Haan : Der Weltladen Haan zieht um

Beim Fest für alle Sinne wird die Nepal-Hilfe gefördert. „Haus an der Kirche“ läuft.

Viele interessierte Besucher sind am Freitagabend in die evangelische Kirche gekommen, um den Vortrag von Johannes Börger mitzuerleben. Der Initiator des Vereins „Lichtblick Nepal“ erzählte von den schrecklichen Erdbeben, die 2015 viele Menschen obdachlos machten. Das zweite Beben hatte in der Region gewütet, in der Börger als Entwicklungshelfer tätig war.

1971 ging Börger für zwei Jahre als Entwicklungshelfer nach Nepal. „Ich wollte damals nicht zur Bundeswehr“, verrät der Landwirt aus dem Sauerland. In Nepal lernte er seine Frau kennen, die er mit nach Deutschland brachte und 1974 in einer kleinen Kapelle seines Heimatdorfes heiratete. Über die Jahre hat Johannes Börger viele Reisen nach Nepal organisiert, besitzt in Kathmandu ein Haus und hilft, wo immer er kann.

Durch Vorträge war er auch im Sauerland bekannt. So wandten sich hilfsbereite Menschen nach dem Erdbeben an ihn. „Ich hatte innerhalb von vier Wochen 80 000 Euro gesammelt“, erzählt er. So gründete er den Verein „Lichtblick Nepal“ und reiste in das Krisengebiet. „Unser Garten war voller Zelte von den vielen, die ihre Habe verloren hatten.“ Er begann, Blechhütten für die Obdachlosen zu bauen.

Inzwischen arbeitet der Verein mit einer Angestellten in Nepal zusammen, um sinnvolle Projekte umzusetzen, damit die Spenden dort ankommen, wo sie hin sollen. Schulen und Krankenstationen wurden gebaut. „Auf dem Weg zwischen Kathmandu und Tibet leben zwei bis drei Millionen Menschen“, erzählt er. „Die haben nur einen Rettungswagen. Und der fährt auch nur auf dieser Straße.“ Wenn jemand krank ist, muss der Patient erst vom Dorf zur Straße getragen werden. Dann hat er oft schon einen Dreitagesmarsch hinter sich. „Da muss man tätig werden“, so Börger. Seinen Vortrag ergänzte er durch einen Film, der nach dem Erdbeben entstanden ist.

So stand Nepal im Fokus des diesjährigen „Fests für alle Sinne“, das der Weltladen Haan regelmäßig organisiert. „Dieser Abend steht schon unter dem Motto Abschied“, sagte Barbara Olberz in der Kirche. Es sei das letzte Fest, das vom jetzigen Weltladen veranstaltet würde. „Ende Oktober ziehen wir um.“ Es ist bereits 36 Jahre her, dass Barbara Olberz den Weltladen Haan gründete. „Als wir begannen, waren es drei Frauen“, erinnert sie sich zurück. Heute kann der Weltladen dank zwanzig ehrenamtlichen Helferinnen jeden Tag geöffnet werden. „Es war mir wichtig, den Leuten in Haan die Zusammenhänge zu zeigen, in denen wir leben“, erzählt Olberz. „Dass der Kaffee nicht in Deutschland wächst.“ So hat der Weltladen nicht nur ein großes Sortiment fair gehandelter Produkte, sondern unterstützt auch zahlreiche Hilfsprojekte. Gisela Hill hilft seit zehn Jahren mit. „Ich habe ein gutes Leben“, sagt sie.

Mehr von Westdeutsche Zeitung