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Demo in Hilden: Musikschullehrer wollen faire Beschäftigung

Hilden : Musikschullehrer protestieren in Hilden

Die Dienstleistungsgewerkschaft verdi hatte landesweit zu mehreren Kundgebungen aufgerufen. Eine davon war auf dem alten Markt in Hilden. Zwischen angestellten Lehr- und Honorarkräften gibt es gewaltige Unterschiede bei der Bezahlung.

. „Wenn es so weiter läuft, können meine heutigen Schüler mir in 20 Jahren beim Pfandflaschen-Sammeln zusehen“, sagt Ralf Zartmann mit kaum unterdrückter Wut. Er ist seit zehn Jahren Lehrer für Schlagzeug an der Hildener Musikschule. Insbesondere die Corona-Krise habe die eklatanten Unterschiede in der sozialen Absicherung bei fest nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst angestellten Musikpädagogen und freien Honorarkräften zu Tage treten lassen.

Auf dem alten Markt in der Innenstadt machen die Musiklehrerinnen und Musiklehrer unter dem Motto „Aus dem Takt geraten – Sicherheit für künstlerische Bildung“ auf ihre prekäre soziale Lage aufmerksam. Mit der landesweiten, von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) initiierten Aktion, die parallel auch in Bonn, Köln, Aachen, Leverkusen und Düsseldorf stattfand, solidarisieren sich in Hilden auch mehrere fest angestellte Mitglieder des Musikschulkollegiums mit den Forderungen der freien Kollegen.

Die Forderungen beinhalten maßgeblich eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mutter- und Kündigungsschutz sowie eine gerechte Bezahlung, die über den aktuellen Dumping-Honoraren liegen müsse. Seit Jahren werden die Freien beschäftigungspolitisch als vogelfrei angesehen. Sie erreichen bei einer Vergütung von 25 Euro pro Stunde (maximal 14 Stunden pro Woche) bestenfalls die Hälfte des Einkommens einer nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst beschäftigten Lehrkraft. Mehrere durch Todesfälle frei gewordene feste Stellen seien nicht adäquat wieder besetzt worden, vielmehr setzte die Musikschule auf billigere freie Musikpädagogen.

Stadtverwaltung kassierte Entscheidung der Musikschule

„Zu Beginn der Corona-Pandemie hieß es zunächst, dass wir aufgrund des Online-Unterrichts unsere Honorare in Rechnung stellen könnten, doch die Entscheidung der Musikschule wurde seitens der Stadtverwaltung kassiert“, empört sich Christoph Thelen, seit 25 Jahren Lehrer für Horn, und beklagt, dass die Schere zwischen Freien und Festangestellten seit Jahren immer weiter aufgeht.

Seine Schülerin Jasmin, die über das Projekt „Jedem Kind Instrumente“ (Jekits) an das Horn gekommen ist, bestätigt, wie viel Spaß ihr der Unterricht macht. Anna-Laure Assoud, Mutter der elfjährigen Nachwuchs-Hornistin zeigt sich erstaunt, mit welchen Problemen Musiklehrer während Corona zu kämpfen haben.

„Dabei nutzt die Stadt unsere Passion, wir lieben unseren Beruf, die musikalische Arbeit mit den Kindern und die gemeinsam erlebten Erfolge“, sagt Christoph Thelen. „Die Stadt nutzt das musikalische Potenzial unserer Ensembles zu allen sich bietenden Gelegenheiten, und sie ist zu Recht stolz auf das, was präsentiert wird. Doch zu fairen Beschäftigungsverhältnissen ist sie nicht bereit“, sagt Peter Scheerer, der als Festangestellter mehrere ­Orchester leitet.

„Schon im Studium wird man darauf vorbereitet, dass so die Zukunft aussieht“, bedauert Blockflöten-Lehrein Alina Loewenich, die zwei Ensembles leitet und froh ist, zunächst einmal ihre Chance in Hilden erhalten zu haben. Doch perspektivisch will auch sie gegen die Ungerechtigkeit, die ihrem Beschäftigungsstatus innewohnt, angehen.