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Bauverein Hilden leidet unter steigenden Baupreisen

Hilden : Gestiegene Baupreise plagen den Bauverein

An den Linden sollen alte Doppelhäuser durch Mehrfamilienhäuser ersetzt werden.

Die Stadt braucht bezahlbare Wohnungen: Da sind sich Stadtverordnete aller Parteien und viele Bürger einig. Nur der Bau solcher Wohnungen will nicht so recht vorankommen. Einer der wenigen, die solche Wohnungen tatsächlich auch errichtet, ist der gemeinnützige Bauverein Hilden. Auch deshalb hat der Stadtrat jetzt mit großer Mehrheit den Bebauungsplans Nr. 151 beschlossen. Er ermöglicht es der Genossenschaft, alte eingeschossige Doppelhäuser (aus den 1920/30er Jahren) auf großen Gartengrundstücken im Bereich An den Linden/ Kölner Straße/ Ohligser Weg nach und nach durch zweigeschossige Fünf-Familien-Häuser zu ersetzen.

Erstes Haus Hildens mit Niederigenergie-Standard

Wie ansprechend das aussehen kann, hat die Genossenschaft bereits vor sieben Jahren An den Linden 13/15 gezeigt. Das Fünf-Familien-Haus war laut Kreditanstalt für Wiederaufbau das erste mehrgeschossige Wohnhaus in Hilden mit Niedrigenergie-Standard. Wärmepumpe, Photovoltaik, besonders gute Wärmedämmung und intelligente Lüftung sorgen für niedrige Betriebskosten.

Mit der Änderung des Bebauungsplans will die Stadt die Siedlungsstruktur in dem historisch gewachsenen Quartier, das nicht unter Denkmalschutz steht, erhalten. Dort wird festgelegt. dass sich die Neubauten in der Höhe an die Dimension der vorhandenen Bebauung anpassen, Satteldächer vorsehen und das neue Garagen und Carports ausgeschlossen sind (nur Stellplätze).

In diesem Jahr will der gemeinnützige Bauverein den Altbaus An den Linden 18/20 abreißen. „Wir warten jeden Tag auf die Baugenehmigung“, sagt geschäftsführender Vorstand Lars Dedert: „Wir hoffen, den Neubau bis Ende des Jahres fertigstellen zu können.“ Die beiden Erdgeschosswohnungen sind komplett barrierefrei. Das gelte auch das Innere der drei Wohnungen im Obergeschoss, allerdings nicht für den Zugang. Aus Kostengründen habe der Bauverein auf einen Aufzug verzichtet. Die Genossenschaft müsse spitz kalkulieren, weil die Baupreise regelrecht explodiert seien, berichtet Lars Dedert. Das Fünf-Familien-Haus An den Linden 13/15 habe vor sieben Jahren 900 000 Euro gekostet. Die Kaltmiete beträgt 8,15 Euro. Der jetzt geplante Neubau An den Linden 18/20 wird rund 1,2 Millionen Euro. Dedert: „Das sind 30 Prozent mehr allein aufgrund der gestiegenen Baukosten.“ Diese Kostenexplosion wird sich auch in der Kaltmiete niederschlagen: Sie beträgt neun Euro. Dennoch seien alle fünf Wohnungen bereits reserviert.

Im vergangenen Jahr feierte der Bauverein seinen 100. Geburtstag. Genossenschaften erleben derzeit wieder eine Renaissance. weil sie eine wichtige Alternative zu Miet- oder zu Eigentumswohnungen bieten. Sie garantieren ihren Mitgliedern ein lebenslanges Wohnrecht. Der Bauverein erwirtschaftet Gewinne. Das muss die Genossenschaft auch, um investieren zu können und die Wohnungen in einem guten Zustand zu halten. Der Bauverein ist aber nicht so profitorientiert wie etwa ein börsennotiertes Wohnungsunternehmen. Und kann deshalb bezahlbare Wohnungen
bereitstellen.