Abschied von der Kirche St. Johannes in Hilden

Hilden : Kirche St. Johannes Hilden wird abgerissen

Noch in diesem Jahr soll der Spatenstich für ein Mehrgenerationenhaus erfolgen.

Unzählige Taufen, Gottesdienste, Kommunionen, Firmungen hat St. Johannes Evangelist im Westen der Stadt erlebt. Für viele Menschen war die katholische Kirche mit dem ungewöhnlichen Dach Begegnungsstätte und Ort des Trostes. Seit 2015 bereits finden dort keine Gottesdienste mehr statt, in diesem Jahr wird das Gebäude abgerissen. Die jüngste katholische Kirche der Stadt weicht einem Wohngebäude. Der Abschied auf Raten geht in die finale Phase.

Eine Fachfirma hat die Flächen rund um das markante Gebäude vor kurzem innerhalb weniger Stunden gerodet. Nur noch ein paar vereinzelte Bäume stehen an der Düsseldorfer Straße, darunter eine Kirsche, eine Eiche und ein Götterbaum. „Den müssen wir aber auch noch fällen lassen“, erklärt Ilse Klöppelt. Sie ist eine der Initiatorinnen von Trialog.

Die Baugenossenschaft steckt hinter dem Mehrgenerationenprojekt, das dort entstehen soll, wo momentan noch St. Johannes steht. Wenn der Götterbaum gefällt worden ist, kann die Baustelle eingerichtet werden – und damit auch der Abriss der Kirche beginnen. „Das kann in den kommenden Wochen der Fall sein oder erst wieder im Herbst“, sagt Ilse Klöppelt. Den genauen Zeitpunkt bestimmt die Fällgenehmigung, da der Baum unter die Baumschutzsatzung fällt.

St. Johannes Evangelist wurde 1965 als vierte katholische Kirche in Hilden errichtet. Auf mehr als 4000 Quadratmetern entstehen der moderne Kirchenbau, der freistehende Glockenturm (Campanile), die Sakristei, ein Wohnhaus für den Pfarrer, ein Gemeindezentrum, ein an die Kirche angeschlossenes Wohnhaus und ein Parkplatz. 50 Jahre lang finden vor allem Anwohner aus dem von Industrie und Gewerbe geprägten Hildener Westen ihren Weg in die Kirche. Doch das nimmt immer mehr ab, die Kosten für den Betrieb steigen. 1988 schließen sich die Pfarreien St. Johannes Evangelist und St. Jacobus zusammen. 2015 feiern die Katholiken ihren letzten Gottesdienst in der Kirche. Danach wird sie als Lager der Kleiderkammer genutzt.

Bänke, Orgel und die Glocke übernehmen Gemeinden in Polen. „Die Kirchenfenster hat ein Hildener Künstler gestaltet. Wir lassen sie momentan ausbauen und einlagern“, erklärt Kirsten-Jenny Meuter von Trialog. Danach gibt es nichts mehr, was gerettet werden muss. Selbst die Granit-Bassins für das geweihte Wasser sind bereits aus der Wand gebrochen. Der Abriss könnte also beginnen. Nur der Termin steht noch nicht fest.

Auf dem Gelände soll noch in diesem Jahr der erste Spatenstich für das Trailog-Wohnprojekt erfolgen. 16 Genossen haben sich bereits gefunden, die Initiatoren suchen aber noch weitere. Vor allem junge Menschen und Familien. Insgesamt stehen 28 zum Teil geförderte Wohneinheiten zur Verfügung, erklärt Ilse Klöppelt. Rund sechs Millionen Euro kostet der Naubau, darin sind Abriss und Asbest-Entsorgung bereits inbegriffen.

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