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300 Hildener demonstrieren gegen AfD-Treffen

Hilden : 300 Hildener bei Demo gegen die AfD

Mit einer kurzfristig organisierten Demonstration, die Sonntagmorgen rund 300 Hildener auf dem Ellen-Wiederhold-Platz lockte, hat das frisch gegründete Bündnis „Hilden stellt sich quer“ ein erstes und zugleich vernehmbares Zeichen gegen Rechts gesetzt.

„Kein Raum für Nazis – AfD raus aus Hilden!“, „Kein Fußbreit dem Rassismus!“, „Sag nicht, es ist fürs Vaterland!“, „Hilden ist bunt – No AfD!“ Dies und noch vielerlei mehr war auf Plakaten und Spruchtafeln zu lesen. Alle demokratischen Parteien, Initiative wie „Fridays for Future“ oder „Omas gegen Rechts“ und viele engagierte Bürger zeigten Präsenz – optisch wie akustisch – gegen die rechte Partei.

Am späten Freitagabend war es eine Online-Nachricht, die alles in Gang setzte. Das Nachrichten-Portal einer Tageszeitung hatte gemeldet, dass die Düsseldorfer Partei Alternative für Deutschland zur Wahl ihrer Kandidaten zur Kommunalwahl nach Hilden ausweichen würde, weil die Partei in der Landeshauptstadt keinen Versammlungsraum mehr finde. In Hilden bot sich die Chance in einer Immobilie, die einem Unterstützer der Partei gehört.

Ins Boot geholt wurden alle demokratischen Ratsfraktionen

„Hilden stellt sich quer“ war auf einem Plakat zu lesen, das die Hildener ­Grünen mit zur Demonstration gebracht hatten. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

„Wir haben herumtelefoniert, und innerhalb von zehn Minuten war klar, dass wir dagegen aktiv werden“, berichtete SPD-Vorsitzender Torsten Brehmer. Der Samstag sei genutzt worden, die Kundgebung bei Ordnungsamt und Polizei anzumelden und alle demokratischen Stadtratsfraktionen mit ins Boot zu holen. Die Resonanz habe ihn freudig überrascht, sagte Brehmer. Dass das so kurzfristig funktioniert habe, sei auch den sozialen Medien geschuldet.

„Hilden ist bunt und vielfältig und eine Stadt, die durch das Gemeinsame lebt“, rief Torsten Brehmer. Beifall brandete auf. Mehr noch, als Brehmer ergänzte, dass man „braune Rattenfänger“ nicht haben wolle. Der SPD-Chef erinnerte an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, als es in Hilden (gemessen an der Einwohnerzahl) mit sieben Toten die meisten Opfer in Deutschland gegeben. Daher gelte es, sich der Anfänge zu erwehren und zusammenzustehen.

Bürgermeisterin Birgit Alkenings freute sich in ihrer kurzen Ansprache über das „deutliche Zeichen, dass der anständige Teil der Gesellschaft einfach mehr“ ist. Die Resonanz der Veranstaltung zeige, „dass das Immunsystem der Gesellschaft noch funktioniert“. Uwe Funke, Vertreter des Bündnisses„Düsseldorf stellt sich quer“ betonte, diese Gruppe habe es geschafft, „die AfD aus unseren Versammlungsräumen zu vertreiben“.

Maria Springenberg-Eich (Hildenerin und bis März Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung) sagte, wir lebten in Zeiten des Umbruchs. Globalisierung, Digitalisierung, Terror, Krieg und Klimawandel seien Herausforderungen für die Demokratie. Die sei gefährdet, wenn sie als selbstverständlich angesehen werde, warnte Springenberg-Eich.

CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Schlottmann bedankte sich, dass so viele am Sonntagmorgen zur Demonstration gekommen waren. Demokratie müsse erarbeitet werden. Bei der Landtagsarbeit erlebe sie AfD-Politiker sehr unterschiedlich. Zum Teil konstruktiv bei der Ausschussarbeit, aber im Plenum oft in einer Art, die „an eine sehr dunkle Zeiten Deutschlands“ denken lasse. Sie appellierte an alle, der Verrohung der Sprache (auch in sozialen Netzwerken) entgegen zu treten. Und es gelte, die Menschen, die AfD – oft aus Unzufriedenheit über etablierte Parteien – gewählt hätten, abzuholen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Die Polizei zeigte am Vormittag Präsenz in der Innenstadt. Mehrere Streifenwagen standen im Umfeld von Bürgerhaus, Rathauscenter und Ellen-Wiederhold-Platz. Einsatzkräfte beobachteten das Geschehen genau.

Die AfD-Mitglieder trafen sich in einem freien Ladenlokal des Rathaus-Centers. Sie konnten auf dem Parkdeck des Gebäudes parken, dann per Aufzug ins Erdgeschoss fahren und über wenige Meter der dunklen Passage zum Tagungsort gelangen. Kleine Schilder-Aufsteller wiesen den Weg zur Eingangstür, vor der immer mindestens eine Person postiert war. Die Teilnehmerzahl war von außen kaum auszumachen, wurde aber auf etwa drei Dutzend geschätzt.

Auf dem Ellen-Wiederhold-Platz waren immer wieder Sprechchöre zu hören, die die Versammlung im Gebäude akustisch stören sollten. „Ost und West – nieder mit der Nazi-Pest“ lautete einer der Rufe. Eine junge Frau aus der Gruppe „Fridays for Future“ forderte die Menschen auf, einzustimmen. „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda!“, wurde skandiert. „Wenn wir hier laut sind, können die drinnen sich schlecht konzentrieren!“, forderte sie die Umstehenden zum Mitmachen auf. Ob’s gewirkt hat, wissen wir nicht.