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Blumen zum Selberpflücken beim ersten Haaner Wiesentag

Aktion : Naturschutz wird erlebbar

Beim ersten Haaner Wiesentag durften Spaziergänger und Naturfreunde auf der prächtig blühenden AGNU-Wiese an der Niederbergischen Allee ein Blumensträußchen pflücken. Die Vereinsmitglieder informierten über ihre Arbeit.

Beseelt schwimmen Karin Tipp und Ingrid Spickenbom tiefenentspannt am Samstagvormittag in einem Meer von weißen Margeriten und lila leuchtenden Lichtnelken, schauen sich neugierig um. Die Sonne strahlt kräftig auf das weitläufige Feld, in dem es herrlich summt und brummt. Eine leichte Brise zieht immer mal wieder über die Blütenpracht und wirbelt den Duft nach frischen Blumen auf.

Die Haanerinnen genießen offenkundig den direkten Kontakt zur Natur und wollen nun auch ein bisschen davon mit nach Hause nehmen. Zwei schöne Sträußchen, erzählen sie heiter, wollen sie binden: Jeweils eines für sich und ein zweites als kleines Pfingstpräsent für die Familie.

Tipp schwärmt von dem tollen Gefühl, nach langer Zeit wieder in einem großen Blütenfeld zu stehen: „Das weckt Erinnerungen an meine Kindheit“, sagt die Haanerin mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen. „Wobei mich das heute noch deutlich mehr erfreut als früher.“

Blumenpflücken vom Feld
ist heute nicht mehr gängig

Denn aufs Feld zu gehen und sich Blumen zu pflücken ist heute, wenn überhaupt noch erlaubt, dann nicht mehr gängig. Wie so vieles, was wir im Umgang mit der Natur verlernt haben, bedauert Armin Dahl. Er ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt (Agnu) und kümmert sich seit 2017 um das rund acht Hektar große Feld, als die Stadt die Fläche als Ausgleich für das Gelände für den heutigen Technologiepark freigab. „Margeriten erkennen die meisten, aber bei Lichtnelken und Schafgarbe hört es dann auch schon auf“, sagt er.

Dahls Blick schweift vom bunten Blütenfeld, das sich dank der Vielfalt in ein wahres Insektenparadies verwandelt hat, hinüber auf das unmittelbare Stahlgebäude im Technologiepark.

Das Anliegen des Naturschützers ist klar: Er will die Artenvielfalt erhalten, die ihren Platz benötigt. Auf der Agnu-Wiese, die normalerweise zum Schutz der Tiere für Menschen nicht zugänglich ist, haben sich mittlerweile viele Insekten und Kleintiere angesiedelt – darunter auch solche, die man in der Gartenstadt schon lange nicht mehr gesehen hat.

„Insgesamt haben wir 22 Schmetterlingsarten dokumentiert“, berichtet Falter-Fan Dahl. „Das ist viel für unsere Region.“ Schwalbenschwänze und Ochsenaugen fliegen nun regelmäßig über die Agnu-Wiese. „Auch Perlmuttfalter haben wir gesichtet, die gab es bei uns vorher nicht.“ Der Wiesentag mit der Blumenpflück-Aktion soll die Bürger für die wertvolle Arbeit der Agnu sensibilisieren, wobei Dahl bemerkt hat, dass sich viele Haaner um das Thema Gedanken machen.

Viele Agnu-Aktive haben Blühstreifen für Insekten

„Das Insektensterben beschäftigt viele und viele haben in ihren Gärten auch kleinere oder größere Blühstreifen angelegt, die den Insekten als Nahrung dient.“ Das ginge im Übrigen ganz einfach, erklärt Dahl und schmunzelt. „Man muss bei uns einfach nur so ein Tütchen mit Saatmischung kaufen und aussäen.“

So betreibe es auch die Agnu, im zugegeben größeren Stil, auf der Wiese an der Niederbergischen Allee. „Wir haben die Fläche für kleines Geld gepachtet und mit dem Verkauf von Heu decken wir gerade eben unsere Betriebskosten“, erklärt Dahl.

Dieses Modell sei stark von der Witterung abhängig. Im vergangenen Jahr habe der Verein durch den trockenen Sommer gerade einmal um die 35 Rundballen Heu aus der halben Fläche zusammen bekommen. Für dieses Jahr könnten es, sofern es etwas mehr regnet, 60 bis 100 Ballen werden.