„Angels“ beunruhigen Anwohner

In roter Farbe prangt der Name auf einer Mauer an der Elberfelder Straße in Haan. Die Polizei verstärkt ihre Präsenz.

Haan. Der Rockerclub „Hells Angels“ hat in Haan ein Clubhaus eingerichtet. In großen roten Lettern ist vor einigen Tagen der Name auf eine weiße Grundstücksmauer gepinselt worden, die die ehemalige Pizzeria an der Elberfelder Straße 91 umgibt. Seit Herbst 2015 schon sind die Buchstaben „HAMC“ am Dach eines Anbaues angebracht. Bürger sind beunruhigt. In einer Unterschriftenaktion wird gefordert, kurzfristig eine „maximal erhöhte Polizeipräsenz vor dem Vereinshaus“ zu zeigen, „um den Treffpunkt für Mitglieder unattraktiv zu machen“. Mittelfristig soll ein Niederlassungsverbot für den Verein in Wohngebieten erlassen werden.

Claudia Partha, Polizeisprecherin

Seit Monaten hätten „Anwohner regelmäßig Probleme, ihr Zuhause zu erreichen, da die Vereinsmitglieder die Zufahrtsstraße, die vor dem Vereinshaus entlang führt, mit Fahrzeugen und/oder Menschenansammlungen blockieren. Anwohner und ihre Besucher fühlen sich hierdurch belästigt und eingeschüchtert“, lautet das Vorwort zur Unterschriftenliste. Bürger wandten sich auch an die Wählergemeinschaft Lebenswertes Haan (WLH), deren Fraktionsvorsitzende Meike Lukat an Bürgermeisterin Bettina Warnecke schrieb. Die solle als Dezernentin für den Bereich Sicherheit und Ordnung eine Lageeinschätzung abgeben. Die Antwort, so Lukat, sei „mehr als ernüchternd“ gewesen. Der nicht rechtsfähige Verein „Charter Goch der Hells Angels“ habe in Haan nicht einmal ein Gewerbe anmelden müssen.

Denn die „vereinsmäßige Nutzung (...) löst noch keine Verpflichtung aus, sich eine gaststättenrechtliche Genehmigung erteilen zu lassen oder einen Betrieb anzumelden“, zitiert Lukat aus einer Mail Warneckes an eine Bürgerin.

Lukat fragt die Bürgermeisterin nach Kontrollen der Ordnungsbehörde. Die WLH-Politikerin ist der Auffassung, dass sich die Gaststätte an rechtliche Vorgaben zu halten habe, die bereits bei der Gewerbeanzeige begännen. „Wenn Bürger Angsträume aufzeigen, hat ein Dezernat für Sicherheit und Ordnung zu handeln, muss hier analysieren, ob und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen“, schreibt Lukat. Nach ihrer Einschätzung müssten die Gebietsmarkierungen auf der Mauer sofort entfernt werden.

Die Polizei habe das „Hells Angels“-Quartier unter Beobachtung, erklärte Polizeisprecherin Claudia Partha. Die stärkere Präsenz wird von Bürgern positiv wahrgenommen. Mehr als verstärkte Streifenfahrten sei aktuell nicht möglich, zumal bisher vom Motorradclub noch keine Straftaten ausgegangen seien. Nachbarn beobachteten, dass „etwa zweimal die Woche jemand im Haus ist“. Die Nutzer kämen meist per Auto, nicht mit Motorrädern. Bis jetzt sei es immer friedlich gewesen. Die Partys, die im Clubhaus gefeiert würden, seien ab und zu mal sehr laut und lang, merkte ein Anwohner der Elberfelder Straße an. Wenn die Motorräder die Straße emporknatterten, sei das schon lästig. Eine Frau berichtet von freundlichen Reaktionen als sie beim Durchfahren um Platz gebeten habe.

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