Brand in Lackfabrik Wiederhold: Aus Schaden klug geworden

Brand in Lackfabrik Wiederhold: Aus Schaden klug geworden

Vor 50 Jahren stand die Lackfabrik Wiederhold in Flammen.

Hilden. 19 Verletzte, ein Schaden von mehreren Millionen D-Mark und dunkle Rauchschwaden, die über die Stadt zogen: Vor 50 Jahren sorgte ein Feuer in der Lackfabrik Wiederhold an der Düsseldorfer Straße für die größte Feuerkatastrophe in der Geschichte der Stadt.

Vom 15. bis 17. Dezember 1961 kämpften fast 2000 Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten gegen die Flammen im Hauptgebäude des Werkes (mit Laboratorien) sowie in einem Teil der Fabrikationsanlage.

Zur Unterstützung der Hildener Feuerwehr rückten Kollegen aus dem weiten Umkreis an. Selbst ein Großtransporter der US-Armee kam vom Frankfurter Flughafen, um den in Nordrhein-Westfalen durch den Brand knapp gewordenen Löschschaum zu bringen.

Die Einsatzkräfte konnten damals zwar das Gebäude nicht retten, aber sie verhinderten eine noch größere Katastrophe. Dabei setzten die Helfer ihr eigenes Leben aufs Spiel, denn es bestand höchste Explosionsgefahr. Im Keller des brennenden Gebäudes lagerten viele Millionen Liter hochexplosiver Flüssigkeiten sowie Tausende von Kilo leicht entzündlichen Farbpulvers.

Nach fünf Stunden war die größte Gefahr gebannt und das Feuer weitgehend unter Kontrolle. Die letzten Brandnester waren aber erst drei Tage später gelöscht. Bereits am 19. Dezember begannen die Aufräumarbeiten, und im Werk wurde wieder mit voller Belegschaft gearbeitet.

Erst Tage später wurde Fahrlässigkeit als Brandursache ermittelt: Ein Staplerfahrer hatte gegen 11.30 Uhr in der Produktionsanlage den Abfüllstutzen eines an der Decke hängenden Behälters abgefahren.

Das darin enthaltene, leicht entzündbare Lösemittel lief auf den Stapler und entzündete sich an dessen Motor. Danach ging alles rasend schnell — acht Minuten später wurde der Großalarm ausgelöst.

Als Konsequenz aus der Brandkatastrophe richtete Ellen Wiederhold im folgenden Jahr eine Werksfeuerwehr ein. Hildens Ehrenbürgerin und ehemalige Bürgermeisterin hatte zwei Jahre vor dem Brand die Leitung des Unternehmens von ihrem plötzlich verstorbenen Vater Walter übernommen.

Heute gibt es die Werksfeuerwehr nicht mehr. Sie wurde im Jahr 2005 mit der Einführung einer Notfallorganisation abgeschafft. Damals gehörte das Werk zum ICI-Konzern und wurde im Januar 2008 von Akzo Nobel übernommen.

„Früher gab es ein weitaus größeres Gefahrenpotenzial als heute“, sagt der zuständige Akzo-Bereichsleiter Gottfried Saischek zur Auflösung der Wehr. Außerdem habe Akzo laut Betriebsleiter Sjirk Altena in den vergangenen Jahren mehr als 1,4 Millionen Euro in die Brandschutz-Technik investiert.

Von den heute im Werk verwendeten Materialien gehe nicht mehr eine derart große Gefahr aus, sagt Ahmet Sakar, Brandschutz- und Notfallmanager im Hildener Akzo-Werk. Außerdem würden kleinere Mengen gelagert, „und heute gibt es keine offenen Systeme mehr“. Saischek: „Wir haben einen Sicherheitsstandard geschaffen, der aus unserer Sicht gut ist.“

Diese Standards werden regelmäßig überprüft und — falls erforderlich — weiter verbessert. Das zahlt sich aus, denn seit der Katastrophe vor 50 Jahren hat es nur noch ein Feuer im Werk gegeben: 1988 brannte es in einem (mittlerweile abgerissenen) Destillationsturm. Im Vergleich zu 1961 war dies aber eher ein Lagerfeuer.

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