Experte empört über Gießverweigerung

Experte empört über Gießverweigerung

In vielen Städten hilft die Feuerwehr, Bäume zu wässern. Hilden bleibt stur. Das bringt einen Brandschutzfachmann auf die Palme.

Hilden. Bernd Weißhaupt ist freiberuflicher Brandschutz-Experte. Der frühere stellvertretende Chef der Feuerwehr Leichlingen hält überall im Bundesgebiet Vorträge darüber, wie Unternehmen, Altenheime, aber auch Stadtverwaltungen mit wenig Aufwand die Brandgefahr in ihrem Umkreis minimieren können.

Die aktuellen Hilfsaktionen der Feuerwehren überall im Land, die mit Tanklöschfahrzeugen Straßenbäume bewässern, damit das Grün in der Innenstadt nicht verdorrt, hält er für eine „hervorragende und absolut angemessene Maßnahme“.

Überhaupt kein Verständnis hat der Stadt-Brandinspektor allerdings für „den Hildener Weg“. Die derzeitige Politik der Stadt besagt, vor der eigenen Haustür sei noch nicht notwendig, was drumherum in allen Städten der Region von Düsseldorf über Haan bis Wuppertal teilweise bereits seit Wochen praktiziert wird. Für den Feuerwehr-Experten ist das „nichts anderes, als ein Verschließen der Augen vor der Realität“.

Und doch hat Hilden gerade erst wieder einen weiteren Beleg dafür abgeliefert, dass im Rathaus zurzeit keineswegs Interesse an Hilfe für die knapp 12 000 Stadtbäume durch die Feuerwehr besteht. Auf der Internetseite der Stadtverwaltung wurde jetzt sogar noch einmal argumentativ nachgelegt. Dort heißt es wörtlich: „Zum jetzigen Zeitpunkt gelingt es dem Zentralen Bauhof gut, alle Bäume, deren Wurzeln möglicherweise nicht bis zum Grundwasser reichen, ausreichend zu wässern.“ Davon betroffen seien die 227 Jungbäume, die das Tiefbau- und Grünflächenamt in den letzten fünf Jahren gepflanzt habe. Und was Feuerwehreinsätze betrifft: In Hilden werde ebenfalls alles getan, um den Straßenbäumen zu helfen. Die Stadt habe sich lediglich „für einen anderen Lösungsweg entschieden“.

Experten wie Bernd Weißhaupt können da nur den Kopf schütteln: Man müsse sich nur einmal vor Augen halten, wie viele Bäume in den Stadtgebieten der Region zurzeit ihre Blätter abwerfen, sagt der Leichlinger: „Das ist und bleibt der ultimative Hinweis, dass es an Wasser fehlt.“

Doch auch in diesem Punkt bleibt die Hildener Stadtspitze hart: „Tatsächlich ist es normal im Sinne von natürlich, dass die Bäume ihre Blätter abschmeißen“, wird auf der Internetseite betont. Weißhaupt sagt dagegen: natürlich vielleicht, aber nicht gesund.

Bürger wie Wolfgang Oppel beklagen inzwischen, sie hätten „die Halsstarrigkeit der Bürgermeisterin“ in den vergangenen Tagen bei Nachfragen zu spüren bekommen. Oppel schrieb jetzt einen empörten Brief, in dem er der Stadtchefin indirekt Unfähigkeit vorwarf: „Außerhalb des Öffentlichen Dienstes würde Ihr versagendes Verhalten sicher als Arbeitsverweigerung eingeschätzt“, schrieb er. Oppel hatte sich bereits vor mehr als einer Woche an Birgit Alkenings und die Feuerwehr gewandt, um für die Baumbewässerung zu werben, war aber abgewiesen worden.

Jetzt macht er seinem Unmut Luft: „Als Bürger der Stadt Hilden und einer Ihrer Wähler bei der letzten Kommunalwahl habe ich vielleicht keinen Rechtsanspruch darauf, dass die Bürgermeisterin meine Anfragen oder Hinweise beantwortet oder darauf reagiert“, schreibt er, um dann hinzuzufügen: „Nur stellt sich dies als ungehörig, respektlos und stillos dar; das hat dann eben bei der nächsten Kommunal-Wahl entsprechende Konsequenzen.“

Übrigens: Auch das Hauptargument der Stadt, die Feuerwehr dürfe ihre Einsatzfähigkeit nicht gefährden, nimmt Experte Weißhaupt auseinander: „Das“, sagt er, „kann eigentlich nur der Fall sein, wenn Hilden in einer anderen Stadt gießen würde.“ Dann wären die Helfer am Ort nicht greifbar.

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