Der Preußen-König stimmt zu

Der Preußen-König stimmt zu

Vor 150 Jahren wurde der Ortschaft Hilden das Stadtrecht verliehen.

Hilden. Es war eine einschneidende Änderung, von der die Hildener vor 150 Jahren nur durch das Gesetzblatt der königlich preußischen Regierung erfuhren: Ihr Ort erhielt das Stadtrecht. Die Meldung war heiß erwartet worden. Längst erlebte der Ort einen rasanten Aufschwung. Ackerbau war unbedeutend geworden, die Arbeiter verdienten ihren Lohn in Seidenwebereien und Tuchdruckereien entlang der Itter. Nun sollte der Ort eine eigenständige Verwaltung bekommen, unabhängig von den umgebenden Landgemeinden werden.

Wie Hilden damals aussah, ist aus der Wandkarte zu erahnen, die im Arbeitszimmer von Stadtarchivar Wolfgang Antweiler hängt. „Der Ortskern rund um die Reformationskirche ist erkennbar“, sagt er. Den Marktplatz und sechs Straßen benannte Bürgermeister Albert Koennecke in seiner Bestandsaufnahme 1860. Kalstert, Meide und Karnap waren Einzelhöfe — weit außerhalb gelegen.

Noch an vielen Stellen der Stadt sei die Geschichte erkennbar, sagt Antweiler. In Höhe der ersten Etage seien oft Spuren erhalten: die alten Oberleitungs-Verankerungen der früheren Straßenbahn. „1962 fuhr der letzte Zug durch die Mittelstraße“, sagt der Archivar. Seit 1898 war die Tram von Benrath kommend über die Gabelung weiter nach Ohligs und Vohwinkel gefahren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der wirtschaftliche Wandel nicht an Hilden vorbei. Hatte sich die Textilindustrie noch schleichend verabschiedet, verschwand die Metallverarbeitung Anfang der 1980er-Jahre durch die Stahlkrise fast auf einen Schlag aus der Stadt. „Innerhalb kurzer Zeit waren ganze Familien am Existenzminimum“, sagt Antweiler.

Der Einbruch kam fast zeitgleich mit der landesweiten Gebietsreform. „Es gab verzweifelte Versuche, die Stadt einzugemeinden“, erinnert sich Lutz Wachsmann vom Bürgermeisterbüro. Düsseldorf und Solingen hätten Interesse an Hildener Gebieten gehabt: „Wir wären zusammengeschnitten worden wie ein Rosenstock im Herbst“, sagt Wachsmann. Die Pläne wurden nicht verwirklicht — ebenso wie die Vorhaben, die Stadt mit großen Neubaugebieten drastisch zu vergrößern.

Trotz wechselhafter Zeiten waren die Jubiläen des Stadtrechts immer ein Grund zu feiern. Vor 50 Jahren gab es Gedenkstunden in den Schulen und ein festliches Konzert im Saal des Reichshofs. Bekleidungsgeschäfte in der Innenstadt zeigten neben dem aktuellen Chic die Mode des 19. Jahrhunderts in ihren Schaufenstern. 1911 veranstaltete der Stadtrat einen Fackelzug am Jahrestag, legte Wert darauf, die Vereine in die folgende Feierstunde einzubinden. Schon damals hatte das Amtsblatt vermutet: mit einer Denkschrift allein könne den Bürgern nicht gedient sein.

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