Zwischen Opladen und Hilden : Bürger wehren sich gegen Ausbau der A 3

Um eine Initiative gegen den Ausbau der Autobahn ins Leben zu rufen, kamen rund 180 Menschen ins Bürgerhaus. Lärmschutz und Naturschutzgebiete waren Themen.

Einigen Besuchern blieb nur der Stehplatz: Der geplante Ausbau der Autobahn 3 zwischen Opladen und Hilden auf acht statt bisher sechs Spuren bewegt offenbar viele Menschen – und das obwohl es derzeit noch gar keine konkrete Trassenplanung gibt und ein Baubeginn erst in rund zehn Jahren zu erwarten ist. „Wir wollen nicht so lange warten, bis die Entwurfsplanung abgeschlossen ist“, erklärte Claudia Roth vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hilden. Der hatte die Einwohner zu einem Treffen eingeladen, um eine Bürgerinitiative auf den Weg zu bringen. Die solle sich aber letztlich unabhängig und überparteilich organisieren, betonte Roth.

Dafür mussten sich die rund 180 Gäste im Hildener Bürgerhaus aber erst über ihre genauen Ziele einig werden. „Am wichtigsten ist für mich der Lärmschutz“, sagte ein Teilnehmer und wiegelte ab: „Auto fahren wir ja schließlich alle.“ Die Mehrheit ging weiter: Als ein Teilnehmer aufstand und die komplette Verhinderung der Baumaßnahme forderte, erntete er kräftigen Applaus. So will die Bürgerinitiative, deren Name sich noch finden muss, den Landesbetrieb Straßen NRW zur Aufgabe des Vorhabens bewegen.

Das ist in der Kategorie „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten. Es soll Engpässe beseitigen und den Verkehrsfluss auf der vielbefahrenen Autobahn verbessern. Der Haken: Von einem Ausbau sind Wohnhäuser und Naturschutzgebiete betroffen. Bis zu 40 Meter könnte die Erweiterung dem Umland im Extremfall abknapsen. „Nicht jeder Abschnitt ist staubelastet“, warf außerdem Sven Kübler vom BUND in Haan ein.

Derzeit läuft eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Mit einem Entwurf des beauftragten Büros ist im Verlauf des Jahres 2020 zu rechnen. Erst dann fällt der Startschuss für die Behörden- und Bürgerbeteiligung. Bis dahin will die Bürgerinitiative aber schon städteübergreifend auf ihr Anliegen aufmerksam machen – mit Unterschriftenaktionen und Informationsständen.

„Wir rechnen noch nicht damit, dass bei der konkreten Organisation der Initiative sofort einer „Hier!“ schreit“ hatte Roth im Vorfeld des Abends gesagt. Doch genau das passierte: Etliche Gäste boten öffentlich ihre Unterstützung an.

Gäste bieten organisatorische Unterstützung für die Initiative an

Ein Besucher kündigte an, eine Homepage zu gestalten. Nach und nach bildeten sich Arbeitskreise. Sie befassen sich künftig mit rechtlichen Fragen, wollen Alternativen für den Ausbau der A 3 aufzeigen und verschiedene Argumente gegen das Projekt bündeln. Auch eine Petition ist geplant.

Kritisch sehen die Gegner der Autobahnverbreiterung auch den Ausbau der Raststätte Ohligser Heide: Ein modernes Verkehrskonzept solle den Güterverkehr von der Straße holen, anstatt Platz für noch mehr Lastwagen zu schaffen, sagte ein Teilnehmer unter dem Beifall der Gäste aus Hilden, Langenfeld, Leichlingen und Solingen. Deren Bürgermeister hatten in einem Brief an Straßen NRW angemahnt, Eingriffe in die Natur zu vermeiden und Lösungsalternativen zum Ausbau frühzeitig darzulegen.

claudia.roth@bund.net

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