Bürgerin will Denkmalschutz für Hildener Stadthalle

Hilden : Denkmalschutz für die Stadthalle?

Eine Hildenerin hat einen entsprechenden Antrag an den Ausschuss für Stadtentwicklung gerichtet.

Denkmäler verbinden die Vergangenheit mit der Gegenwart. Daran erinnert am Sonntag der bundesweite Tag des offenen Denkmals. In Hilden gibt es rund 100 eingetragene Baudenkmäler. Und wenn es nach Elisabeth Harsewinkel geht, kommt demnächst ein weiteres hinzu. Die langjährige Stadtverordnete und Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins will die Stadthalle unter Denkmalschutz stellen lassen. Über ihren Antrag beraten die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses am 11. September ab 18 Uhr im Sitzungssaal des Bürgerhauses Mittelstraße 40.

Architekt Hans Strizeweski hat die Stadthalle von 1976 bis 1978 geplant und gebaut. Der heute 91-Jährige Hildener hat seine Stadt mit mehr als einem Dutzend Bauten geprägt, darunter die Stadtbücherei und den Nové-Město-Platz sowie den Komplex Mühlenstraße mit 200 Wohnungen. Beim deutschen Architekten-Wettbewerb 1979 in München erhielt die Stadthalle Hilden mit einer „lobenden Erwähnung“ bundesweite Aufmerksamkeit.

Eine Unverwechselbarkeit
von Inhalt und Form erreicht

Es war die einzige Auszeichnung für ganz Nordrhein-Westfalen. Mit dem Verzicht auf „architektonische Extravaganzen“ habe Strizewski eine „Unverwechselbarkeit von Inhalt und Form“ erreicht, hieß es in der Begründung. Außengestalt und Innenraum seien harmonisch abgestimmt und in ihrer Zeitlosigkeit Vorbild, zitiert Elisabeth Harsewinkel die Fachjury. Auch das Land NRW habe die Stadthalle 1979 für „vorbildliches Bauen“ ausgezeichnet. „(Sie) ist in ihrer Funktionalität als Theaterraum (...), als Festhalle und durch ihre einmalig schöne Lage im Stadtpark für unsere Stadt prägend und unverzichtbar“, findet Harsewinkel Durch die Unterschutzstellung erhalte die Stadthalle noch „den ihr zustehenden ganz besonderen Stellenwert“. Ob die Stadthalle ein Denkmal ist, müsse das Fachamt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland feststellen, erläutert Bürgermeisterin Birgit Alkenings in der Sitzungsvorlage. Dies müsste dann in einem Gutachten nachgewiesen werden. Dieses Gutachten könnte die Untere Denkmalbehörde bei der Stadt Hilden anfordern.

Der Eigentümer der Stadthalle ist die Stadt Hilden Holding. Dort hat die Kommune ihre Beteiligungen gebündelt. Das städtische Beteiligungsmanagement sehe die Auswirkungen eines Denkmalschutzes auf den Betrieb „kritisch“, teilt die Bürgermeisterin mit. Geschäftsführer der Stadt Hilden Holding ist Erster Beigeordneter Norbert Danscheidt – und nicht zu sprechen, weil derzeit in Urlaub. Offenbar fürchtet die Stadt, dass Denkmalschutz-Auflagen sie im Gebrauch der Stadthalle einschränken könnten. Maßnahmen, die das Erscheinungsbild ändern, seien aktuell nicht geplant, so die Bürgermeisterin.

Die Stadt Hilden will die Halle
ab 2020 in Eigenregie betreiben

Hintergrund: Ab 2020 will die Stadt die Stadthalle in Eigenregie betreiben. Das hat der Aufsichtsrat der Stadt Hilden Holding (dort sind alle Ratsfraktionen vertreten) beschlossen. Seit 1985 Jahren betreibt die Firma Alzer Projectmanagement GmbH die Stadthalle im Auftrag der Stadt – zur vollsten Zufriedenheit von Rat und Verwaltung. Ende 2019 läuft der Vertrag aus. APM möchte nicht verlängern. Mit Stadthallen kann man kein Geld verdienen. Alle schreiben rote Zahlen, die einen mehr, die anderen weniger. Für 2017 weist die Stadt Hilden Holding für die Stadthalle einen Verlust von 956 000 Euro aus. Für 2018 rechnet sie mit einem Minus von 971 000 Euro, für 2019 mit 986 000 Euro. Die roten Zahlen kann die Stadt nicht verhindern. Rat und Verwaltung haben aber einen Weg gefunden, die Verluste zu begrenzen. Sie haben die Stadthalle der Stadt Hilden Holding übertragen. Sie kann Gewinne – etwa der Stadtwerke – steuermindernd mit Verlusten (Stadthalle) verrechnen. Das ist vom Finanzamt genehmigt.

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