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Auf dem Verkehrsübungsplatz in Gruiten/Mettmann ist viel los

Haan : Anfänger sammeln Fahrpraxis

Ampeln, Kreisverkehr, Hügel, Parkbuchten: Auf 34.000 Quadratmetern gepflegter Grünfläche können Fahranfänger auf dem Verkehrsübungsplatz am Gruitener Weg üben. Derzeit herrscht Hochbetrieb.

Auf dem Verkehrsübungsplatz geht es zu wie in einem Taubenschlag. Eine Autoschlange windet sich hinauf zum Kassenhäuschen, auf dem an die Einfahrt angrenzenden Platz drehen unzählige Fahranfänger nebst Elternteil auf dem Beifahrersitz ihre Runden. Auch die 18-jährige Jill ist dabei. Zum Geburtstag hat sie ihr Traumauto bekommen, einen Mini Cooper Cabrio, und trainiert mit diesem, im mehrspurigen Kreisverkehr die Spur zu halten. „Das muss ich noch ein bisschen üben“, sagt Jill, die gerade ihr Abitur gemacht hat, und lacht bestens gelaunt.

Sie ist zum ersten Mal hier, Fahrstunden nimmt sie noch nicht, und macht ihre Sache richtig gut. „Wir sind extra aus Remscheid gekommen“, berichtet Mama Svenja Bollongino, die neben ihrer Tochter sitzt. „Uns gefällt es hier sehr gut. Wir haben direkt eine Zehnerkarte gekauft und werden auf jeden Fall noch oft wiederkommen.“

Platz blieb wegen der Pandemie für längere Zeit geschlossen

Die Sonne scheint, es sind Ferien, und selbst jetzt, an einem Tag unter der Woche, sind erstaunlich viele Eltern mit ihren Kindern gekommen, um für den Führerschein zu üben. Zum Ferienbeginn und dem guten Wetter kommt, dass der Platz aufgrund der Corona-Pandemie ebenso wie weitere Veranstaltungsstätten für längere Zeit geschlossen hatte. „Einen solchen Ansturm haben wir noch nicht erlebt“, berichten der Betreiber und seine Mitarbeiter einhellig, die emsig vor dem Kassenhäuschen hin und herlaufen, um allen Interessenten zügig und unbürokratisch Zufahrt zum Übungsplatz zu ­gewähren.

Seit 45 Jahren gibt es den Verkehrsübungsplatz, der zum Teil auf Haaner, zum Teil auf Mettmanner Stadtgebiet liegt, bereits. Er ist der größte privat geführte Platz Deutschlands und bietet Fahranfängern jede Menge interessanter Stationen zum Üben. Im Internet ist er bestens bewertet, vor allem, weil die Anlage äußerst gepflegt ist. Neun Mitarbeiter kümmern sich normalerweise um den Platz, zur Zeit aufgrund des Andrangs mehr, damit alles sauber und die Rasenflächen immer frisch gemäht sind und auch sonst alles in Ordnung ist. „Wenn etwas kaputt ist, zum Beispiel eine Ampelanlage, gebe ich mir selbst 15, maximal 20 Minuten Zeit, spätestens dann ist das wieder repariert“, sagt der Betreiber, der äußerst ungern im Mittelpunkt steht und daher nur mit seinem Vornamen Jörg genannt werden möchte.

Zwei Ampelanlagen stehen zur Verfügung, zudem mehrere Hügel mit unterschiedlichen Steigungen, an denen das Anfahren am Berg geübt werden kann, auch parkende Autos gibt es – ringsum versehen mit Autoreifen, damit mögliche Parkrempler keinen Schaden verursachen –, außerdem den mehrspurigen Kreisverkehr und vor allem: keine Bäume. „Dazu bekommen wir immer wieder positives Feedback“, sagt Betreiber Jörg. „Oft sind die Fahranfänger von anderen Plätzen enttäuscht, weil sie, wenn sie doch einmal von der Straße abkämen, möglicherweise vor einen Baum fahren würden.“

Unfälle, erklärt er, passierten aber sehr selten. Sollte dies doch einmal geschehen, müssen sich die Fahrer wie im normalen Straßenverkehr auch an ihre Versicherungen wenden. „Aber alle Fahrer wissen ja, dass es sich um Fahranfänger handelt, und sind sehr vorsichtig.“

Wer viel trainiert, braucht weniger Fahrstunden zu nehmen

Je häufiger die Fahranfänger vor dem Führerschein auf dem Verkehrsübungsplatz üben, sei es das Anfahren am Berg, Wenden in drei Zügen oder unterschiedliche Einpark-Situationen, „alles prüfungsrelevante Stationen eben“, desto günstiger werde der Führerschein selbst, da weniger Fahrstunden genommen werden würden.

„Neben absoluten Anfängern kommen aber auch Wiedereinsteiger, die länger nicht gefahren sind und nun ihre Kenntnisse auffrischen möchten“, erklärt der Betreiber, der eben einer solchen Wiedereinsteigerin zuwinkt, die an der Seite ihres Mannes das Einparken übt – und sich dann von dannen macht, um etwas zu reparieren. In maximal 20 Minuten, versteht sich.