schutz vor Diebstahl, Beschädigung und Regen. Die Zahl der Radboxen wurde auf 113 erhöht. Doch seltsam: Weniger als die Hälfte (52) sind heute gebucht. Am Hauptbahnhof sind aktuell 39 von 67 Boxen belegt. Der Stadtrat führte ab Juli 2017 eine Gebühr ein: acht Euro im Monat oder 80 Euro im Jahr. Sie sollte dazu beitragen, dass die Boxen auch tatsächlich genutzt werden. Das ließ sich zuvor nämlich nicht so genau feststellen.

Woran liegt es, dass die Radboxen offenbar nicht mehr gefragt sind? Der ADFC Hilden hatte die neue Gebühr als zu hoch kritisiert. Die Stadt habe Kosten von weniger als vier Euro jährlich pro Box, rechnete der damalige ADFC-Sprecher Georg Blanchot vor.

Nur VRR-Dauerkartenbesitzer können die Boxen beutzen

Ist vielleicht das Verfahren zu kompliziert? Inhaber von Dauerkarten des VRR (nur sie können die Boxen mieten) müssen sich im Bürgerbüro (im Rathaus) den Schlüssel abholen und eine einmalige Kaution von 50 Euro hinterlegen. Der Stadtrat hatte sich bewusst für Fahrradboxen mit konventionellen Schließsystemen und gegen solche mit elektronischen Schlössern entschieden. Denn für den kommunalen Anteil bekam die Stadt fast die doppelte Anzahl von Radboxen. Zudem hatte der ADFC Hilden vor Boxen mit elektronischen Schließsystemen gewarnt. Sie seien viel teurer und zudem unsicher. Die Betriebskosten liegen bei 130 Euro pro Jahr und Box. Zudem wollte der Stadtrat mit der Gebühr für eine stärkere Nutzung und mehr Umschlag pro Radbox sorgen. Die Stadt Ratingen hat am Bahnhof-Ost 20 Radboxen aufgestellt, die per Chipkarte und Smartphone gebucht werden können. Sie seien „gut ausgelastet“, so die Stadtverwaltung.

„Wir haben eine klaren Ratsbeschluss und setzen den auch um“, sagt Bürgermeisterin Birgit Alkenings: „Natürlich wäre es schön, wenn die vorhandenen Radboxen auch mehr genutzt werden. Wenn die Leute anders zur S-Bahn kommen, ist das auch in Ordnung.“ Die meisten Pendler hätten ein VRR-Ticket, in dem die Nutzung von Bahn und Bus enthalten sei. Die Rheinbahn habe die Anbindung an die S-Bahn verbessert. „Das könnte dazu führen, dass einige Pendler nicht mehr mit dem Rad zur S-Bahn fahren, sondern mit dem Bus“, vermutet die Bürgermeisterin.

Halten acht Euro im Monat Radler davon ab, eine Radbox zu buchen? Dazu habe der VRR keine Informationen, auch nicht über die Auslastung der Radboxen, erläutert Pressesprecherin Sabine Tkatzik: „Der VRR hat nur Bundesmittel für die Radboxen besorgt und weitergereicht.“

Fahrradboxen bieten zwar eine höhere Sicherheit gegen Diebstahl und Vandalismus als einfachere Bike-and-Ride-Anlagen, allerdings seien viele Bike-and-Ride-Nutzer nicht bereit, für das Fahrradparken ein Entgelt zu bezahlen, berichtet Regine Gerike, Professorin für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik an der Technischen Universität Dresden.

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