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150 Jahre Haaner TV: Leibesübungen im Anzug

150 Jahre Haaner TV: Leibesübungen im Anzug

Mit dem Kauf von Reck und Barren begann vor 150 Jahren die Geschichte des Haaner Turnvereins.

Haan. Nach Leibesertüchtigung sehen die knapp 40 Mitglieder des Haaner Turnvereins (HTV) auf einem Gruppenfoto von 1903 nicht aus. Ernst dreinschauend, mit Schnäuzer, in Anzug und Hut posieren sie mit dem Vereinswappen. 40 Jahre zuvor hatte sich der Verein gegründet. In diesem Jahr feiert der HTV somit seinen 150. Geburtstag.

Der Kaufmann Karl Laux und der Weber Gustav Großbruchhaus waren es, die die Idee hatten, in Haan einen Turnverein zu gründen. Sie nahmen bereits regelmäßig an Übungsstunden des Wald-Merscheider Turnvereins teil. Also riefen sie eine erste Mitgliederversammlung ein. Das Interesse war groß, und es konnte bereits Geld gesammelt und erste Turngeräte gekauft werden: Reck und Barren.

Hinter der damaligen Gaststätte „Bebber“ wurden die Geräte aufgestellt. Das Lokal an der Turnstraße wurde die erste Vereinsstätte des HTV. Heute ist dort ein Döner-Imbiss. 1864 konnte eine Fahne mit Vereinswappen erworben werden. Im selben Jahr im Sommer lud der HTV „zum ersten Turnfest auf freiem Felde“ hinter dem Gasthaus „Zum Windhövel“ ein, wie es in der Vereinschronik heißt.

Die Bekanntheit des Vereins wuchs — und auch die Mitgliederzahl. So hatten sich um 1870 mehr als 60 Turner zusammengefunden, die neben den Turnabenden bald auch Turnfahrten unternahmen. Und das, obwohl ihr Ruf in der Bevölkerung denkbar schlecht war. Wie andere Sportvereine auch, musste der HTV gegen ein Misstrauen der Bürger kämpfen. „Blagenverein“ nannte der Volksmund die Turner.

Schon 1890 erkannten die Vereinsältesten, dass sie den Erhalt des Turnvereins nur über die Bindung der Jugend an den Verein sichern können — und so begann die Jugendarbeit. Zehn Jahre später wurde der Grundstein für die von den Vereinsmitgliedern und Spenden durch Bürger und Industrie und Handel finanzierte Turnhalle gelegt.

Der Verein hatte für 1300 Mark ein Grundstück an der heutigen Turnstraße (die damals noch nicht so hieß) gekauft. Ein Sportplatz wurde eingerichtet und 1901 die neue Turnhalle eröffnet, die später auch als Stadthalle und Gastwirtschaft genutzt wurde.

Heute hat der HTV mehr als 2400 Mitglieder — davon 50 Prozent Kinder und Jugendliche — die von etwa 60 Sport- und Gymnastiklehrern trainiert werden. Die selbstgebaute Halle an der Turnstraße ist immer noch die Heimat des Vereins.