Ein guter Ort für lange Nächte

Musikfreunde treffen sich im „Benrather20“. Zwei Live-Konzerte in der Woche sind dort Pflicht. Auf dem Programm stehen Blues, Rock und Funk.

Hilden. Dieses Eckhaus ist ein Ort für lange Nächte. Die Rollläden am „Benrather20“ öffnen sich erst am Abend — langsam, wie die Augenlider eines verschlafenen Musikers. Wer später in der Samstagnacht durch die Schwingtür in die Kneipe kommt, sieht eine Menge breiter Rücken vor sich im dröhnenden Schankraum: Live Konzert.

Zwei Bands jede Woche — seit zwei Jahren setzen Marion und Wolfgang „Wolli“ Stapelmann ihr Konzept an Hildens befahrendster Kreuzung um.

„Da war eine Riesenlücke für unsere Altersklasse“, sagt Marion Stapelmann. Die 46-Jährige spricht von Musikfreunden jenseits der 35, die ausgehen möchten und dabei auf deutsche Schlager gern verzichten.

Hinten durch in der Kneipe hängen Scheinwerfer von der Decke, ein Schlagzeug steht auf einer flachen Bühne. Blues und Rock sind dort das Programm. „Das gibt es kaum noch, dass jede Woche live gespielt wird“, sagt Gast Georg Stutte. Der Musiker aus Langenfeld stellt einen als Stammtischschild geschmückten Pümpel — eine Gummisaugglocke — auf den Tisch.

Zu den ganz schwarz gekleideten „Outsiders“ gehört auch Edith Jungmann — die frühere Hildenerin lebt jetzt in Duisburg: „Man trifft hier seine Freunde wieder.“ Im gedämpften Kneipenlicht krault ihr Mann Jürgen den gemeinsamen Malteser-Mischling „Schimanski“. Besucherin Uta Luft hatte ihren Weg aus einer Laune heraus in das Eckhaus gefunden: „An dem Tag hatte ich grad Lust auf Bier. Die Wirtsleute hier sind unheimlich nett.“

Wie gemütlich es die Gäste dort finden, zeigt sich an der Wand hinter der Theke. Buttons und Schilder hängen da, dazwischen ein altes Tonbandgerät. „Alles Geschenke — deswegen steht da auch ‘Straße der Freundschaft’ über dem Durchgang“, erläutert Wolli. Im Regal daneben findet sich ein weiteres Stammtischschild: „Die wilden Hexen“ nennen sich „Marktwert-Forschungsgruppe“. „Ich glaube, da geht es um den Marktwert von Männern“, sagt Wolli.

„Offiziell sind wir seit einem Jahr ein Musikbistro“, erläutert der Wirt, der früher einmal Bauunternehmer war. Mit der alten Lizenz als „Schankwirtschaft“ seien nur zehn Konzerte im Jahr abgedeckt gewesen: „Das schaffen wir ja schon in zwei Monaten.“

Damit nicht jede Woche eine Sondergenehmigung fällig wird, beantragten die Stapelmanns die Änderung. „Wir haben ohne Ende Auflagen erfüllt“, sagt Marion. Passiert sei ohnehin nie etwas. Nur ein diskret „Martin“ genannter Band-Sänger habe mal auf einem der Tische gestrippt.

Lärmempfindliche Nachbarn hat die Musikkneipe genügend. Gleich nebenan liegen die Kinosäle der „Lux Lichtspiele“. Einen möglichen Konfliktpunkt vermeiden die Wirtsleute aber: über der Gaststätte wohnen sie einfach selbst. „Wenn wir da vermieten würden, müssten wir um 22 Uhr die Musik ausmachen“, sagt Marion Stapelmann. Aber dann geht es im „Benrather20“ gerade erst richtig los.

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