Hilden: Bürger beklagen zu viele Tauben in Hilden

Hilden : Bürger beklagen zu viele Tauben in Hilden

Der Stadt liegen aber keine Beschwerden wegen besonders hohen Taubenaufkommens vor.

Aus seinem Herzen macht der Anwohner der Heiligenstraße keine Mördergrube: „Unerträglich“ sei, was er und seine Nachbarn inzwischen mit der Vermehrung von Tauben im Stadtgebiet erleben müssten, bemängelt der Hildener. In einem Schreiben schildert er unter anderem: Von morgens ab 5.30 Uhr an müsse man sich den ganzen Tag über die Geräuschkulisse dieser „Vögel“ anhören. Dazu komme, dass deren Kot sich über Terrassen, Autos und andere Bereiche in zunehmendem Maße ausbreite.

Auf der Mittelstraße müsse man „schon Slalom laufen“, damit man nicht auf die Tauben trete: „Da wir in der unteren Heiligenstraße – vom Kronengarten zur Mittelstraße – noch eine relativ gründe Oase hegen und pflegen, haben wir uns schon überlegt, die Bäume zu beseitigen, denn in jedem Baum brüten jede Menge Tauben und es werden immer mehr“, berichtet der Hildener, der sich nun fragt: „Was tut die Stadt eigentlich gegen die Taubenplage?“ Er habe bisher noch keine Antwort erhalten.

Im Rathaus sieht man das
Taubenproblem nicht so eng

Im Rathaus scheint die Auffassung des Anwohners nicht geteilt zu werden, wie eine Stellungnahme zeigt: Aus Sicht des Ordnungsamtes gibt es in der Hildener Innenstadt nicht mehr Tauben als für ein Stadtzentrum üblich. Der Stadt lägen auch keine Beschwerden wegen besonders hohen Taubenaufkommens vor, heißt es: „Die Hinterlassenschaften der Tauben werden im Rahmen der Stadtreinigung regelmäßig beseitigt. Ein besonderer Handlungsbedarf wird aktuell nicht gesehen.“

Taubenproblem oder nicht? Darüber gehen nicht nur in Hilden die Meinungen auseinander. Ärger und Diskussionen um die vermeindlichen Luftratten gibt es vielfach im Land. Sorgen bereitet vielen dabei die hohe Vermehrungsquote der Stadttauben: Unter optimalen Bedingungen können Stadttauben mehr als zehn Jahre alt werden. Die Weibchen legen im Schnitt zwei Eier und das mehrere Male im Jahr.

Hinzu kommt, dass durch aufgewirbelte Vogelexkremente, Gefiederreste und Tröpfcheninfektion Krankheiten von Tauben auf den Mensch sowie Haus- und Nutztiere übertragen werden können. In Kotproben und Sektionsmaterial von Tauben konnte in 40 Prozent der Fälle Ornithose-Erreger (meldepflichtige Tierseuche) und in fünf bis zehn Prozent Salmonellen ermittelt werden.

Viele Städte überbieten sich im Erfinden von Vertreibungs- und Ausrottungsmethoden. Es wird viel Geld in die Hand genommen um Gebäude und Brücken mit Spikes und Netzen zu schützen, doch die Tiere suchen sich einfach neue Plätze.

Eine schonende aber offenbar hocheffektive Methode wird in Düsseldorf angewandt: Dort hat der örtliche Tierschutzverein gemeinsam mit dem Verein Stadttiere neun große Taubenschläge gebaut. Darin werden die Tiere regelmäßig mit Futter versorgt. Da Tauben von Natur aus eher bequem sind, verbringen sie um die 80 Prozent des Tages dort, paaren sich und brüten. Die Eier werden regelmäßig gegen Attrappen aus Gips ausgetauscht – vielleicht auch ein Modell für Hilden?

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