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Abriss von St. Johannes Evangelist hat begonnen

Hilden : St. Johannes Evangelist ist Fall für den Abriss

Kirchen sind keine normalen Gebäude. Doch wird eine im Hildener Westen abgerissen.

50 Jahre lang haben die Glocken von St. Johannes Evangelist die Gläubigen im Hildener Westen gerufen. Zu freudigen Ereignissen wie Hochzeiten, Taufen oder zur Erstkommunion. Oder auch zu traurigen wie Beerdigungen. Ende 2015 feierten die Katholiken ihren letzten Gottesdienst dort und nahmen Abschied von einem Stück Heimat. Jetzt hat der Abriss des Gotteshauses begonnen. Maximal 14 Tage lang werden die Arbeiten dauern, schätzt der Bauleiter der Firma Laarakkers. Beim Transport wurde der riesige Bagger beschädigt und musste repariert werden. Deshalb beginnen die Arbeiten mit einigen Tagen Verspätung. Zunächst wird das Kirchenschiff abgetragen. Der Turm soll in den nächsten Tagen abgetragen werden.

Die Glocken klingen
jetzt an der Nordsee

Blick in das Kirchenschiff der entweihten Kirche St Johannes Evangelist. Foto: Tobias Dupke

Der katholischen Gemeinde war es wichtig, dass das Inventar würdig weiter verwendet wird. Die Glocken läuten jetzt an der Nordsee: eine in der St. Petri-Kirche in Westerstede, zwei in der Auferstehungskirche in Ihausen. Die Bänke und die Orgel gingen nach Polen. Die Kirchenfenster hat ein Hildener Künstler gestaltet. Die Gemeinde hat sie ausbauen und einlagern lassen. Auch der Grundstein mit der Zeitkapsel wurde geborgen und der katholischen Gemeinde übergeben. Vorausgegangen waren eineinhalb Stunden anstrengende Arbeit mit dem Bohrhammer.

Ilse Klöppelt von Trialog Hilden zeigt den Entwurf für die geplante Klimaschutzsiedlung auf dem Grundstück Düsseldorfer Straße 150. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Die Stadt Hilden hatte der katholischen Gemeinde das Grundstück vor rund 50 Jahren geschenkt. Deshalb wollte die Pfarre die Anliegen der Stadt bei der künftigen Nutzung einbeziehen, hatte der damalige Pfarrer Ulrich Hennes vor seinem Wechsel nach Düsseldorf versprochen. Auf dem Gelände Düsseldorfer Straße 150 plant die Baugruppe „Trialog“ ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Die Gemeinde stellt das Grundstück in Erbpacht zur Verfügung. Die Energieagentur NRW hat das Vorhaben als „Klimaschutzsiedlung“ ausgezeichnet und wird es auch finanziell fördern. Geplant sind 28 barrierefreie Wohnungen in einem Passivhaus mit innovativen Effizienzstandard KfW 40 plus in Holzbauweise. Auf den Dächern werden rund 317 Photovoltaikmodule auf einem extensiven Gründach verbaut.

Blick in das Innere von St Johannes Evangelist. Foto: Tobias Dupke

Diese haben eine Leistung von rund 100 Kilowatt-Peak (kWp) und erzeugen etwa 84 Megawattstunden (MWh) sauberen Strom im Jahr. Durch den Batteriespeicher mit einer Kapazität von knapp 40 Kilowattstunden (kWh) erhöht sich der Anteil des Solarstroms, der im Haus verbraucht wird. Die Mieter können auf Wunsch günstigen Strom direkt von den eigenen Dächern beziehen. Er soll mindestens zehn Prozent unter dem Tarif des örtlichen Grundversorgers liegen. Solarima, ein junges Unternehmen aus Berlin, plant und betreibt die Photovoltaik-Anlage und vermarktet den damit produzierten Strom. Durch die Erzeugung von Solarstrom vermeide die Klimaschutzsiedlung rund 43 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr aus fossilen Kraftwerken. Dies entspreche einer CO2-Bindung von 3473 Buchen.

Die Idee der Gruppe Trialog ist, nachhaltig zu leben, Nachbarschaft kreativ zu gestalten, das Miteinander im Quartier zu beleben, Ressourcen zu teilen und gemeinsam zu feiern. Die Mitglieder zahlen eine Einlage, die im Bereich von 600 Euro pro Quadratmeter der jeweiligen Wohnung liegt und haben dann ein lebenslanges Wohnrecht.

Die Miete, „Nutzungsentgeld“ genannt, liegt bei monatlich 10,50 Euro pro Quadratmeter. Nebenkosten fallen bei einem derart ökologischen Passivhaus nur wenige an. 2021 soll das neue Wohnhaus fertig sein.