Empfang in der Waldkaserne für Heinz Glutsch

Hilden : Ein Leben in bewegter Geschichte

Heinz Glutsch hat sich sein Leben lang für ein Miteinander von Soldaten und Bürgern eingesetzt. Der Oberstleutnant a.D. war der erste Standortälteste der Waldkaserne. Jetzt ist er 100 geworden.

. Heinz Glutsch wurde am 9. November 1919 geboren. Mitten hinein in eine Zeitenwende. Das kaiserliche Deutschland war gerade in einem schrecklichen Ersten Weltkrieg mit Millionen Toten untergegangen. Deutschland musste in Versailles unter dem Druck der Siegermächte einen Friedensvertrag unterzeichnen. Dieses Diktat wurde zur schweren Hypothek für die gerade gegründeten Weimarer Republik. Die Nazi-Diktatur, den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau Deutschlands, das Wirtschaftswunder, die Europäische Union, die Wiedervereinigung Deutschlands: All das hat Heinz Glutsch miterlebt. Diese 100 Jahre deutscher Geschichte hatten es wirklich in sich.

„Ich wurde sofort nach dem Abitur zur Wehrmacht eingezogen und nahm vom 1. September 1939 an am Zweiten Weltkrieg teil“, erinnert sich der gebürtige Berliner: „Ich wurde dreimal verwundet und am 1. April 1942 zum Leutnant befördert.“ Heinz Glutsch war bis 1947 in Frankreich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung heiratete er seine Frau Maria, Beide hatten sich schon Ende 1944 in Bitburg kennen gelernt. Das Paar blieb zunächst in der Eifel wohnen. Heinz Glutsch arbeitete als Vertreter in der Lebensmittel- und Pharma-branche. 1956 trat er als Hauptmann in die Bundeswehr ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Hildener Waldkaserne (1936 gebaut) zuerst amerikanischen und dann britischen Truppen als Unterkunft. 1968 zog die Britische Rheinarme ab und übergab ihre „St. ­David‘s Barracks“ der Bundeswehr. Darunter war auch das Versorgungsbataillons 737. Sein Kommandeur war seit 1961 Heinz Glutsch. 1968 wurde der Oberstleutnant der erste Standortälteste der Waldkaserne. Er ist so etwas wie der Repräsentant der Soldaten, vertritt die Garnison nach außen.

Heinz Glutsch wurde mit dem Ehrenkreuz in Gold ausgezeichnet

Vier Jahre war Glutsch Standortältester, dann rief ihn das Bundesverteidigungsministerium nach Bonn. Seine Frau und die drei Kinder waren 1968 nach Hilden gezogen. Glutsch engagierte sich für seine neue Heimat. Er war unter anderem 14 Jahre lang für die CDU Mitglied des Stadtrates und fünf Jahre stellvertretender Bürgermeister.

Er war Mitbegründer des Freundeskreises der Waldkaserne und viele Jahre lang dessen Vorsitzender. In vielen anderen Garnisonen sind Soldaten und Bürgern voneinander isoliert, man lebt eher nebeneinander her als miteinander. Das hat mit den hohen Kasernen-Zäunen zu tun, die die abgeschottete Sicherheitsbereiche umgeben. Und auch damit, dass die Besatzung der Garnisonen häufig wechselt.

Der Freundeskreis der Waldkaserne wollte Brücken bauen zwischen Bürgern und Soldaten und beide miteinander ins Gespräch bringen. Das ist dem Freundeskreis, auch dank Heinz Glutsch, hervorragend gelungen. Die Stadt Hilden hat eine Patenschaft für die Soldaten der Waldkaserne übernommen. Auch daran hat Glutsch mitgewirkt. Die Patenschaft sei im doppelten Wortsinn einmalig, bestätigen Soldaten in der Waldkaserne. In Hilden sind sie kein Fremdkörper, sondern gehören dazu. Nicht nur im Karneval, wenn das Prinzenpaar die Waldkaserne stürmt. Oberstleutnant Björn Taube ist Kommandeur der Feldjäger in der Waldkaserne und beruflich schon weit herum gekommen. „So wie wir hier in Hilden aufgenommen werden, dass habe ich noch nicht erlebt“, bedankt sich der Standortälteste für die besondere Wertschätzung, die Soldaten in Hilden erfahren. Die Bundeswehr hat Heinz Glutsch für seine Verdienste um das gute Miteinander von Soldaten und Bürgern in Hilden mit dem Ehrenkreuz in Gold ausgezeichnet. Er ist Ehrenvorsitzender des Freundeskreises und Ehrenfeldjäger. Die Stadt Hilden hat ihn 1971 mit Stadtwappen und Fabriciusmedaille in Bronze, 1984 mit dem Großen Stadtwappenteller in Silber und 1989 mit der Fabricusmedaille in Silber geehrt. Der Bundespräsident verlieh ihm 1990 das Bundesverdienstkreuz am Bande. „Mir geht es gut“, sagt Heinz Glutsch, obwohl er inzwischen einen Rollstuhl benutzen muss. Seine Frau ist verstorben, aber drei Kinder, fünf Enkel und drei Urenkel stehen ihm zur Seite. Auch mit fast 100 Jahren ist er noch ganz Soldat, der sich
tapfer hält.

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