Engel an der Nähmaschine

Angelika Graichen und acht weitere Frauen nähen für den guten Zweck. Sie nennen sich „Quilt-Angels“ und zeigen ihre Kunst bald im Haus am Quall.

Gruiten. Wenn in den hübschen Kellerräumen von Angelika Graichen neun Frauen an einer langen Tafel an ihren Nähmaschinen sitzen, dann sieht es fast so aus wie in einer Fabrik. Aber eben nur fast. Denn die Frauen kommen freiwillig. Und sie nähen für den guten Zweck.

„Wir sind die Quilt-Angels“, sagt Angelika Graichen. „Uns verbindet die Leidenschaft am Nähen.“ Aus Stoffresten fertigen die Frauen in ihrer Freizeit Kuschelkissen für kleine Patienten im Kinderhospiz Regenbogenland, kleine Taschen für die Katheter der Kinderonkologie sowie Herzkissen und Umhängetaschen für die Drainageflaschen der Patientinnen des Brustkrebszentzrums der Uniklinik Düsseldorf.

„Es gibt so viel Not auf der Welt und so viele Möglichkeiten, zu helfen“, sagt die 64-Jährige. Vor etwa zehn Jahren hat sie ihre Leidenschaft für Patchwork entdeckt. „Ich habe früher viel gestrickt, auch beispielsweise Trachtenjacken aus schwerer Wolle“, erzählt sie. Als sie sich beide Hände brach, machte sie sich auf die Suche nach einer neuen Beschäftigung. „Immer nur kochen, das wollte ich nicht“, sagt sie und lacht. Als begeisterte Näherin — mit elf Jahren brachte ihre Mutter ihr den Umgang mit Nadel, Faden und Maschine bei — stieß sie auf einen Patchwork-Kurs und ließ sich von der Begeisterung, Stoffe zu zerschneiden und wieder neu zusammenzunähen, anstecken. „Nach fünf Jahren hatte ich die erste Kiste mit Stoffresten voll“, sagt sie. „Jeden drängt es, daraus etwas zu machen. Schließlich ist das Material ja schon bezahlt.“

Die gelernte Friseurmeisterin machte sich auf die Suche nach Gleichgesinnten. „Die Bereitschaft, nicht nur Geld, sondern auch Freizeit zu opfern, ist oft nicht so groß“, sagt sie. Aber sie wurde fündig. Acht Frauen aus Gruiten, Haan und der Umgebung konnte sie für das ehrenamtliche Nähen und Patchen begeistern. „Sie verstehen, dass ich das machen will, unterstützen mich und tragen unser Projekt mit“, sagt sie. Sterbenden Kindern ein buntes Kissen zu nähen, krebskranke Kinder mit kleinen Taschen und Tieren aus Stoff zu beglücken, das macht sie glücklich. „Wenn wir nähen, sind unsere Gedanken bei unseren Kindern.“

„Im kommenden Jahr wollen wir für den Benninghof in Mettmann nähen“, sagt sie. Weil aber beispielsweise im Kinderhospiz etwa acht Kuschelkissen pro Monat benötigt werden, suchen Angelika Graichel und ihre „Engel“ weitere Frauen, die sich für die sozialen Projekte engagieren wollen. „Wir geben Schnitte und Nähanleitungen weiter, erläutern, was gebraucht wird und wohin die Sachen gespendet und geliefert werden müssen“, sagt Graichen. „Ich bin gespannt, ob ich es schaffe, weitere Frauen zum Nähen zu bringen. Sie müssen auch nicht patchen können.“

“Die „Quilt-Angels“ und ihre Gäste zeigen am Wochenende, 8. und 9. Dezember, jeweils 11 bis 18 Uhr, im Haus am Quall, Am Quall 12 in Gruiten-Dorf, ihre Arbeiten und werben um neue Mitstreiterinnen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung