Ein Luxushotel für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge

Ein Luxushotel für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge

Familie Poppel aus Gruiten hat unter Anleitung ein Insektenhotel gebaut. Die WZ hat dabei zugeschaut. Fazit: Das ist gar nicht so schwierig.

Gruiten. Das Holz ist vorgeschnitten, das Zubehör gesammelt und aus dem Keller zusammengetragen. Tannenzapfen, Holzwolle, Bambusstäbe, dünne Baumstämme und dicke Äste werden ebenso benötigt wie Dachpappe, Maschendraht, Nägel, Schrauben, Leim und Lehm.

Daraus bastelt Familie Poppel, allen voran Mutter Simone (33) mit ihren Söhnen Jonas (6), Georg (3) und Frederik (1), ein Insektenhotel. „Das gefällt mir gut, so eines wollte ich immer schon haben“, sagt Simone Poppel und will den Unterschlupf für Schmetterlinge, Marienkäfer, Hautflügler und Ohrenkneifer ganz dekorativ im Garten aufstellen. Doch bis es so weit ist, müssen sie und ihr Nachwuchs ein wenig handwerkliches Geschick beweisen. Nachbar Hans-Joahim Friebe hat vor zwei Wochen mit Vätern im Kindergarten bereits solche Insektenhotels gebastelt. Jetzt zeigt er den Poppels noch einmal, wie das geht.

„Jetzt müssen wir erst einmal leimen“, erklärt er den Kindern. Jonas macht große Augen: „Leimen? Was ist das?“ Die Erklärung folgt sofort, denn die Kinder dürfen selbst Hand anlegen, mit einem Pinsel die schmalen Bretter mit dem Holzkleber bestreichen. Das Zusammensetzen übernimmt der Landschaftswächter. „Jetzt müssen wir genau arbeiten, damit am Ende auch das Dach passt“, sagt er.

Simone Poppel zersägt derweil Bambusstangen in gut sieben Zentimeter lange Stücke. In ihnen könnten sich oberirdisch nistende Solitärbienen und -wespen bald heimisch fühlen.

Geleimt und durch Nägel zusammengehalten stehen die schmalen Mauern des kleinen Hotels schnell. „Jetzt bauen wir wie in einem normalen Haus den Keller“, sagt Friebe und korrigiert sich dann selbst: „Das hier wird eher das Parterre“ — mit einem mit Gitterdraht geschützten Fach für Tannenzapfen für die Larven der Florfliege und einem Hohlraum für Schmetterlinge, in dem Admiral und Tagpfauenauge sogar den Frost bis minus 20 Grad Celsius überstehen. „Wie kommen denn die Schmetterlinge da hinein?“, fragt Jonas. Dass die Insekten einfach ihre Flügel zusammenklappen, um durch den schmalen Schlitz in den Hohlraum zu gelangen, kann sich der Sechsjährige nicht vorstellen. Aber vielleicht kann er das bald schon beobachten.

Im ersten Stock des Insektenhotels finden mit Löchern versehene, kurz gesägte Äste und Zweige ebenso ihren Platz wie ein Fach voller Lehm „Auch dort nisten sich Insekten ein“, erläutert Friebe. Auf den Lehm muss er allerdings warten. Denn Jonas und Georg, eigentlich mit dem Durchmischen der braunen Erde mit Sägespänen und Wasser beauftragt, helfen doch lieber beim Fixieren der Bretter mit Hammer und Nägeln. „Du musst richtig gerade drauf donnern“, feuert Friebe den Sechsjährigen an. Dem fehlt noch ein wenig die Kraft, aber schließlich sind alle Nägel im Holz, Schwachstellen mit Schrauben fixiert und Dachpappe zum Schutz vor der Witterung aufgetragen. Das oberste Geschoss wird noch mit Holzwolle gefüllt und ebenfalls mit Gitterdraht geschützt. „Da gehen die Ohrenkneifer rein“, erläutert der Naturschützer. Nützliche Tiere, denn die schwärmen aus und „holen die Blattläuse von den Bäumen“.

Wo Simone Poppel das hübsche Häuschen aufstellen wird, weiß sie schon. „An die Hauswand, zwischen die zwei Schlagläden“, sagt sie. Dafür fehlt ihr nur noch der passende Pfosten. Wie ein Ast soll der aussehen. „Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wo ich den herbekommen könnte.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung