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Caritas zieht letztmalig Flüchtlingsbilanz in Haan

Haan : Caritas legt letzten Bericht ihrer Flüchtlingsarbeit vor

Die Stadt Haan hatte zum Jahresende 2019 zu dem neuen Anbieter European Homecare aus Essen gewechselt.

In den städtischen Notunterkünften waren vergangenes Jahr 36 Wohnungslose untergebracht. 89 Personen suchten die Fachberatung für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen auf. Diese Zahlen nennt der aktuelle Jahresbericht, den der Caritas-Kreisverband Mettmann für Haan vorgelegt hat. Auf 15 Seiten finden sich umfassende Beleuchtung des Sozial- und Integrationsmanagements, Bilanz der Lern- und Spielstube für 2019 und vieles mehr.

Schwerpunkte der Arbeit mit Wohnungslosen waren 2019 die Fachberatung für Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, aufsuchende Arbeit mit dem allgemeinen sozialen Dienst der Stadt, eine enge Zusammenarbeit mit bestehendem Netzwerk und die Vermittlung in eigene Wohnungen.

Der größte Bereich des Berichts umfasst nach wie vor die Arbeit mit Flüchtlingen: Stand Oktober 2019 lebten 484 Geflüchtete in Haan. Davon wohnten 216 in städtischen Unterkünften, 268 in Privatwohnungen. Die Zahl der anerkannten Schutzberechtigten in Haan belief sich laut Caritas auf 201 bis 210 Personen. 25 neue Flüchtlinge wurden nach Haan zugewiesen, inklusive neugeborene Kinder. Rund 20 Flüchtlinge nahmen täglich an der Sprechstunde teil. Die wichtigsten Themen waren: Unterstützung bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, aufenthaltsrechtliche Fragen, Deutschkurse, Klärungen mit Kindergärten und Schulen, Schulden- und Gesundheitsangelegenheiten, Klärung der Leistungsbezüge.

Die Geflüchteten müssen wegen fehlender Sprachkenntnisse und Komplexität der Rechtslage in Deutschland schrittweise lernen, ihre Angelegenheiten selbst zu bewältigen. In Wohnungen lebende Flüchtlinge wurden ergänzend zum Abschluss von Verträgen, etwa Internetzugang, Energieversorgung, Haftpflichtversicherung, Bankkontoführung und Unterstützung der Familiensysteme bei Familienkrisen beraten.

Auch 2019 war die Zahl der Ehrenamtlichen rückläufig

Bis März 2019 wurden die Unterkünfte Ellscheid, Heidfeld, Dieker Straße, Deller Straße und Düsseldorfer Straße wöchentlich aufgesucht, um dort mit dem Sozialamt unter anderem Hygiene- und Sachmängeln entgegenzuwirken. Zudem wurden den Bewohnern individuelle und bedarfsorientierte Unterstützungsleistungen angeboten. Die Unterkunft Düsseldorfer Straße wurde im Juni 2019 geschlossen.

Im Bereich der Wohnungslosenhilfe wurde das seit Jahren bewährte Verfahren in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt Haan laufend fortgeführt. Wurden Räumungsklagen anhängig, dann wurden die Betroffenen zum gemeinsamen Gespräch eingeladen oder aufgesucht. Mit Erfolg: 2019 wurden lediglich zwei Räumungsklagen bekannt gegeben.

Auch die Arbeitsvermittlung bei Flüchtlingen zeigte Erfolg: In enger Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen konnten 2019 32 Flüchtlinge in Praktika und Arbeitsstellen vermittelt werden. Viele haben sich selbstständig auf Arbeitssuche begeben; in einigen Fällen konnten sie sogar Jobs finden.

In Haan wohnten 2019 rund 200 minderjährige Geflüchtete, die in Kindergärten und Schulen untergebracht waren. Der Bericht weist noch eine Vielzahl weiterer Punkte auf – von Begegnungen und Festen über Schulungen bis zur Entwicklung des ehrenamtlichen ­Engagements.

Jedoch setzte sich der Caritas zufolge ein Negativtrend des Vorjahres fort, so dass auch 2019 die Zahl der regelmäßig aktiven Ehrenamtlichen rückläufig war. Zum Jahresende waren rund 60 Personen in unterschiedlichen Projekten engagiert. Gründe für den Rückgang seien wie auch im vergangenen Jahr Alter und Gesundheit, Wegzug aus Haan, berufliche Veränderung oder Engagement in einem anderen Bereich. Eine kleine aber engagierte Anzahl von knapp 20 Ehrenamtlichen begleitet Familien und einzelne Personen bei Fragen im Alltag. Diese reichen von praktischen Hilfestellungen wie Orientierungshilfe bei Einstieg in den falschen Bus bis hin zu Unterstützung bei schulischen Fragestellungen oder der Suche nach Wohnung und Arbeit.

„Diese intensive Form des ehrenamtlichen Engagements ist nicht für viele Ehrenamtliche zu leisten“, betont die Caritas. Allerdings werde vielfach berichtet, „dass sich aus dieser Unterstützung ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hat“. Teilweise werde sogar von „Oma- oder Opa-Rolle“ gesprochen. Hier bleibe zu hoffen, dass diese Ehrenamtlichen ihr Engagement auch in die Zukunft eigenständig weiterführen werden.

Auf den wohl traurigsten Punkt der Caritas-Arbeit kommt der Bericht mit einer kurzen nüchternen Zeile ganz am Schluss zu sprechen. Da heißt es: „Leider wird im Jahr 2020 das Sozial- und Integrationsmanagement nicht mehr durch den Caritasverband durchgeführt.“ Gemeint ist der vertragliche Wechsel der Stadt Haan zum neuen Träger European Homecare aus Essen. Die Flüchtlingsberatung des Caritasverbandes wurde zum 31. Dezember im vergangenen Jahr aufgrund des auslaufenden Vertrages mit der Stadt Haan ­eingestellt.