Ein Mann für alle (Kirchen-) Fälle

Neuer Küster in Haan : Neuer Mann für Kirchen-Aufgaben

Seit November 2018 ist der 48-jährige Marcus Andrae neuer Küster der evangelischen Kirchengemeinde in Haan.

Den Beamer für Fernseh- und andere Programme im Gemeindecafé hat er schon eingehend unter die Lupe genommen. Und auch die Mikrofonanlage in der Kirche lernt er gerade immer besser kennen. Kein größeres Problem für ihn. Immerhin hat Marcus Andrae jahrzehntelange Erfahrung in seinem gelernten Beruf als Radio-und Fernsehtechniker aufzuweisen. „Ein bisschen hapert es allerdings noch bei meinem Händchen für Dekorationen, etwa den Blumenschmuck am Altar“, räumt der Haaner freimütig ein – aber da verlangt nach sechs Wochen im neuen Job auch noch niemand Perfektion von ihm. Im Gegenteil: „Wir sind absolut angetan von der Art und Weise, wie er die ersten Wochen seine Feuerprobe bestanden hat“, lobt Pfarrerin Gabriele Gummel. Immerhin sei die Adventszeit für einen Küster besonders anstrengend und aufreibend. Besonders wenn er neu anfängt – und Marcus Andrae hat in diesem Beruf komplett neu angefangen.

Am ersten Advent ist unheimlich viel auf ihn eingeprasselt

Jetzt stellte die evangelische Kirchengemeinde Haan ihren neuen Küster offiziell vor – und verband die Präsentation gleich mit einem umfassenden Lob. „Ich kann mich da an den Samstag vor dem ersten Advent erinnern – da ist so unendlich viel auf ihn eingeprasselt, dass ich nur sagen kann: Nicht jeder hätte so souverän reagiert“, berichtet Gummel. Zusätzliche Gottesdienste, ein Konzert mitsamt Probe und noch eine Taufe, bei der auch geprobt werden sollte – da musste Andrae sowohl Organisator, als auch Nervenberuhiger geben.

Spricht man den 48-Jährigen darauf an, lächelt er vielsagend: „ich bin der siebte Sohn innerhalb einer Großfamilie“, sagt er: „Mit hektischen Situationen kann ich umgehen.“ Es ist jedoch nicht nur diese Fähigkeit, die Andrae offenbar zu einem idealen Nachfolger für den langjährigen Küster Alexander Ziegler macht. „Er hatte davon gehört, dass ein Wechsel ansteht und sich blind beworben, noch bevor wir die Stelle ausgeschrieben hatten“, erinnert sich die Pfarrerin. In dem darauf folgenden Bewerbungsgespräch habe der Kandidat derart überzeugend gewirkt, „dass wir uns gesagt haben: Mit ihm probieren wir das auf jeden Fall“. Denn neben den technischen und organisatorischen Qualitäten habe sich Marcus Andrae auch menschlich als Volltreffer erwiesen.

Der neue Küster hat fast sein ganzes Leben in Haan verbracht

Vielleicht ist es ja die Liebe zu seiner Heimatstadt, die das letzte Quäntchen Ausschlag gegeben hat. Denn der neue Küster hat nahezu sein ganzes Leben in Haan verbracht. „Ein halbes Jahr lang haben wir mit unserer Familie mal in Bielefeld gewohnt, weil mein Vater dort eine neue Stelle gefunden hatte“, berichtet er und fügt gleich hinzu: „Wir waren dort alle dermaßen unglücklich und hatten so Heimweh, dass mein Vater sofort nach dem Umzug wieder begonnen hat, in Haan nach einer Anstellung zu suchen.“ Andraes Mutter habe ihre Beziehung zur Gartenstadt einmal auf den Punkt gebracht, in dem sie sagte: „Ich muss von meinem Fenster aus die Kirchturmspitze sehen können, sonst bin ich nicht glücklich.“

Glücklich scheint der neue Küster schon jetzt mit seinem beruflichen Umfeld zu sein: „Ich lerne täglich dazu“, betont er – macht aber gleichzeitig deutlich, dass er neben der beruflichen Herausforderung auch privaten Nutzen aus einer neuen Anstellung zieht. Vor allem aus der Tatsache, dass er während der Gottesdienste in der Kirche anwesend ist: „Ich bin nie ein besonders intensiver Kirchgänger gewesen“, sagt der 48-Jährige freimütig, doch jetzt habe er etwas an sich festgestellt: „Während des Gottesdienstes kann ich zur Ruhe kommen und mich auf andere Dinge besinnen, als Arbeit. Das macht meine Tätigkeit erst richtig komplett.“

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